Kein Jobabbau 22.01.2016, 10:57 Uhr

VW: 1000 $ für US-Kunden, europäische Kunden gehen leer aus

US-Kunden sind dem VW-Konzern offenbar wichtiger als die Kunden in Europa: Während amerikanische VW-Fahrer wegen des Abgasskandals ein Entschuldigungspaket im Wert von 1000 $ erhalten, wird es in Europa keine Entschädigung geben. Gleichzeitig hat VW dementiert 10.000 Mitarbeiter entlassen zu wollen.

Ein VW Beetle Dune an einem verlassenen Store in den USA: Amerikanische VW-Kunden, die vom Dieselskandal betroffen sind, bekommen 1000 $ Entschädigung.

Ein VW Beetle Dune an einem verlassenen Store in den USA: Amerikanische VW-Kunden, die vom Dieselskandal betroffen sind, bekommen 1000 $ Entschädigung.

Foto: Volkswagen

Die VW-Fahrer in Europa, die seit Jahren mit manipulierten Dieselautos unterwegs sind, müssen sich wie Kunden zweiter Klasse vorkommen. Obwohl, oder vielmehr weil VW in den USA wenig erfolgreich ist und seit Jahren vergeblich versucht, seinen Marktanteil kräftig nach oben zu schrauben, hat VW den betroffenen Kunden in den USA ein schönes Entschuldigungspaket geschnürt. Sie erhalten eine Prepaid-Kreditkarte im Wert von 500 $, können einen weiteren Einkaufsgutschein im Wert von 500 $ beim VW-Händler einlösen und erhalten drei Jahre lang kostenlose Pannenhilfe.

Solche Großzügigkeit ist kein Wunder: Denn erst auf der Motor Show in Detroit hatte sich VW blamiert und VW-Chef Müller in einem Interview eine schlechte Figur abgegeben.

Paket im Wert von 1000 $ für US-Kunden

Das ist ein Angebot: Viele Kunden nehmen die Entschuldigung in den USA offenbar an. In Europa bleibt den Kunden dagegen nur Ärger. Sie müssen demnächst ihr Auto im Rahmen der Rückrufaktion in die Werkstatt bringen und dürfen als Dankeschön für die Unannehmlichkeiten und Zeitverluste allenfalls auf einen Kaffee beim Vertragshändler hoffen.

Und ob ihr Auto wirklich weiterhin so gut fährt wie zuvor, oder ob doch Leistungsverluste und höhere Verbräuche die Folge des Einbaus eines Strömungsgleichrichters sind, wird sich erst in der Praxis herausstellen. Und auch die Wertentwicklung der manipulierten Autos wird erst der Markt zeigen. Eigentlich Anlass genug, auch den europäischen Kunden ein Dankeschön-Paket zu schnüren. Doch das ist VW die Kundenpflege in Europa nicht wert.

Nichts für die 8,5 Millionen Kunden in Europa

Obwohl auch die EU den VW-Konzern aufgefordert hatte, alle Kunden gleich zu behandeln und auch in Europa eine Entschädigung anzubieten, hat das VW jetzt abgelehnt. Das würde den VW-Konzern ja auch deutlich teurer kommen. Während in den USA knapp 600.000 Fahrzeuge von den Manipulationen betroffen sind, fahren in Europa rund 8,5 Millionen manipulierte Autos. Weltweit sind mehr als elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

VW-Chef Matthias Müller hat ein Herz für US-Kunden: Die bekommen Entschädigung wegen des Dieselskandals. Die ebenso betroffenen 8,5 Millionen Kunden in Europa sollen dagegen keine Entschädigung bekommen.

VW-Chef Matthias Müller hat ein Herz für US-Kunden: Die bekommen Entschädigung wegen des Dieselskandals. Die ebenso betroffenen 8,5 Millionen Kunden in Europa sollen dagegen keine Entschädigung bekommen.

Foto: Volkswagen

„Kunden in der Europäischen Union sollten auf dieselbe Weise behandelt werden wie jene in den USA“, hatte am Donnerstag EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska dem VW-Chef Müller nach einem Gespräch in Brüssel auf den Weg gegeben. Offenbar vergebens. Müller ließ mitteilen, dass die Fälle in den USA und Europa ja gar nicht vergleichbar seien. „Dort werden die Kunden wahrscheinlich länger auf geeignete Lösungen warten als in den meisten anderen Ländern.“

Schon 60.000 VW-Kunden haben sich Klage angeschlossen

Das wollen sich aber nicht alle Kunden bieten lassen. „Bisher haben sich rund 60.000 Autobesitzer bei der Stiftung ‚Stichting Volkswagen Car Claim‘ registriert. Wöchentlich kommen mehrere hundert hinzu“, sagte Rechtsanwalt Julius Reiter der „Rheinischen Post“.  „Die hochgerechnete Schadenssumme der angemeldeten Investoren beziffert sich auf etwa zehn Millionen Euro“, sagte Reiter. „Das anhaltende Interesse am Stiftungsmodell zeigt, dass Volkswagen-Kunden weiterhin Schadensersatz verlangen und bis jetzt nicht mit der Rückerfüllung durch den Konzern zufrieden sind.“

Unterdessen hat VW einen Bericht des Manager Magazins dementiert, 10.000 Mitarbeiter wegen des Abgasskandals und der Absatzrückgänge entlassen zu wollen. „Wir weisen diese Meldung strikt zurück. Wir stehen fest zu unserer Stammbelegschaft”, teilte VW mit. Das heißt aber auch: Die 7000 Leiharbeiter müssen um ihre Jobs fürchten. 

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Nachrichtenticker.

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