Kosten noch unklar 21.12.2016, 10:29 Uhr

VW erzielt weitere Einigung mit US-Umweltbehörden

Viele weitere Millionen Dollar muss VW in die Hand nehmen, um den Abgas-Skandal in den USA wenigstens zivilrechtlich hinter sich zu bringen. Mehr als 80.000 Autos mit größeren Dieselmotoren werden voraussichtlich umgerüstet oder zurückgekauft.

Teuer, aber doch nicht so teuer wie von manchen erwartet: VW scheint nach dem Abgasskandal zumindest in den USA auf einem guten Weg zu sein. Wenn das zuständige Gericht dem jetzt ausgehandelten Vergleich zustimmt, könnte der deutsche Autobauer bei den Luxusmarken mit Dreiliter-Turbodiesel vielleicht sogar unter eine Milliarde Dollar Kosten wegkommen.

Richter Charles Breyer jedenfalls signalisiert große Sympathie für den Deal, den VW mit dem US-Justizministerium, dem Generalstaatsanwalt von Kalifornien sowie mehreren Umweltbehörden ausgehandelt hat. Für die Käufer vieler betroffener Autos bedeutet die Einigung: Sie können ihre Fahrzeuge zurückgeben, wenn sie nicht so umgerüstet werden können, dass sie den Abgasnormen tatsächlich entsprechen. Richter Breyer sprach zudem von „substanziellen Entschädigungen“ für alle Kunden. Diese sind aber bisher nicht Teil des Vergleichs, wie ihn zumindest VW darstellt.

Rückruf für mehr als 60.000 Fahrzeuge

Ob der Deal so zustande kommt, hängt noch von der Zustimmung der Behörden zu den technischen Umrüstungsplänen des Herstellers und letztlich vom Segen des Gerichts ab, der erst im kommenden Frühjahr erwartet wird. Betroffen sind Oberklassemodelle wie der VW Touareg, der Porsche Cayenne oder der Audi A8.

Laut VW werden voraussichtlich etwa 63.000 Fahrzeuge der Marken Volkswagen, Audi und Porsche mit 3,0l-TDI-V6-Motoren in die Werkstätten gerufen. Dort würden sie „in Einklang mit genau den Emissionsstandards gebracht, gemäß derer sie ursprünglich zertifiziert wurden“, erklärt VW. Falls man dazu aber nicht in der Lage sei – so sicher scheint ist man sich da offenbar nicht – werde man den Eigentümern den Rückkauf oder die vorzeitige Beendigung des Leasingvertrages anbieten.

Genau diese Lösung wird es wohl für rund 20.000 Autos aus den Baujahren 2009 bis 2012 geben, bei denen eine technische Umrüstung wahrscheinlich nicht möglich ist.

Fast fünf Milliarden Dollar für Umweltprogramme

Wie viel Geld VW dieser Vergleich kostet, hängt also entscheidend davon ab, wie viele Rückkäufe zum Zeitwert notwendig sind – die Umrüstung wird jeweils natürlich deutlich billiger. Klar ist indes, dass der Autobauer für den Deal nochmal 250 Millionen Dollar als Kompensationsleistung aufbringt. Dieses Geld soll größtenteils in einen Fonds gehen, aus dem Umweltausgleichsmaßnahmen finanziert werden. Diese sollen laut VW die durch die Schummelsoftware verursachten „überschüssigen Stickoxidemissionen vollständig  kompensieren“ und damit also den zusätzlichen Umweltschaden wettmachen. Zehn Prozent der Summe fließen in die Förderung von Null-Emissions-Fahrzeugen.

In diese beiden Umweltprogramme steckt VW ohnehin schon 4,7 Milliarden Dollar. Das ist Teil des Vergleichs für rund 475.000 kleinere Modelle mit Zwei-Liter-Motoren, der schon Ende Oktober vom Gericht abgesegnet worden war. Insgesamt könnte allein dieser Deal den Konzern mehr als 16 Milliarden Dollar kosten.

Für Käufer der Schummel-Autos in den USA ist also eine angemessene Entschädigung in Sicht. Europäische VW-Besitzer dagegen müssen sich wohl mit der bloßen kostenlosen Umrüstung zufriedengeben – ein Umstand, den VW-Chef Müller erst kürzlich nicht eben kundenfreundlich kommentiert hatte.

Hier lesen Sie die Chronik des VW-Skandals.

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