Forschung an neuen Materialien 19.07.2013, 15:06 Uhr

ThyssenKrupp: Stahl künftig nicht mehr das Hauptgeschäft

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp sieht sein Schwergewicht nicht mehr im Stahl. Konzern-Chef Heinrich Hiesinger geht davon aus, dass schon in wenigen Jahren der Hauptumsatz nicht mehr aus dem Stahlgeschäft kommt. 

Das Stahlgeschäft wird künftig nur noch ein Drittel des Umsatzes liefern, sagte ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger.

Das Stahlgeschäft wird künftig nur noch ein Drittel des Umsatzes liefern, sagte ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger.

Foto: ThyssenKrupp

Im Interview mit den VDI nachrichten sagte Hiesinger: „„ThyssenKrupp versteht sich längst als ein diversifizierter Industriekonzern. Das Stahlgeschäft wird in Zukunft nur noch ein Drittel unseres Geschäftes ausmachen, zwei Drittel kommen aus dem Industriebereich.““ Dazu zählen die Bereiche Aufzüge und Fahrtreppen, Automotiv-Sektor und Anlagenbau.

Zwar werde ThyssenKrupp „auch den Stahlsektor konsequent weiter entwickeln“, so Hiesinger. „“Dort geht es aber für uns nicht mehr so sehr um die Millionen Tonnen. Die Zukunft liegt in Hochleistungsmaterialien, das gilt auch für den Stahl, der sein Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft hat.““

An neuen Kombinationen mit Stahl arbeite ThyssenKrupp intensiv. „“Besonders interessant aber stellen sich derzeit hybride Werkstoffe dar, also zum Beispiel Kombinationen aus Metall und Materialien auf Karbonfaserbasis.““

Das Interview im Wortlaut

VDI nachrichten: Herr Hiesinger, vor wenigen Wochen haben Sie in Dresden eine Fabrik zur Herstellung von CFK-Leichtbauteilen eröffnet, jetzt sind sie in Leuna, um eine Biotechnologieanlage in Betrieb zu nehmen. Was geht da vor mit dem Stahlkonzern?

Hiesinger: ThyssenKrupp versteht sich längst als ein diversifizierter Industriekonzern. Das Stahlgeschäft wird in Zukunft nur noch ein Drittel unseres Geschäftes ausmachen, zwei Drittel kommen aus dem Industriebereich. Das sind Aufzüge und Fahrtreppen ebenso wie der Automotiv-Sektor und der Anlagenbau. Aber lassen Sie mich hier deutlich sagen, dass wir auch den Stahlsektor konsequent weiter entwickeln. Dort geht es aber für uns nicht mehr so sehr um die Millionen Tonnen …

Bis vor Kurzem galt hier noch die Masse als wichtiges Kriterium für die Unternehmensstärke. Jetzt nicht mehr?

Die Zukunft liegt in Hochleistungsmaterialien, das gilt auch für den Stahl, der sein Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft hat. Daran forschen wir intensiv. Besonders interessant aber stellen sich derzeit hybride Werkstoffe dar, also zum Beispiel Kombinationen aus Metall und Materialien auf Karbonfaserbasis.

Wie wollen Sie mit dem Image als Stahlkocher Kunden davon überzeugen, dass Sie auch im Leichtbau oder in der Biotechnologie Kompetenz besitzen?

Das Image von ThyssenKrupp ist gar nicht so eindimensional. Nehmen Sie nur unseren Anlagenbau, der seit Jahren auf diesem Gebiet arbeitet. Wir verfügen in unserem Haus über herausragende Ingenieurkunst. An unserem Standort in Leuna bauen wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter aus. Mit der ersten großen Pilotanlage ist jetzt die kontinuierliche Produktion biobasierter Chemikalien im industriellen Maßstab möglich. Zur Eröffnung hatten wir bereits potenzielle Kunden aus Asien hier, die eine solche Anlage in etwa hundertfacher Größe planen. Aber Sie haben recht: Wir werden in Zukunft das neue ThyssenKrupp anschaulicher kommunizieren müssen.

Warum entwickeln Sie die Biotechnologie-Verfahren selbst? Das ist doch nicht Ihr Kerngeschäft?

Wenn man Großanlagen verkaufen will, für die es bislang noch kein Verfahren gibt, dann ist das ohne Leistungsnachweis sehr schwierig. Wir haben uns daher entschlossen, die biotechnologischen Prozesse zusammen mit zahlreichen Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen für den Pilotanlagenbetrieb selbst aufzubauen – und wie man sieht, funktioniert das Verfahren nun nicht mehr nur im Labormaßstab.

Von Manfred Schulze
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