Industrie 01.04.2005, 18:37 Uhr

Wie Ideen am Fließband produziert werden  

Henkel und 3M gehören natürlich auch zu den Unternehmen, die ohne neue Ideen nicht existieren können. Aber die Produktentwickler wissen, dass das eigene Büro kein guter Platz für Innovationen ist. Deshalb haben sie sich mit dem Dienstleister Brainstore zusammengetan, der hilft, Inspirationen am Fließband zu produzieren. Die Firmen haben erkannt, dass es nicht ausreicht, Ingenieure und Marketingspezialisten mit dem Auftrag zusammenzuholen, mal eben neue Ideen zu entwickeln.

Entfachen wir ein neues Feuerwerk von Ideen“, so lautet die Agenda beim Technologieunternehmen 3M. James McNerney, der Firmenchef, beschwor die weltweit 67 000 Mitarbeiter mit der Formel 2x/3x. Das sieht aus wie eine Hausaufgabe in Mathematik, ist aber ein in Zahlen verschlüsselter Appell. Alle sollen mitmachen – es gelte, so McNerney, zwei Mal so viele Ideen zur Machbarkeit zu treiben und damit drei Mal so viel Erfolg am Markt zu haben. 2x/3x eben.

Dass Unternehmen sich so anstrengen wie 3M, findet Nadja Schnetzler nicht ungewöhnlich. „In Zukunft geht es darum, Ideen am Fließband zu produzieren“, beschreibt sie, was auf die Berufswelt zukommt. Mehr Ideen, bessere Ideen – und alles schneller als bisher, mit diesen Zielen versuchen Unternehmen weltweit, ihre Mitarbeiter zu infizieren, um die Nase im Wettbewerb vorn zu behalten.

Nadja Schnetzler muss es wissen. Sie beschäftigt sich tagaus, tagein damit, noch mehr Ideen zu finden: Vor 14 Jahren gründete sie Brainstore. Dieser Dienstleister mit Sitz im schweizerischen Biel verhilft Unternehmen dazu, gute Ideen zu finden – und das in großen Mengen. Das Vorgehen in Projekten ist immer gleich: Erst trägt Brainstore massenweise Inspirationen zusammen – das können 3000 oder auch mal 10 000 Mini-Ideen sein. Diese werden dann über mehrere Stufen so lange verdichtet, bis zwei, drei Knüller übrig bleiben.

Nadja Schnetzler, heute 32 Jahre alt, muss ihr Thema immer wieder predigen. Denn das typische Büro ist kein Raum für gute Ideen: „Die meisten Mitarbeiter kümmern sich nicht um das Neue“. Innovation würde oft abgeschoben, sei nur in einem kleinen, abgezirkelten Kästchen der Organisation zu Hause, bemängelt die Beraterin. „Es reicht nicht, eine Hand voll Ingenieure oder Marketingmanager mit dem Auftrag zu versehen: “Nun erfindet mal was!““, sagt Arno Dirlewanger, Consultant aus Frankfurt, der sich auf Ideenfindung spezialisiert hat.

Die Mitinhaberin von Brainstore wählt einen anderen Weg. „Die Mischung macht“s“, beschreibt sie ihr Vorgehen. Je bunter das Team, desto besser die Ideen, so lautet das Credo, wenn Schnetzler die Workshops für ihre Auftraggeber zusammenstellt: Damit viel produktive Reibung entsteht, kommen zu den zehn Mitarbeitern des jeweiligen Unternehmens zehn seiner Kunden und zehn quer denkende Jugendliche dazu. Das Ziel: „Viele Sichtweisen einbeziehen, Betriebsblindheit vermeiden“, sagt die Unternehmerin, die über Ideen finden am Fließband ein Buch geschrieben hat (Nadja Schnetzler: „Die Ideenmaschine. Methode statt Geistesblitz, wie Ideen industriell produziert werden“, Wiley-Verlag, Weinheim 2004, 229 S., 29,90 €).

Das Geheimnis von Brainstore sind die Werkzeuge. Seine Ideen-Workshops sind keine lockeren Treffen, Motto: Lasst uns mal was Neues ausdenken. „Bringt zu wenig“, tut Schnetzler diese Gähn-Veranstaltungen ab. Die von ihr moderierten Teams arbeiten eine bis sechs Stunden, Teilnehmer werden mit einem Stakkato unterschiedlicher Instrumente befeuert: Der rasche Wechsel von Brainstormings, Spielen oder Listen, die vervollständigt werden müssen, bringt Dynamik. Hieraus entsteht das Rohmaterial, mindestens ein paar hundert gute Denkansätze pro Sitzung. Diese wandern an die nächsten Bearbeitungsstationen der Schnetzler“schen Ideenfabrik: „Jetzt ist Verdichten wichtig“, beschreibt die Innovationsexpertin das weitere Vorgehen. Sie setzt eine Runde von Experten zusammen, die das Rohmaterial sortieren – nur die aussichtsreichsten Gedankensplitter werden weiterverfolgt. „Aus Quantität wird Qualität“, so lautet die Vorgabe für den Veredelungs-Prozess.

Hier entstehen dann Innovationen wie die Massageliege für verspannte Passagiere von Langstreckenflügen oder der Kugelschreiber mit eingebautem Klebestreifen-Spender. Brainstore sorgt dafür, dass das so Ausgedachte nicht in irgendeinem Schrank verstaubt. Mit Nachdruck fordert die Inhaberin die Führungskräfte ihrer Kunden-Unternehmen dazu auf, marktreif zu machen, was Mitarbeiter ausgedacht haben. Henkel ist schon so weit. Das Industrieunternehmen hat Inspirationen am Fließband produzieren lassen.

„Wir haben ein Dutzend neue Ideen für unsere Produkte bekommen“, preisen Ulf Timmann und Juan-Carlos Wuhrmann, bei Henkel für die Produktentwicklung von Wasch- und Reinigungsmitteln verantwortlich, die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Dienstleister. Nadja Schnetzler hatte für den Waschmittel-Geschäftsbereich ein Ideen-Team von 35 Personen zusammengestellt: Henkel-Mitarbeiter, Hausfrauen und Jugendliche waren ebenso dabei wie einige Freelancer. „Viel Dynamik, sehr locker, ergiebig“, loben die beiden Henkel-Manager Timmann und Wuhrmann das schnelle Vorgehen: Innerhalb von einer Woche hatten sie ihr Ideen-Briefing in der Hand. AXEL GLOGER

Von Axel Gloger
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