Lichttechnik 04.04.2008, 19:34 Uhr

Wie sieht das Licht von morgen eigentlich aus?

Der Ingenieur-Dienstleister Delvis aus dem bayerischen Haimhausen ist auf Wachstumskurs. Wir stellen Delvis im Interview näher vor.

Die Entwickler, die für die Automobilindustrie und deren Zulieferer tätig sind, haben in den vergangenen 5 Jahren Umsatz und Mitarbeiterzahl nahezu verzehnfacht. Spezialisiert auf Lichttechnik arbeiten die 65 Mitarbeiter an 5 Standorten – immer in der Nähe ihrer Kunden, den Autoherstellern BMW, VW, Audi und Porsche. Ende 2006 hat Delvis in Reutlingen den jüngsten Standort eröffnet, schon bald soll in Niedersachsen die sechste Niederlassung starten.

König: Überleben als Kleiner ist eigentlich nicht möglich. Der Preisdruck ist enorm hoch. Die Automobilhersteller verlangen jedes Jahr Preisnachlässe. Vor 3, 4 Jahren sogar im zweistelligen Prozentbereich. Nicht einmal die Personalkosten bleiben davon verschont.

VDI nachrichten: Wie schaffen Sie es trotzdem?

König: Delvis ist stark durch die Spezialisierung und das interdisziplinäre Arbeiten. Zum einen müssen wir Experten in unserem Fachgebiet sein, zum anderen dürfen wir die Disziplinen, die es um uns herum gibt, nicht ignorieren. Unser Fachgebiet ist die Beleuchtung, da sind wir Profis. Aber wir kümmern uns auch darum, wie das Licht angesteuert, entwärmt und gekühlt wird. Oder wir müssen darauf achten, dass die Monteure ein Leuchtmittel gut ein- und ausbauen können. Im Innenraum schauen wir danach, dass die Lichtmodule gut verklipst sind. Die Harmonie im Fahrzeuginneren wird über das Licht erzeugt, deshalb prüfen wir, ob sich der Fahrer geblendet fühlt.

Und das alles müssen wir effektiv entwickeln. Wir arbeiten den Autoherstellern in der Vorentwicklung zu. Aufgrund unserer Analysen und Modelle entscheiden Vorstände, welche Lichtvarianten es in den Modellbau schaffen und schließlich in die Serienfertigung.

Und damit können Sie Geld verdienen?

König: Zumindest erwirtschaften wir bei einem Jahresumsatz von 2,6 Millionen Euro in 2007 eine Rendite, die über den Bankzinsen liegt.

Über 4 %?

König: Zwischen 4 % und 10 %.

Schrumpfen die Margen durch den Renditedruck, unter dem die Auto-Konzerne selbst stehen?

König: Ja, die Margen schrumpfen. Der Druck der Einkäufer ist sehr groß. Wir haben aber den Vorteil, dass wir keine Produktion haben, die wir auslasten müssen. Und es sind auch keine teuren Maschinen oder Halbfertigwaren vorhanden, die wir finanzieren müssen. Wir sind nur in der Forschungs- und Entwicklungsphase beteiligt. Und wenn da die Budgets eingeplant und freigegeben sind, werden sie auch ausgeschöpft.

Wie schaut dann ihre Eigenkapitalrendite aus?

König: Bezogen auf den Umsatz haben wir bisher eine Quote von 10 %.

Ist Delvis nicht zu schnellem Wachstum gezwungen, zu Expansion in andere Branchen?

König: Im Moment lastet uns die Automobilbranche aus. Trotzdem versuchen wir in anderen Branchen Fuß zu fassen. Allerdings nicht um jeden Preis. Wir sind sehr vorsichtig, was den Einsatz fremder Finanzmittel angeht. Unser Ziel ist es, über die Qualität zu wachsen, nicht über die Quantität.

Ein spannender Wirtschaftszweig ist die Unterhaltungs-Elektronik. Der Einsatz von Licht zur Hinterleuchtung von Bildschirmen ist so ein Thema oder der medizintechnische Markt. Hier werden ebenfalls immer mehr Bildschirme und LEDs eingesetzt, genauso wie im Wohnbereich.

China produziert schon heute mehr Autos als Deutschland. Wie schaut es mit internationalen Märkten aus?

König: Für kleine Engineering-Firmen wie uns, ist das im Moment kein Thema. Zu ungewiss sind die Märkte. Die Investitionen und Risiken sind zu groß, um im Ausland zu expandieren. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die deutschen Zulieferer. Bosch, Magna und Osram sind schon heute unsere Kunden.

Konkret, wie wollen Sie weiteres Wachstum realisieren?

König: 2008 planen wir einen Umsatzsprung von 2,6 Mio. € auf 4,5 Mio. €. Wir haben Ende vergangenen Jahres 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Verteilt auf alle Standorte. Und das alles bei einem sehr konservativen Finanzierungsgebaren. Unsere Erfolgsformel ist die schmale Verwaltung, das sind nur dreieinhalb kaufmännische Mitarbeiter, das ist außerdem die gute Stimmung in der Firma und das ist der Freiraum, den wir als kleine Firma unseren Beschäftigten geben können. Freiraum und Verantwortung.

Außerdem haben wir einen Frauenanteil von 20 %, und das bei Ingenieurberufen. Die Mitarbeiterinnen wissen, dass wir sie halten wollen, wenn das Thema Familienplanung ansteht. Arbeitsplatz und Arbeitszeit sind sehr flexibel. Trotzdem arbeiten alle mehr als 40 Stunden in der Woche. Schlussendlich kommt hinzu, dass wir mit den Kunden Verträge ausgehandelt haben, die Abschlagszahlungen vorsehen. Das Wachstum schaffen wir auch dank einer soliden Liquiditätsplanung.

Falls Sie trotzdem fremdes Kapital brauchen, etwa um einen Forderungsverlust auszugleichen, woher nehmen Sie es?

König: Ich habe es zwar in den zehn Jahren, in denen ich hier arbeite, noch nicht erlebt, aber wenn es hart kommt, werden alle neun Gesellschafter einspringen – da bin ich mir sicher.

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel – woher haben Sie die 20 neuen Mitarbeiter?

König: Wir gehen sehenden Auges durch den Markt. Ein Teil der neuen Kollegen kommt von anderen Dienstleistern, die in Schieflage geraten sind. Delvis setzt aber vor allem auf die Kooperation mit Hochschulen. 2008 arbeiten wir erstmals mit Studenten der Berufsakademie in Mosbach zusammen. Mit der Fachhochschule in Nürnberg und der Technischen Universität in Ilmenau klappt die Zusammenarbeit seit Jahren sehr gut. Wir vergeben Praktika, Diplomarbeiten, sogar Dissertationen. Entscheidend ist, dass wir die angehenden Maschinenbauingenieure früh für das Thema Licht gewinnen – dann ist die Chance groß, dass sie nach dem Studium bei uns landen.

Wie klappt der Wissenstransfer aus den Universitäten?

König: Professoren halten Weiterbildungen bei uns im Haus. Zusätzlich finanzieren wir aktuell vier Stipendien. Zwischen 700 € und 1200 € sind das pro Stipendium, pro Monat. Im Gegenzug können wir bei der Entscheidung mitreden, welche Projektarbeiten an den Hochschulen gemacht werden.

Wer hilft bei der Entwicklung neuer Produkte?

König: Da die Zusammenarbeit mit den Hochschulen gut funktioniert, nutzen wir hier auch das Know-how. Hinzukommen Partnerfirmen aus dem gesamten Bundesgebiet, die ähnlich gelagert sind, wie wir. Beispielsweise haben wir keinen eigenen Modellbau, dafür aber einen entsprechenden Partner. Ähnlich ist es in der Messtechnik. Lohnt sich eine Investition von beispielsweise 60 000 € in ein Messgerät für einen einmaligen Auftrag nicht, übernimmt die Messung ein Kooperationspartner aus unserem Netzwerk.

Wie sieht das Licht von morgen aus?

König: Es wird intelligent. Aktuell sehen wir LED-Leuchten etwa bei den Oberklassemodellen von Lexus oder Audi. Dieser Trend setzt sich in der Mittelklasse fort. Intelligenz bedeutet, es gibt neue Features: Etwa dass Aufblendlicht den Gegenverkehr nicht mehr blendet.

Von Michael Sudahl

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