Dienstleistung 15.08.2008, 19:36 Uhr

„Wir spielen nicht nur Champions League, wir gewinnen sie“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 8. 08, elb – Der Elektrotechnik- und Kommunikations-Spezialist Heldele aus Salach ist bei Autoherstellern genauso als Dienstleister gefragt wie bei Versicherungen. Mit 600 Mitarbeitern hat sich der Schwabe nämlich auf Gebäudeautomation und Industrieanlagenbau spezialisiert. Geschäftsführer Wilhelm Wahl erklärt im folgenden Gespräch, warum sein Unternehmen schneller als die Konkurrenz ist, und mit welch pfiffigen Ideen er Nachwuchskräfte lockt.

Wahl: Abgerechnet wird zum Schluss. Aber es stimmt schon, unsere 10 kV Trafostationen versorgen die komplette Baustelle mit Strom. Wir liefern Daten- und Videosysteme für Zugangs- und Kontrollsysteme, die Brandmeldeanlage und die spezielle Beleuchtung. Das ist ein Großauftrag. In der Spitze sind bis zu 70 Mitarbeiter auf der Baustelle, im Schnitt immerhin 40. Und denen wird einiges abverlangt: Körperlich, weil sie teils bis zu 20 m hoch klettern müssen, um Kabelkanäle zu verlegen. Und geistig, weil sie fast während der gesamten Bauphase in Abstimmung mit Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern die Dimensionierung der Versorgungskanäle berechnen müssen. Hinzu kommt der hohe Termindruck. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass dies nicht nur ein imageträchtiger Auftrag ist.

VDI nachrichten: Inwiefern?

Wahl: Erstens haben wir uns gegen zehn Mitbewerber aus ganz Europa durchgesetzt. Das zeigt, dass wir nicht nur Champions League spielen, sondern sie auch gewinnen können. Zweitens haben sich in den Porsche-Standorten Zuffenhausen und Weissach zwei Folgeaufträge ergeben.

Bisher waren wir für den schwäbischen Sportwagenhersteller noch nicht tätig, obwohl wir sozusagen Nachbarn sind. Wir sind beide in der Region Stuttgart zuhause.

In Zuffenhausen hat man gemerkt, dass wir neben der Gebäudetechnik auch in kompletten Industrieanlagen das perfekte Zusammenspiel von mechanischen und elektrotechnischen Komponenten auf unterschiedlichen Ebenen beherrschen.

VDI nachrichten: Ist das Ihre Strategie, Diversifizierung, weil der Druck in speziellen Märkten zu groß wird?

Wahl: Von den 65 Mio. € Umsatz, die wir im letzten Geschäftsjahr erwirtschaftet haben, erzielten wir 30 Mio. € im Sektor Gebäudetechnik, also einschließlich der Gebäudeautomation. 14 Mio. € kamen über die Kommunikation, sprich Telefon- und Videoanlagen, Einbruch-, Brandschutz- und Medientechnik ein. Rund 11 Mio. € stammten aus Verfahrenstechnik, Steuerungs- und Verteilerbau. Den Rest, 10 Mio. €, setzten wir mit Netzwerken, Datentechnik und Service um. Beispielsweise hosten wir bis zu 30 000 Datenports bei einem Großkunden aus der Sparte Automobil. Dazu gehören PCs, Faxe, Drucker und Telefon.

VDI nachrichten: Aber das können viele Anbieter. Wo unterscheiden Sie sich vom Wettbewerb?

Wahl: Wir sind schneller. Einige Großkunden etwa fordern eine Reaktionszeit von einer Stunde und das rund um die Uhr, das gesamte Jahr über. Diesen Service zu bieten, das ist eine organisatorische Meisterleistung, denn die Kosten dafür sollen ja nicht explodieren.

Bedenken Sie, dass Großkunden Wert auf eine durchgängige Prozessdokumentation legen. Von 20 Mitarbeitern, die bei einem solchen Projekt im Einsatz sind, sind sieben Projektmanager. Und somit fast ausschließlich administrativ tätig.

Bleiben wir beim oben genannten Beispiel: Um Aufträge zu bekommen, muss man in einigen Fällen sogar ein Bonus-Malus-System erfüllen und 95 % der geforderten Leistungen bringen. Liegen wir darunter, fliegen wir raus. Wir erfüllen 99 %. Das bedeutet, wir sind immer einen Schritt besser, als unsere Kunden es von uns erwarten. Das sichert uns einen guten Auftragseingang und macht uns für weitere Projekte attraktiv.

Hinzu kommen aktuell 2000 Wartungsverträge, die rund 10 % zum Umsatz beisteuern. Meist sind das Telefonanlagen und Anlagen der Gefahrenmeldetechnik, die wir betreuen. Wenn wir hier gute Arbeit leisten, ist das der Nährboden für Folgeaufträge, und zwar in allen vier Geschäftsfeldern.

VDI nachrichten: Heldele war vor 40 Jahren ein Elektrogeschäft. Wie haben Sie den Eintritt in neue Märkte geschafft?

Wahl: 1964, als von Adolf Heldele ein bestehendes Elektrogeschäft übernommen wurde, sind wir durch die reine Elektroinstallation mit der Industrie in Kontakt gekommen und haben dadurch die höherwertige Elektrotechnik betreut und uns in Richtung industrielle Wartung, Instandhaltung und Datentechnik aufgestellt.

Diese Entwicklung weitete sich auf die Bereiche Automatisierung und Robotik von Produktionsanlagen und Fertigungsstraßen aus. So kamen wir bereits Ende der 1970er Jahre auch an die Automobil- und deren Zulieferersparte heran.

Am Standort Stuttgart-Hedelfingen konstruieren, entwickeln und programmieren wir heute Steuerungen für Förderanlagen für den Getriebe- und Motorenbau. Aber das war das alte Jahrtausend.

Wenn sie jetzt in neue Märkte wollen, müssen sie investieren. Wir suchen gezielt nach Firmen, die wir übernehmen können. Bis zu fünf Jahreserträge kostet es, ein Unternehmen zu kaufen. Das wissen wir aus der Klärwerkstechnik. Dort haben wir einen Betrieb übernommen, um Kompetenz zu kaufen und in den Markt vorzudringen.

VDI nachrichten: Woher wissen Sie, welche Märkte Zukunft haben?

Wahl: Durch klassische Marktstudien und Diplomarbeiten. Beispiel Blockheizkraftwerk: Für wen kann es interessant sein? Spontan denkt man, für Industrieunternehmen, die damit Leistungsschwankungen ausgleichen. Denn ein Drittel der erzeugten Energie ist Strom, zwei Drittel sind Wärme.

Wir sagen aber: Dann ist es doch vor allem für Betreiber wärmeintensiver Räume sinnvoll. Für Hotels, Schwimmbäder und Wellness-Tempel zum Beispiel. Wir bieten dieser Zielgruppe an, die Energie richtig zu nutzen und sie mit Heldele-Technik intelligent zu steuern.

VDI nachrichten: Wie behalten Sie bei dieser Vielzahl von Kunden und Techniken den Überblick?

Wahl: Indem wir, mein Geschäftsführerkollege Bernd Forstreuter und ich, unser mittleres Management stärken. Die elf Kollegen sind für sieben Profit-Center zuständig. Dafür tragen sie die Gesamtverantwortung. Wir versuchen, die übergeordneten Probleme zu lösen.

VDI nachrichten: Welche sind das?

Wahl: Der steigende Preisdruck bei den Großkunden und die Gewinnung neuer Fachkräfte.

Wahl: Mit einem Strauß an Maßnahmen: Wir gehen in Schulen im Landkreis Göppingen und versuchen, ab der siebten Klasse Präsenz zu zeigen. Beispielsweise über Schülerzeitungsprojekte. Ein Teil unserer fast 90 Auszubildenden unterstützt die Redaktionen in neun Realschulen.

Oder wir laden Lehrer, Eltern und Ausbilder ein, um sich ein Referat des Jugendforschers Axel Dammler anzuhören, der ihnen erklärt, wie die Jugend heute tickt und warum. Denn nur, wenn wir das verstehen, gelingt es uns, sie für den Unterricht, die Familie und für die Arbeitswelt zu gewinnen.

Zusätzlich veranstalten wir einen „Abend der Bewerber“, an dem Jugendliche sich gemeinsam mit ihren Eltern unser Unternehmen anschauen können, und wir sie kennen lernen.

Der Hochschule in Göppingen haben wir im Dezember einen Smart gestiftet und unterstützen dort Forschungsprojekte.

Außerdem sponsern wir ab November die First-Lego-League, einen Wettbewerb, bei dem sich Schüler für Technik begeistern sollen. Das sind alles Maßnahmen, die bisher nur von Konzernen bekannt sind. Wir als Mittelständler gehen diesen Recruitingweg als einer der ersten.

VDI nachrichten: Lohnt sich der Aufwand, der Sie immerhin 40 000 € pro Jahr kostet?

Wahl: Wir suchen jedes Jahr bis zu 28 Auszubildende. Bisher haben wir immer die passenden gefunden. Wie viele Ingenieure fehlen laut VDI in Deutschland – 90 000? Hinzu kommt, dass Salach unbestritten nicht so attraktiv wie München oder Hamburg ist. Und trotzdem sind wir personell gut ausgestattet, was ein klarer Wettbewerbsvorteil ist.

VDI nachrichten: Wie trifft Sie der schwankende Auftragsbestand Ihrer Kunden

Wahl: Nehmen Sie eine vollautomatisierte Fertigungsstraße mit Robotern, Messtechnik, Sicherheitsvorrichtungen usw. Diese Anlagen sind ausgelegt auf 100 % Leistung. Wir schaffen die steuerungstechnischen Voraussetzungen. Das ist eine Ingenieurshöchstleistung. Denn die Roboter müssen an die Taktzeiten angepasst werden und gleichzeitig fehlerfrei miteinander kommunizieren.

VDI nachrichten: Wo steht Heldele in zehn Jahren?

Wahl: Wir treiben die Diversifizierung weiter voran. Gleichzeitig saugen wir alles an, was zu unserem bisherigen Portfolio passt. Damit wird unsere Basis breiter. Uns spielt in die Karten, dass die Gebäudetechnik komplexer und automatischer wird.

In zehn Jahren ist bei Neubauten das vollautomatische Haus Standard, gekoppelt mit wenig Energieverbrauch und -verlust. Außerdem bin ich sicher, dass in Deutschland wieder mehr produziert wird – alleine schon wegen der steigenden Transportkosten. Wir bauen und betreuen dann hoffentlich die Industrieanlagen.

Spannend wird auch die Frage, wie sich Osteuropa entwickelt, und welche Rolle wir als Dienstleister dabei spielen können. Da gilt es, sich jetzt schon strategisch gut aufzustellen.

VDI nachrichten: Was bedeutet das für Sie?

Wahl: In Polen generieren wir bereits 5 % unserer Aufträge und wollen in den kommenden drei Jahren auf 10 % wachsen. Ähnliches kann ich mir für Russland vorstellen.

MICHAEL SUDAHL

  • Michael Sudahl

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