RÄTSELN UM MOTIVE 10.03.2016, 09:56 Uhr

Warum tritt US-Chef Horn von VW ausgerechnet jetzt zurück?

Vor sechs Monaten, als der Abgasskandal in den USA bekannt wurde, hat jeder mit dem Rücktritt von US-Chef Michael Horn gerechnet. Stattdessen ging gleich der Konzernchef Martin Winterkorn. Nun ist Horn plötzlich weg – aber warum?

VW-Manager Michael Horn schwört im vergangenen Jahr vor dem US-Kongress, nur die Wahrheit zu sagen. Vor der Sitzung hieß es in einem Redemanuskript, er wisse seit 2014 von den Abgas-Manipulationen, vor den Abgeordneten behauptete er, erst seit einem Monat davon zu wissen. Jetzt ist Horn von seinem Posten als US-Chef zurückgetreten.

VW-Manager Michael Horn schwört im vergangenen Jahr vor dem US-Kongress, nur die Wahrheit zu sagen. Vor der Sitzung hieß es in einem Redemanuskript, er wisse seit 2014 von den Abgas-Manipulationen, vor den Abgeordneten behauptete er, erst seit einem Monat davon zu wissen. Jetzt ist Horn von seinem Posten als US-Chef zurückgetreten.

Foto: Jim Lo Scalzo/dpa

Die Erklärung von VW ist so dünn und nichtssagend wie eine aus dem Lehrbuch der Krisen-PR: Der für das US-Geschäft verantwortliche VW-Manager Michael Horn verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung und wendet sich anderen Aufgaben zu. Ein paar Dankesworte, fertig. Keine Begründung.

Dabei gibt es ja Gründe genug. Der Abgasskandal schlägt nirgends, vielleicht abgesehen von Deutschland, so hohe Wellen wie in den USA. Die US-Behörden sind wegen der zögerlichen Aufklärung des Skandals ausgesprochen sauer auf VW. Doch wer trägt dafür die Verantwortung? Horn?

Händler unterstützen Horn

Warum sollte Horn gerade jetzt zurücktreten, nachdem er es bei Bekanntwerden der Affäre nicht tat? Hinzu kommt, dass ihm in den Medien rundweg deutlich bessere öffentliche Präsenz attestiert wurde als etwa dem neuen Konzernchef Matthias Müller, der in den USA durch unsensible Wortwahl auffiel. Und noch etwas fällt ins Gewicht: Dem 54 Jahre alten Horn, der erst gut zwei Jahre in den USA im Amt war, wird hoch angerechnet, dass er das Verhältnis des Autobauers zu seinen US-Händlern deutlich verbessert hat.

Michael Horn, bisheriger Chef der Volkswagen Group of America, bei einer Rede auf der Detroit Motor Show im Januar 2016: Horn ging den VW-Skandal offensiv an und organisierte auch die Interviews von VW-Konzernchef Matthias Müller in den USA, um Vertrauen zurück zu gewinnen. Das allerdings misslang gründlich.

Michael Horn, bisheriger Chef der Volkswagen Group of America, bei einer Rede auf der Detroit Motor Show im Januar 2016: Horn ging den VW-Skandal offensiv an und organisierte auch die Interviews von VW-Konzernchef Matthias Müller in den USA, um Vertrauen zurück zu gewinnen. Das allerdings misslang gründlich.

Foto: Larry W. Smith/dpa

Dieser Punkt wird auch in der aktuellen Presseerklärung angesprochen. Und das wiederum könnte ein Hinweis darauf sein, warum Horn sich seit September noch hat halten können. Inzwischen aber scheint der Druck doch enorm geworden, weil gerade aus den USA in den vergangenen Tagen schlechte Nachrichten kamen: Die Liste der dort verfolgten strafrechtlichen Vorwürfe wird immer länger, während die technische Aufarbeitung über Rückruf und Softwareaustausch überhaupt nicht vorankommt.

Interimschef war früher bei BMW

Von langer Hand vorbereitet ist der Rücktritt jedenfalls offensichtlich nicht, denn VW präsentiert mit Hinrich Woebcken erstmal einen Interimschef. Auch er ist ein langjähriger Automanager, war bei BMW im Einkauf und bei dem Zulieferer Knorr-Bremse im Vorstand und ist ab April neuer Verantwortlicher für ganz Nordamerika – wäre also Horns direkter Vorgesetzter geworden.

Bei den US-Händlern sorgt Horns Abgang nun offenbar für helle Empörung. Ihre nationale Vereinigung lobt dessen Führungsstärke in der Affäre und kritisiert zugleich das Missmanagement in der obersten Führungsetage von VW. Die Personalentscheidung führe zu weiteren Risiken für das Unternehmen. Ruhe im Karton ist noch lange nicht.

Hier lesen Sie den Dieselskandal im Nachrichtenticker.

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