VDI 23.03.2007, 19:27 Uhr

„Wir wollen den Technikstandort Deutschland voranbringen“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 3. 07, Fr – Deutschland bis 2015 wieder zum weltweit führenden Technikstandort zu machen, ist das Ziel der VDI-Initiative „Sachen machen“. Rund 100 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft wollen im Rahmen der Initiative, deren Jahrestreffen in Düsseldorf stattfand, vor allem den „Nachwuchs stärken“ und „Innovationen fördern“. Erste Schritte sind getan, wie die Auszeichnungen mit dem Best Practice Award 2007 zeigen.

Neben der Umsetzung der Ziele sei außerdem, meinte VDI-Direktor Fuchs weiter, der Netzwerkcharakter hervorzuheben. „Wir können nur so gut sein, wie wir alle unsere gemeinsamen Ideen in die Initiative einbringen.“ Dass alle Partner an einem Strang ziehen müssen, um den Technikstandort Deutschland langfristig zu stärken und zu fördern, darin waren sich die Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft einig.

Auch wenn die Probleme differieren. Denn ohne Zweifel fällt es Großkonzernen wie Siemens oder E.on leichter, hoch qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren als dem Mittelstand. Doch das grundlegende Problem stellt sich allen Unternehmen gleichermaßen: Der technische Nachwuchs fehlt bereits heute und aufgrund des demografischen Wandels wird sich der Fachkräftemangel noch verstärken.

E.on als Premiumpartner der Initiative setzt hier auf die exzellente Aus- und Fortbildung seiner Mitarbeiter. „Die E.on Academy betreut unsere 200 Führungskräfte und bildet sie gezielt weiter“, erklärte Christoph Dänzer-Vanotti, Personalvorstand des Düsseldorfer Energieversorgers.

Der Mittelstand steht bei diesen Herausforderungen den großen Konzernen in keiner Weise nach. Auf Technik-Know-how und Kreativität etwa setzt die Firma Rittal. So hat die Firma die Online-Informations-Plattform „Faszination Zukunft“ entwickelt, auf der aktuelle Forschungsergebnisse über den Einsatz neuer Technologien bei den verschiedenen Rittal-Produkten veröffentlicht werden.

Auch Politik und Wissenschaft sitzen längst mit im Boot, wenn es um die Förderung des Nachwuchses geht und um die Umsetzung von Patenten in die Praxis. Katherina Reiche, CDU-Bundestagsabgeordnete, weiß um die Abgedroschenheit des Wortes „Innovation“, wenn sie davon spricht, „dass es in den letzten Jahren überstrapaziert wurde“. Dennoch, das Wort benutzt auch sie, als sie darauf verweist, dass Deutschland auf Innovationen setzen müsse.

Voraussetzung für diese seien die Verzahnung von Lehre und Forschung. Das Fundament, so Reiche, haben wir, nämlich die Schulen. Konzepte auch, beispielsweise die Hightech-Strategie, die die Bundesregierung im Herbst 2006 ins Leben gerufen und damit eine neue Ära der Innovationspolitik eingeläutet hat. „Was wir nicht haben, ist eine glückliche Hand beim Technologie-Transfer, doch diesen brauchen wir dringend“, so Reiche.

Dieser Appell hallte nach. Auch dann noch, als Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf dem Podium eine Antwort auf die Frage suchten, ob Deutschland eine Innovationswüste sei. Kein Zweifel – die Frage war provokativ, die Antworten waren eindeutig: „Nein!“, so die Stimmen aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Kay Mayland, Vorstandsvorsitzender der SMS Demag AG beruft sich dabei auf die Weltmarktführerstellung Deutschlands. Die gelte es auszubauen. Anlass zur Sorge gibt ohne Zweifel das Nachwuchsproblem. „Es ist für uns wesentlich einfacher, in China gute Leute zu bekommen als in Deutschland.“

Der Brain-Drain – die Abwanderung von Fachkräften ins Ausland – krönt das Nachwuchsproblem, so sollte man meinen. Aber Joachim Möller, Mitglied des Bereichsvorstands der Siemens AG, versucht es positiv darzustellen: „Wenn diese jungen, dynamischen Leute zurückkommen, haben sie interkulturelles Geschick erworben und sind noch besser als vorher.“ Der Wermutstropfen: Es kommt nur jede vierte Fachkraft wieder zurück nach Deutschland. Burkhard Rauhut, Rektor der RWTH Aachen, verweist darauf, dass es nicht nur die Elite geben kann und darf, sondern auch die „Mittelmäßigen“. „Wir müssen umdenken und Menschen eine zweite Chance geben.“ Denn nicht jeder erreiche seine Ziele auf direktem Wege.

Auch Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung und früherer Bundesaußenminister, sieht Deutschland nicht auf verlorenem Posten: „Wir haben Stärken etwa im Maschinenbau, der Chemie- und Automobilbranche.“ Aber auch Schwächen – die lägen in den Zukunftstechnologien.

Kinkel bereitet es als allerdings Sorgen, dass exzellente Forscher, wie der Klimaforscher Gerald Haug, der kürzlich den Leibniz-Preis 2007 erhalten hat, Deutschland verlassen. Laut Kinkel liegen die Gründe auf der Hand: „Forscher verdienen in Deutschland zu wenig und müssen neben der Forschung zu 50 % lehren.“ Diese starren Vorgaben gäbe es etwa in den USA nicht. Darüber hinaus stimmten die Rahmenbedingungen nicht. Dass Kinkel damit – als früherer Außenminister – seinen Fuß in die Politik setzt, verwundert nicht.

Eines machte die Diskussion deutlich: Der Optimismus in Deutschland wächst und was noch schöner ist – mit ihm auch das „Wir-Gefühl“. Das Ziel ist der Dreiklang aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Das Zepter, was die Rahmenbedingungen betrifft, hält die Politik in der Hand. „Sachen machen“ wir alle gemeinsam. Und das scheint ein sehr erfolgreicher Weg zu sein.

JULIA SCHLINGMANN

www.hightech-strategie.de

Für die Initiative „Sachen machen“ fällt die Bilanz des ersten Jahres sehr positiv aus. Darüber waren sich die Teilnehmer des Jahrestreffens, das am 15. März in der IKB Deutsche Industriebank in Düsseldorf stattfand, einig.

„Wir haben letztes Jahr mit 44 Partnern angefangen. Mittlerweile haben sich rund 100 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft der Initiative angeschlossen“, freute sich Willi Fuchs, Sprecher der Initiative und VDI-Direktor. Bundesweit wurden vergangenes Jahr im Rahmen von mehr als 300 Aktivitäten rund 850 000 Schülerinnen und Schüler erreicht.

Im Vordergrund stand dabei die Verwirklichung der Kernziele der Initiative. Fuchs meinte dazu: „Uns ist es wichtig, durch die praktische Orientierung für Menschen und Unternehmen sowie konkrete Maßnahmen in den Kernbereichen ,Nachwuchs begeistern“, ,Innovationen fördern“ und ,Standort stärken“ den Technologiestandort Deutschland voranzubringen.“ Mehr noch: Das erklärte Ziel sei es, Deutschland bis 2015 wieder zum weltweit führenden Technikstandort zu machen.

Neben der Umsetzung der Ziele sei außerdem, meinte VDI-Direktor Fuchs weiter, der Netzwerkcharakter hervorzuheben. „Wir können nur so gut sein, wie wir alle unsere gemeinsamen Ideen in die Initiative einbringen.“ Dass alle Partner an einem Strang ziehen müssen, um den Technikstandort Deutschland langfristig zu stärken und zu fördern, darin waren sich die Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft einig.

Auch wenn die Probleme differieren. Denn ohne Zweifel fällt es Großkonzernen wie Siemens oder E.on leichter, hoch qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren als dem Mittelstand. Doch das grundlegende Problem stellt sich allen Unternehmen gleichermaßen: Der technische Nachwuchs fehlt bereits heute und aufgrund des demografischen Wandels wird sich der Fachkräftemangel noch verstärken.

E.on als Premiumpartner der Initiative setzt hier auf die exzellente Aus- und Fortbildung seiner Mitarbeiter. „Die E.on Academy betreut unsere 200 Führungskräfte und bildet sie gezielt weiter“, erklärte Christoph Dänzer-Vanotti, Personalvorstand des Düsseldorfer Energieversorgers.

Der Mittelstand steht bei diesen Herausforderungen den großen Konzernen in keiner Weise nach. Auf Technik-Know-how und Kreativität etwa setzt die Firma Rittal. So hat die Firma die Online-Informations-Plattform „Faszination Zukunft“ entwickelt, auf der aktuelle Forschungsergebnisse über den Einsatz neuer Technologien bei den verschiedenen Rittal-Produkten veröffentlicht werden.

Auch Politik und Wissenschaft sitzen längst mit im Boot, wenn es um die Förderung des Nachwuchses geht und um die Umsetzung von Patenten in die Praxis. Katherina Reiche, CDU-Bundestagsabgeordnete, weiß um die Abgedroschenheit des Wortes „Innovation“, wenn sie davon spricht, „dass es in den letzten Jahren überstrapaziert wurde“. Dennoch, das Wort benutzt auch sie, als sie darauf verweist, dass Deutschland auf Innovationen setzen müsse.

Voraussetzung für diese seien die Verzahnung von Lehre und Forschung. Das Fundament, so Reiche, haben wir, nämlich die Schulen. Konzepte auch, beispielsweise die Hightech-Strategie, die die Bundesregierung im Herbst 2006 ins Leben gerufen und damit eine neue Ära der Innovationspolitik eingeläutet hat. „Was wir nicht haben, ist eine glückliche Hand beim Technologie-Transfer, doch diesen brauchen wir dringend“, so Reiche.

Dieser Appell hallte nach. Auch dann noch, als Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf dem Podium eine Antwort auf die Frage suchten, ob Deutschland eine Innovationswüste sei. Kein Zweifel – die Frage war provokativ, die Antworten waren eindeutig: „Nein!“, so die Stimmen aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Kay Mayland, Vorstandsvorsitzender der SMS Demag AG beruft sich dabei auf die Weltmarktführerstellung Deutschlands. Die gelte es auszubauen. Anlass zur Sorge gibt ohne Zweifel das Nachwuchsproblem. „Es ist für uns wesentlich einfacher, in China gute Leute zu bekommen als in Deutschland.“

Der Brain-Drain – die Abwanderung von Fachkräften ins Ausland – krönt das Nachwuchsproblem, so sollte man meinen. Aber Joachim Möller, Mitglied des Bereichsvorstands der Siemens AG, versucht es positiv darzustellen: „Wenn diese jungen, dynamischen Leute zurückkommen, haben sie interkulturelles Geschick erworben und sind noch besser als vorher.“ Der Wermutstropfen: Es kommt nur jede vierte Fachkraft wieder zurück nach Deutschland. Burkhard Rauhut, Rektor der RWTH Aachen, verweist darauf, dass es nicht nur die Elite geben kann und darf, sondern auch die „Mittelmäßigen“. „Wir müssen umdenken und Menschen eine zweite Chance geben.“ Denn nicht jeder erreiche seine Ziele auf direktem Wege.

Auch Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung und früherer Bundesaußenminister, sieht Deutschland nicht auf verlorenem Posten: „Wir haben Stärken etwa im Maschinenbau, der Chemie- und Automobilbranche.“ Aber auch Schwächen – die lägen in den Zukunftstechnologien.

Kinkel bereitet es als allerdings Sorgen, dass exzellente Forscher, wie der Klimaforscher Gerald Haug, der kürzlich den Leibniz-Preis 2007 erhalten hat, Deutschland verlassen. Laut Kinkel liegen die Gründe auf der Hand: „Forscher verdienen in Deutschland zu wenig und müssen neben der Forschung zu 50 % lehren.“ Diese starren Vorgaben gäbe es etwa in den USA nicht. Darüber hinaus stimmten die Rahmenbedingungen nicht. Dass Kinkel damit – als früherer Außenminister – seinen Fuß in die Politik setzt, verwundert nicht.

Eines machte die Diskussion deutlich: Der Optimismus in Deutschland wächst und was noch schöner ist – mit ihm auch das „Wir-Gefühl“. Das Ziel ist der Dreiklang aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Das Zepter, was die Rahmenbedingungen betrifft, hält die Politik in der Hand. „Sachen machen“ wir alle gemeinsam. Und das scheint ein sehr erfolgreicher Weg zu sein. JULIA SCHLINGMANN

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