Plenarvortrag 27.05.2011, 19:53 Uhr

Technologiestandort Deutschland 2020

Professor Dr.-Ing. Bruno O. Braun, Präsident des VDI Verein Deutscher Ingenieure, Plenarvortrag anlässlich des 25. Deutschen Ingenieurtages in Düsseldorf, 24. Mai 2011

Sehr geehrter Herr Bundesumweltminister Röttgen, sehr geehrte Ehrengäste, meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“. So sah der Düsseldorfer Dichter Heinrich Heine sein Vaterland: Als ein dunkles Nachtmärchen. Und so sehen leider auch viele Deutsche heute ihr Land: Als ein Land, in dem dunkle Mächte wüten und alle uns ans Zeug gehen wollen. Doch diese berufsmäßigen Schwarzseher verkennen die Lage.

Meine Damen, meine Herren,

ich möchte Sie ganz herzlich zum 25. Deutschen Ingenieurtag hier in Düsseldorf begrüßen. Unser Motto heißt „Made ING Germany – Innovations- und Technologiestandort Deutschland 2020“.

In meinen folgenden Ausführungen will ich Ihnen deutlich machen, dass Deutschland heute und auch in Zukunft große Potentiale hat. Wir müssen dafür aber die richtigen Weichen stellen.

Die Lage ist besser als die Stimmung! Wie gut die Lage wirklich ist, das hat ganz aktuell das VDI Technologiezentrum in der Studie „Technikstandort Deutschland 2020“ eindrucksvoll auf den Punkt gebracht. Ich möchte Ihnen nur vier Beispiele nennen:

Erstens: Deutschland ist Europas führender Innovations- und Technologiestandort. Auch weltweit spielen wir neben den USA, Japan und dem aufstrebenden China in der absoluten Top-Liga. Wir haben eine einmalige Breite an exzellenten Hochschulen und Forschungseinrichtungen, unsere Ingenieure genießen Weltruf und bei vielen Technologien setzen wir die Standards.

Zweitens: Deutschland ist unter den großen Industriestaaten das Land mit dem stärksten industriellen Kern. Über 23 Prozent an der Bruttowertschöpfung steuert bei uns das verarbeitende Gewerbe bei. Dagegen hinken große Länder wie USA, Großbritannien oder Frankreich mit einer Größenordnung von nur bis zu 10 Prozent hinterher. Einmalig ist bei uns auch der starke Mittelstand mit vielen „Hidden Champions“, die als solche auf ihrem Gebiet zu den Weltmarktführen gehören. Diese Firmen sind deshalb so stark, weil sie ganz pragmatisch und marktorientiert auf technische Innovationen setzen.

Drittens: Es ist das erfolgreiche Zusammenspiel von Forschung und Industrie, das uns bemerkenswert sicher durch die Untiefen der Finanzkrise gebracht hat. Aber wir haben auch unseren flexiblen Arbeitsmarkt zu loben, der inzwischen vielen Ländern als Vorbild dient. Die meisten unserer Unternehmen sehen in ihren Mitarbeitern nämlich ihr wichtigstes Kapital, das sie auch in schlechten Zeiten pflegen und entwickeln – und das es ihnen im Aufschwung erlaubt, schnell alle Chancen zu nutzen. Das war nicht immer so.

Viertens: Deutschland ist damit zur Konjunkturlokomotive Europas geworden! Eine Lokomotive, die allen nützt. Wobei wir aufpassen müssen, dass unserem Zug nicht zu viele Waggons angehängt werden, die selbst wir nicht mehr ziehen können.

Bei so viel Licht gibt es natürlich auch Schatten, etwa die relativ hohen Lohnkosten. Aber sie spornen uns an, technisch immer eine Spur schneller, produktiver und besser zu sein.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

um Ihnen zu zeigen, wie uns das gelingen kann, schneller, produktiver und besser zu sein möchte ich Sie mitnehmen auf eine Reise zu sechs wichtigen Wegmarken unserer technologischen Zukunft.

Gleich die erste Station führt uns zu einem Schauplatz, an dem sich unsere Zukunft entscheidet: Es geht um Energie.

Nach der Katastrophe in Fukushima stehen auch wir vor großen Herausforderungen: Energie ist das Blut in den Adern unserer Zivilisation. Aber die Katastrophe hat uns Grenzen aufgezeigt und damit das Vertrauen der Menschen in Deutschland in die für sicher befundenen Kernkraftwerke erschüttert.

Wir sollten heute die aktuelle Krise als Chance begreifen: Besonders wir Ingenieure müssen mit Unterstützung unserer Unternehmen, der Industrie und der Politik die reale Versorgungslage aufzeigen und auf dieser Basis neue Entwicklungen vorantreiben, um eine neue Energie-Zukunft aufzubauen, die in sich ehrlich und sicher ist. Eine, in die die Bevölkerung wieder Vertrauen hat.

Dazu gehört auch das Erkennen der Tatsache, dass Energie langfristig teurer werden wird. Und das nicht nur auf Grund des angestrebten Verzichts auf Kernenergie und deren Kompensation durch erneuerbare Energien. Auch die leicht förderbaren Ölvorräte sind endlich und deshalb wird sich der Ölpreis zwangsläufig verteuern. Gleiches gilt für Gas.

Die Verteuerung der Energie ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind die Chancen, die sich beispielsweise durch die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien für unser Land ergeben. In Deutschland haben die erneuerbaren Energien bisher durchaus eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Wir sind führend in der Wind- und der Solarenergie. Diese Positionen sollen ausgebaut werden, nicht zuletzt durch eine breite Anwendung bei uns.

Dabei müssen wir aufpassen, dass die von uns eingesetzten Fördermittel letztendlich auch befruchtend wirken. Das Signal von Ihnen, Herr Bundesumweltminister und Ihren Kabinettskolleginnen und -kollegen ist ein gutes: Die intensive bundespolitische Förderung für neue technologische Lösungen beschleunigt deren Entwicklung und spiegelt gesellschaftliche Prioritäten wieder. Sie müssen jedoch zu wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Systemen führen. Die Aspekte Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit müssen bei energiepolitischen Konzepten und Fördermodellen berücksichtigt werden.

Einen natürlichen Nachteil haben die eben genannten erneuerbaren Energien: sie sind vom Wetter abhängig. Denn leider verhalten sich weder Wind noch Sonne so, dass sie uns immer zur Stromerzeugung zu Verfügung stehen. Deshalb benötigen wir im großen Stil leistungsfähige Speicher wie etwa Pumpspeicherwerke, Druckluftspeicher, Wasserstoffspeicher oder Großbatterien. Also ist wieder einmal Technik gefragt und damit wir Ingenieure.

Meine Damen und Herren, Sie sollten wissen, dass der VDI für eine mit Augenmaß betriebene Energiepolitik wirbt, die die Versorgungssicherheit in unserem Land fest im Blick hat. Alleine dieses Themengebiet wäre abendfüllend. Doch möchte ich nun auf unserer Reise von der viel diskutierten Energieerzeugung zur effizienten Nutzung von Energie und Rohstoffen kommen: Der Ressourceneffizienz.

Wussten Sie, dass Deutschland hier eine unangefochtene Spitzenstellung hält? Weil wir mit Ausnahme der Kohlevorkommen ein rohstoffarmes Land sind, gehört der sorgsame Umgang mit den Ressourcen schon immer zu unseren industriellen Kerntugenden. So ist Deutschland ein wichtiger Anbieter innovativer Entwicklungen im Energie-Effizienz-Bereich über die gesamte industrielle Wertschöpfungskette ebenso wie im Gebäudebereich. Ich nenne beispielhaft nur die Solarthermie, die Kraft-Wärme-Kopplung, intelligente Stromzähler oder Wärmedämmsysteme.

Was aber viele vergessen: Grundlage der meisten dieser Meisterwerke sind komplexe Technologien und deren interdisziplinäre Vernetzung. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie gerade hier bei uns entstehen, denn unsere Ingenieure beherrschen sehr gut vernetzte Prozessabläufe und können Automatisierungstechnologien in Systemlösungen wirkungsvoll einsetzen.

Langfristig bieten sich hier hervorragende Perspektiven: So will die Erneuerbare-Energien-Branche bis 2020 über 200 Milliarden in Deutschland investieren, was natürlich auch viele Arbeitsplätze schafft. Und sie strebt ein Exportvolumen von über 80 Milliarden Euro an, was über dem heutigen Wert der Autoexporte liegt. So könnten die High-Tech-Produkte der Solar-, Windenergie und der Effizienzindustrie die Garanten künftiger Außenhandelserfolge werden. Ressourcen- und Energieeffizienz ist in allen Bereichen der industriellen Wertschöpfung eine deutsche Stärke und wird für weitere Exporterfolge sorgen. Denn mit steigenden Kosten für Ressourcen und Energie lassen sich die höheren Anschaffungskosten für unsere hochwertige Technologie, die im Ausland manchmal als Wettbewerbsmangel kritisiert werden, noch schneller kompensieren.

Deshalb wiederhole ich an dieser Stelle gerne meine Aussage, die ich 2009 bei der Vorstellung der wegweisenden VDI-Studie zur Ressourceneffizienz getroffen habe: „Ressourceneffienz ist die Grundlage für ein ökologisch verantwortungsbewusstes Handeln. Und sie ist der Schlüssel für den Erfolg unserer Wirtschaft im globalen Wettbewerb. Deutschland muss zu einem Leitmarkt für Ressourceneffizienz werden“.

An dieser Stelle möchte ich auf die erfolgreiche Zusammenarbeit des VDI mit dem Bundesumweltministerium verweisen: Das gemeinsame Zentrum für Ressourceneffizienz hat sich in den letzten beiden Jahren etabliert und eine gute Zukunft vor sich.

Zukunft braucht Herkunft: Ich bin überzeugt, dass neben den neuen Sektoren auch die traditionellen Branchen wie der Maschinenbau Garant unseres Wohlstandes bleiben. Seine Leistungsfähigkeit ermöglicht mit hochkomplexen Ausrüstungen und Anlagen die Entwicklung und den Bau ressourcenschonender Produkte. Lassen Sie mich dies am Beispiel des Fahrzeugs von morgen erläutern. Ein Auto, das noch weniger Sprit braucht, das noch weniger Emissionen ausstößt. Auch in dieser in Deutschland starken Industrie, der Automobilbranche, stehen gewaltige Veränderungen an. Das Elektroauto ist dabei gegebenenfalls nur ein Zwischenschritt zu zukünftigen Lösungskonzepten.

Deshalb ist es gut, dass sich unsere Autoindustrie bewusst auch weitere technische Optionen offen hält, etwa die Entwicklung von Wasserstoff- und Brennstoffzellen – zwei Technologien, die bis 2016 mit immerhin 500 Millionen Euro gefördert werden. Genauso wichtig und sehr viel versprechend ist der Einsatz von neuen und optimierten Werkstoffen, um das Fahrzeuggewicht zu senken.

Meine sehr verehrten Damen und Herren.

Die Reise führt uns jetzt weiter in scheinbar virtuelle Welten, nämlich zum „Internet der Dinge“. Was sich so geheimnisvoll anhört, steht für die so genannte „Vierte Industrielle Revolution“. Damit wird unser industrieller Kern fit für die Netzökonomie gemacht. Ein Vorgang, der sich vergleichen lässt mit der Einführung der Mikroelektronik in den Maschinenbau, ein Prozess, der bekanntlich sehr erfolgreich war.

Jetzt geht die Entwicklung noch einen Schritt weiter, sodass in die Produkte selbst mikroelektronische Intelligenz eingebettet wird, weshalb wir auch von „Embedded Systems“ reden. So werden ganz neue Prozessabläufe möglich, wo das entstehende Produkt seinen eigenen Produktionsprozess selbst überwacht und über eine eingebaute Sensorik auf Umgebungseinflüsse selbständig reagieren kann – das Produkt wird so gleichzeitig Beobachter und Akteur.

Was wie ferne Zukunft klingt, ist in vielen Bereichen schon Wirklichkeit, etwa in der Gesundheits- und Verkehrstelematik, der Gebäudeautomation und vor allem im Logistikbereich, wo die eingebaute Intelligenz den weitgehend autonomen Transport von Gütern durch inner- und außerbetriebliche Netze ermöglicht.

Erfreulich ist, dass Deutschland auch hier in diesem Milliardenmarkt eine Vorreiterrolle spielt. Trotzdem schmerzt es, dass wir von Experten aus dem In- und Ausland bei der zukunftsträchtigen IKT, also Informations- und Kommunikationstechnik, nur im Mittelfeld gesehen werden: Hinter Ländern wie Südkorea, Japan, China und Großbritannien.

Eine Einschätzung, die sicher daher rührt, dass wir im Bereich der prestigeträchtigen Endgeräte, etwa den Smartphones, keine Rolle mehr spielen. Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass Deutschland auch im IKT-Bereich dort besonders erfolgreich ist, wo es um Systemlösungen geht.

Meine sehr geehrten Damen und Herren.

Verlassen wir nun auf unserer Reise die rein technischen Gebiete. Denn bei allen positiven technischen Entwicklungen droht doch der Ingenieur- und Fachkräftemangel zu einer echten Wachstumsbremse zu werden.

Aktuell fehlen derzeit in Deutschland fast 69.000 Ingenieure.

Besonders in den Bereichen, wo sie am meisten gebraucht werden: Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektroindustrie. Ein Mangel, der sich noch dramatisch verstärken wird, wenn ab 2020 die ersten geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Schon jetzt versuchen deshalb viele Unternehmen, ältere Ingenieure länger in den Unternehmen zu halten.

Das ist sinnvoll. Aber es sollte gekoppelt werden mit einer Verpflichtung zur kontinuierlichen Weiterbildung. Denn nur ein Ingenieur auf der technischen Höhe seiner Zeit kann ein guter und innovativer Ingenieur sein.

Wenn wir über Ingenieure sprechen, sprechen wir im VDI auch immer über Ingenieurinnen. Leider sind gerade einmal 12 Prozent aller berufstätigen Ingenieure weiblich. Und in den Führungsetagen haben sie fast einen Exotenstatus.

Wie wichtig Ingenieurinnen sind, zeigen Praxisuntersuchungen, wonach gemischte Teams aus Männern und Frauen besonders gut funktionieren. Außerdem können Frauen mit ihrer Empathie-Kompetenz helfen, die gerade in Deutschland verbreitete Technikskepsis abzubauen. Empathische Menschen besitzen die Fähigkeit, sich in die Wünsche und Ängste anderer hinein zu versetzen. Und hier haben gerade wir Ingenieure Nachholbedarf.

Es fehlen aber nicht nur Ingenieure, Mathematiker, Naturwissenschaftler und Techniker, also die MINT-Talente. Es fehlen ganz stark auch Facharbeiter. Das ist deshalb so gravierend, weil sie sich zu dem qualifizieren können, was neben der Dualen Ausbildung eine der großen Stärken unserer Unternehmen ist: Meister in Industrie und Handwerk.

Was lässt sich hier tun? Wir müssen bereits im Kindergarten für einen spielerischen Umgang mit Technik sorgen. Aber, ich sage es ganz bewusst: Spielerisch! Und wir brauchen endlich eine obligatorische Integration von Technik in den Lehrplan – und zwar für Jungen und für Mädchen. Das würde auch zu einer besseren Akzeptanz von Technik führen.

Der VDI engagiert sich sehr intensiv bei der Werbung um den technischen Nachwuchs. Wir beobachten mit Freude, dass die Absolventenzahlen auch 2009 wieder um neun Prozent angestiegen sind. Dennoch reichen die rund 53.000 Absolventen nicht aus, um die offenen Stellen zu besetzen. Deshalb dürfen wir nicht nachlassen in unserem Bemühen um technischen Nachwuchs.

Auch freue ich mich, dass die Arbeit des VDI und aller an einem positiven Ingenieurimage arbeitenden Menschen sichtbaren Erfolg hat: Der Beruf des Ingenieurs genießt heute großes Ansehen, wie in der im April veröffentlichten „Allensbacher Berufsprestige-Skala 2011“ zu sehen ist. In der regelmäßig erstellten Berufsprestigeskale liegen wir Ingenieure auf Platz 5 – der beste Wert seit 45 Jahren.

Meine Damen und Herren. Damit bin ich an der vorletzten Wegmarke unserer Reise angelangt: Beim Werben um das Vertrauen der Bürger. Sicher, wir sind technisch bestens gerüstet für die Zukunft, das habe ich Ihnen erläutert. Nur, es muss uns nachdenklich stimmen, wenn wir die Diskussion um Stuttgart21 sehen, wenn wir die Diskussion um die Kernenergie verfolgen.

Da müssen wir nüchtern konstatieren: Gesellschaftlich einflussreiche Teile des bürgerlichen Milieus stehen der Technik immer wieder skeptisch gegenüber.

Sicher, die Kernenergie war schon immer ein Thema, das in Deutschland Menschen „gespalten“ hat. Aber auch die alternativen Energien haben einen schweren Stand. Wenn sie denn konkret vor der Haustür umgesetzt werden sollen, dann regiert hierzulande häufig ein von den meisten geschätzter Herrscher: Der Heilige Florian und sein ungezügelter Egoismus.

Hier besteht die große Herausforderung für uns Ingenieure und Techniker: Wir müssen den Menschen klar vor Augen führen, was die Folgen unseres Handelns sind und welche Konsequenzen jeder einzelne für eine nachhaltige Energiepolitik zu ertragen hat, zum Beispiel welchen Beitrag jeder einzelne zu leisten hat. Wir müssen sagen, was es heißt, wenn Deutschland auf eine neue Energiestrategie setzt – und eventuell im großen Stil auf Importe von außen angewiesen ist. Auch müssen wir darauf dringen, dass unsere bewährten Sicherheitsstandards zum weltweiten Maßstab werden.

Alles andere wäre eine grobe Verzerrung des Wettbewerbs.

Es geht nicht darum, Drohkulissen aufzubauen. Aber es müssen technische Szenarien erarbeitet werden, damit vernünftige Grundlagen für demokratische Entscheidungen entstehen. Dafür muss dann geworben werden, und zwar mit Nachdruck. Denn, wie gesagt, das Vertrauen der Bürger kann nicht erzwungen werden.

Eine bundesweit nachhaltige „Pro-Technik“-Kampagne kann hier eine starke Breitenwirkung erzielen. Voraussetzung hierfür ist aber eine zentrale Beteiligung der Bundesregierung. Nur sie kann breite Akzeptanz in Wirtschaft und Gesellschaft garantieren.

Technikakzeptanz ist heute wichtiger denn je. Und glücklicherweise gibt es ein starkes Bedürfnis unter uns Ingenieuren, stärker mit unseren Themen in der Öffentlichkeit präsent zu sein.

Zu diesem Ergebnis kommt eine erstmals vorgenommene Analyse des VDI Technologiezentrums: In der zum heutigen Deutschen Ingenieurtag angefertigten Studie hat man die Strategien und Handlungsempfehlungen der führenden deutschen und europäischen Ingenieursvereinigungen und technikorientierten Wirtschaftsverbände unter die Lupe genommen. Und da ist der Wunsch, technischen Sachverstand gestaltend in die Politik einfließen zu lassen, ein ganz elementarer Punkt.

Möglicherweise ist das Werben um Vertrauen eine der größten „technischen“ Herausforderung, vor der Deutschland in den nächsten Jahren steht.

Meine sehr verehrten Damen und Herren.

Ich komme zum Schlusspunkt meiner Reise mit Ihnen. Alle Stationen, die wir bis hierhin bereist haben, basieren auf Ideen kreativer, gut ausgebildeter Menschen. Sie erarbeiten in unserem Industriestandort eine Wertschöpfung, die unser aller Wohlstand sichert.

Enorm wichtig ist daher das Verständnis unserer Gesellschaft für Technik. Bildung kann und muss dieses Verständnis vermitteln. Aber genau das passiert nicht. Und auch wenn ich als VDI-Präsident vor allem die technischen Kompetenzen im Auge habe, möchte ich doch betonen, dass wir ein umfassendes Bildungskonzept benötigen. Nicht nur, weil wir angesichts des demografischen Wandels alle Arbeitskräfte im Land und aus dem Ausland optimal vorbereiten und einbinden müssen.

Nicht nur, weil auch gute Sprachkenntnisse, systematisches Denken und die Fähigkeit zu klarer Kommunikation für den beruflichen Erfolg des einzelnen und das weitere wirtschaftliche Wachstum in Deutschland unerlässlich sind. Sondern auch, weil eine gesunde Einschätzung des gesellschaftlichen Beitrags der Technik und eine ausgewogene Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken gerade in unserer Mediengesellschaft mündige und gebildete Bürger erfordern. Dazu dürfen wir auch die geschichtlichen und geistesgeschichtlichen Hintergründe nicht aus dem Auge verlieren.

Deshalb muss aus VDI-Sicht eine schlüssige

Bildungsstrategie für Deutschland entwickelt werden. Die Bundesregierung sehe ich hier in einer wichtigen Rolle als Impulsgeber und Koordinator.

Und der Föderalismus darf uns dabei nicht im Weg stehen.

Nur durch eine Strategie, in der die technische Bildung integraler Bestandteil unserer Schulbildung ist, werden das Verständnis und die Akzeptanz für Technik größer.

Dies ist für eine Industrienation wie Deutschland dringend notwendig. Wir brauchen in allen Belangen mündige Bürger, die technologische Entwicklungen nicht nur emotional bewerten, sondern richtig verstehen und einschätzen können. Wir müssen alles daran setzen, den Technikstandort Deutschland zu stärken, um damit auch die für unseren Wohlstand wichtigen Arbeitsplätze zu schaffen. Nur so lassen sich auch zukünftig unsere Sozial- und Rentensysteme finanzieren.

Auch wenn uns der Föderalismus aus vielen Gründen heilig ist, den Schulen hat er letztendlich wenig gebracht. Es herrscht eine ungeheuere Experimentierfreude der einzelnen Schulministerien, was immer neue Schulreformen, immer neue Unterrichtsgestaltungen hervorbringt. Es fehlt die unbedingt notwendige Verlässlichkeit, nicht nur für die Lehrer, die sich oft als Spielball dieser wenig abgestimmten Experimente sehen, sondern auch für Schüler. Wie sonst sollen mündige Bürger heranwachsen?

Warum wir mündige Bürger in Zukunft brauchen? Weil sie in der Lage sein werden, die Zukunft des Planeten mit seinen letztendlich doch begrenzten Ressourcen auf phantasievolle und völlig neue Weise, mit völlig neuen Techniken zu gestalten. Und weil sie in der Lage sein werden, Auswirkungen des Einsatzes neuer Technologien verantwortungsbewusst abzuschätzen und in ein nachhaltiges Wirtschaften zu integrieren.

Sehr geehrter Herr Bundesumweltminister Röttgen,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

lassen Sie mich – nunmehr am Ende der Reise angekommen – die wesentlichen Kernaussagen wie folgt zusammenfassen:

Erstens: Wir brauchen politische Verlässlichkeit und Planungssicherheit bei der Energieerzeugung.

Auch die erneuerbaren Energien stoßen überall auf Widerstand, wo Menschen persönlich getroffen werden. Deshalb brauchen wir schnelle Bewilligungsverfahren unter Einbezug der Bürger im Rahmen demokratischer Prozesse.

Zweitens: Wir müssen unsere Stärken stärken.

Sowohl für die Ressourceneffizienz als auch für die IKT-Bereiche. Wir brauchen Wirkvorschriften und keine Ausführungsvorschriften. Definieren Sie, Herr Bundesumweltminister, politisch angemessene Ziele und lassen Sie die Ingenieure mit ihrer technischen Kompetenz die Lösungen entwickeln – natürlich in permanenter gegenseitiger Abstimmung.

Drittens: Wir müssen mehr junge Menschen für den Ingenieurberuf begeistern.

Sonst droht der Ingenieur- und Fachkräftemangel zu einer echten Wachstumsbremse zu werden.

Viertens: Wir müssen die Chancen und Risiken der Technik ehrlich diskutieren.

Wollen wir Vertrauen in der Bevölkerung für technische Entwicklungen schaffen, brauchen wir eine politisch gewollte „Pro-Technik“-Kampagne, die den Sachverstand der Ingenieure von Beginn an mit einbezieht.

Fünftens: Wir brauchen eine bundeseinheitliche Bildungsstrategie.

Diese muss die Grenzen des Föderalismus überwinden und technische Bildung als Teil der Allgemeinbildung verstehen. Nur so können mündige Bürger heranwachsen, die unser Land auch in Zukunft weiter entwickeln.

Meine sehr verehrten Damen und Herren.

Ich hoffe, dass ich viele von Ihnen heute Abend hier auf dem 25. Deutschen Ingenieurtag in Düsseldorf erreichen konnte. Und wenn Sie nachher schlafen gehen und an Deutschland denken, wünsche ich mir, dass Sie nicht um den Schlaf gebracht werden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Ein Beitrag von:

  • Bruno O. Braun

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