Teilgeständnis vor Skandal-Ausbruch 19.11.2015, 14:24 Uhr

VW-Management wusste schon im August von Softwareproblemen

VW-Manager wussten offenbar schon im August von Softwareproblemen. Einen Monat vor Ausbruch des Abgasskandals. Was bedeutet das jetzt für den Konzern? 

Kein Ende der dunklen Wolken im VW-Skandal in Sicht: Angeblich hat das Management schon einen Monat vor Skandalausbruch von Softwareproblemen gewusst. 

Kein Ende der dunklen Wolken im VW-Skandal in Sicht: Angeblich hat das Management schon einen Monat vor Skandalausbruch von Softwareproblemen gewusst. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Am 18. September platzte die Blase: Die amerikanische Bundesumweltbehörde EPA teilte der Weltöffentlichkeit mit, dass Volkswagen bei Abgastests eine Mogelsoftware eingesetzt hat. Kam das für die Führungsriege des Konzerns überraschend? Nein. Das VW-Management habe Software-Probleme schon am 19. August in Gesprächen mit der kalifornischen Umweltbehörde Carb eingestanden. Das zumindest behaupten die Zeitung Handelsblatt und das ZDF-Magazin Frontal 21, die sich auf eine Akte aus der niederländischen Staatskanzlei berufen. Es habe Ende August zudem im Vorstand der VW-Hauptmarke Diskussionen über den weiteren Umgang mit den amerikanischen Regulierern geben.

Ministerpräsident Weil: Eingeständnis hätte früher erfolgen müssen 

Volkswagen will in Sachen Informationsmanagement während der Krise alles richtig gemacht haben. Man habe rechtskonform gehandelt und informiert, als die Sachlage klar gewesen sei. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht das anders: „Mehr als ein Jahr lang fanden Gespräche statt, bis Volkswagen die Manipulation eingeräumt hat“, sagte Weil bereits im Oktober im Landtag in Hannover. „Dieses Eingeständnis hätte sehr viel früher erfolgen müssen.“ Viele VW-Aktionäre stören sich ebenfalls an der späten Information. Die Finanzaufsicht Bafin prüft deswegen derzeit, ob VW bei der Veröffentlichung des Skandals dem Aktiengesetz gemäß gehandelt hat. 

Spannend: Freitag läuft das Ultimatum der Umweltbehörde Carb aus 

VW sitzt eine weitere Pistole auf der Brust: Am Freitag läuft das Ultimatum der Umweltbehörde Carb ab. Bis dahin will sie einen Plan für den Rückruf der knapp 500.000 manipulierten Dieselfahrzeuge vorliegen haben. Und was passiert, wenn VW das Ultimatum verstreichen lässt?

VW Passat bei einem US-Händler in Los Angeles. Angeblich haben schon 120.000 vom Skandal betroffene Kunden Warengutscheine als Wiedergutmachung angenommen. 

VW Passat bei einem US-Händler in Los Angeles. Angeblich haben schon 120.000 vom Skandal betroffene Kunden Warengutscheine als Wiedergutmachung angenommen. 

Foto: Friso Gentsch/Volkswagen/dpa

„Wenn sie keinen Plan vorlegen, der für uns und die EPA akzeptabel ist, dann stehen uns Strafen zur Verfügung – es geht nicht ewig so weiter, es gibt eine Deadline“, sagt Carb-Chefin Mary Nichols. Sobald der Konzern den Plan vorlegt, hat die Umweltbehörde für eine Prüfung 20 Tage Zeit. „Danach könnten wir potentiell anfangen, Strafen zu verhängen.“ 

120.000 betroffene Kunden haben VW-Wertgutscheine angenommen 

Und was unternimmt VW, um wütende Kunden zu beruhigen? Der Konzern verteilt als Wiedergutmachung Wertgutscheine im Wert von 1000 $ sowie eine Pannenhilfe für drei Jahre. Die Kunden lassen sich das gefallen. Bisher haben knapp 120.000 Geschädigte den Gutschein angenommen, gab VW-US-Chef Michael Horn am Mittwoch bei der Automesse von Los Angeles bekannt. Ist das eine Art Schmiergeld? Nein, sagt Horn. Die Gutscheine sollten betroffene Kunden nicht davon abhalten, juristisch gegen Volkswagen vorzugehen. 

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