Kronzeuge packt aus 25.01.2016, 00:22 Uhr

VW-Vorstand Neußer soll von Manipulationen gewusst haben

Auch hohe VW-Manager waren über die Dieselmanipulationen im VW-Konzern informiert. Ein Kronzeuge aus der Motorentwicklung hat berichtet, dass man die Vorgaben der Konzernführung nur durch Manipulationen erreichen konnte. Seit 2011 habe auch der frühere VW-Markenvorstand Heinz-Jakob Neußer von den Manipulationen gewusst.

Der frühere VW-Konzernvorstand Heinz-Jakob Neußer auf der AutoChina Shanghai 2015: Neußer soll seit 2011 von den Manipulationen von Dieselmodellen gewusst haben. Das hat ein Kronzeuge aus der Motorenentwicklung ausgesagt.

Der frühere VW-Konzernvorstand Heinz-Jakob Neußer auf der AutoChina Shanghai 2015: Neußer soll seit 2011 von den Manipulationen von Dieselmodellen gewusst haben. Das hat ein Kronzeuge aus der Motorenentwicklung ausgesagt.

Foto: Volkswagen

Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR haben am Wochenende berichtet, dass „nahezu alle mit den Abgas-Problemen befassten Führungskräfte in der Motoren-Entwicklung von den Manipulationen gewusst“ haben sollen. Das soll ein Kronzeuge aus der Motorenentwicklung ausgesagt haben, gegen den die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Die Vorgaben der Konzernspitze unter Martin Winterkorn seien nicht erfüllbar gewesen, so der Zeuge.

Kronzeuge informierte Vorstand Neußer im Jahr 2011

Der Kornzeuge will 2011 den damaligen Leiter der Aggregateentwicklung von VW, Heinz-Jakob Neußer, informiert haben. Neußer habe jedoch nicht reagiert und auch keine Maßnahmen ergriffen. Diese Information ist allerdings sehr brisant, denn Neußer rückte 2013 als VW-Markenvorstand in den Konzernvorstand auf.

Die Manipulationen sollen im November 2006 begonnen haben, so der Zeuge. Sie seien eine Verzweiflungstat gewesen. Die meisten Mitarbeiter der Motorenentwicklung seien eingeweiht worden. Auch neue Mitarbeiter wurden informiert, aber auf ein Schweigegelübde eingeschworen worden. Dennoch hat offenbar Zulieferer Bosch von den Manipulationen Wind bekommen. Denn schon Ende September 2015 war bekannt geworden, dass Bosch 2007 VW intern vor den Manipulationen gewarnt haben soll.

Standortsymposium im April 2015 im VW-Motorenwerk Salzgitter: Der damalige VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer, vorne links im Bild, soll gegen die Manipulationen an Dieselmotoren nicht vorgegangen sein. Bei dem Symposium auch mit dabei: Konzernchef Martin Winterkorn (m.).

Standortsymposium im April 2015 im VW-Motorenwerk Salzgitter: Der damalige VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer, vorne links im Bild, soll gegen die Manipulationen an Dieselmotoren nicht vorgegangen sein. Bei dem Symposium auch mit dabei: Konzernchef Martin Winterkorn (m.).

Foto: Volkswagen

Grund für die Manipulationen: Niemand habe sich getraut, Winterkorn und dem Vorstand mitzuteilen, dass die Einhaltung der NOx-Grenzwerte nicht möglich sei. Zu der Zeit hatte VW eine Marketingoffensive in den USA begonnen und warb verstärkt für „Clean Diesel“ als Alternative zur Hybrid-Technik des Konkurrenten Toyota. Deshalb habe sich die Motorenentwicklung entschieden, mit Manipulationssoftware zu arbeiten. Der Zeuge berichtet, dass man die von Bosch gelieferte Software für die Motorsteuerung entsprechend verändert habe.

Volkswagen wiegelt ab: „reine Spekulationen“

Volkswagen hat die neuen Informationen als „reine Spekulationen“ kommentiert. Die internen Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Ein Dementi klingt anders. Erst ist April will VW die Aktionäre über den Skandal und das Ergebnis der Ermittlungen informieren.

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Nachrichtenticker.

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