Vorstand wusste Bescheid 07.03.2016, 10:40 Uhr

VW wollte Dieselskandal mit Geldzahlungen geheim gehalten

Von wegen lange nichts gewusst – es war alles Taktik: Der VW-Vorstand war nicht nur früh über die Abgasmanipulationen im Bilde, sondern hat diese Informationen auch bewusst verschwiegen. Grund: Der Vorstand ging davon aus, den Skandal mit einer Strafzahlung an die US-Behörden aus den Schlagzeilen raushalten zu können.

Martin Winterkorn wurde nicht nur im Mai 2014 bereits über die Abgasmanipulationen in seinem Konzern schriftlich informiert. Er war offenbar wie der gesamte VW-Vorstand auch daran beteiligt, den Skandal noch im August 2015 unter der Decke zu halten. Das legen Berichte von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR nahe.

Martin Winterkorn wurde nicht nur im Mai 2014 bereits über die Abgasmanipulationen in seinem Konzern schriftlich informiert. Er war offenbar wie der gesamte VW-Vorstand auch daran beteiligt, den Skandal noch im August 2015 unter der Decke zu halten. Das legen Berichte von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR nahe.

Foto: Volkswagen

Wie Volkswagen schon vergangene Woche bestätigt hat, wurde der frühere VW-Chef Martin Winterkorn schon im Mai 2014, also fast anderthalb Jahre vor Bekanntwerden des Skandals, schriftlich über die Manipulationen informiert. Später folgte eine zweite Informationen. Jeweils ohne bislang bekannte Folgen.

Jetzt berichten die Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR, dass der Skandal nicht aus Schlamperei oder Fehleinschätzung unter der Decke gehalten wurde, sondern weil sich das Management sicher war, den Skandal elegant mit Millionenzahlungen lösen zu können.

VW wollte Skandal mit Geld aus der Welt schaffen

Aus einem Schriftsatz des Konzerns an das Braunschweiger Landgericht im Verfahren um Schadenersatzforderungen von VW-Aktionären gehe hervor, dass der Vorstand bereits im August 2015 über die Manipulationen diskutiert hat. Der damalige Finanzvorstand und heutige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ging jedoch davon dass, durch Zahlung von Bußgeldern in den USA die Ermittlungen der amerikanischen Umweltbehörde EPA beenden zu können. Pötsch rechnete mit einer Strafe von maximal 100 Millionen Euro.

Passat-Produktion im US-Werk Chattanooga: VW glaubte, die Ermittlungen der amerikanischen Umweltbehörde EPA mit Zahlungen von bis zu 100 Millionen Dollar aus der Welt schaffen zu können.

Passat-Produktion im US-Werk Chattanooga: VW glaubte, die Ermittlungen der amerikanischen Umweltbehörde EPA mit Zahlungen von bis zu 100 Millionen Dollar aus der Welt schaffen zu können.

Foto: Volkswagen

Da eine solche Summe nicht kursrelevant ist, sah VW davon ab, die Öffentlichkeit zu informieren. Ein großer Irrtum. Inzwischen reichen die Schätzungen, was der Skandal den VW-Konzern kosten könnte, bis zu 18 Milliarden Dollar.

Interessant ist die Argumentation der VW-Anwälte, warum der Konzern sogar im Interesse der Aktionäre den Skandal und die Ermittlungen der EPA verschwiegen habe. Demnach habe der Vorstand die Manipulationen und die drohenden Strafen geheim halten müssen, um die Gespräche mit den US-Behörden nicht zu gefährden. Und diese Gespräche und eine möglichst niedrige Strafe seien schließlich im Interesse der Aktionäre gewesen.

Pötsch und Müller wussten auch Bescheid

Brisant: An dieser Strategie war nicht nur der jetzige Aufsichtsratschef Pötsch, sondern auch der heutige VW-Chef Matthias Müller beteiligt, der damals als Porsche-Chef im Konzernvorstand saß.

Der heutige VW-Chef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch waren daran beteiligt, die Abgasmanipulationen nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.

Der heutige VW-Chef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch waren daran beteiligt, die Abgasmanipulationen nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.

Foto: Volkswagen

Damit entlarvt VW zugleich selbst seine frühere Darstellung als falsch, von der Veröffentlichung der Manipulationen durch die EPA am 18. September 2015 überrascht worden zu sein. Bislang hatte VW erklärt, die Veröffentlichung durch die EPA sei „unerwartet“ gewesen.

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