Joe Kaeser baut ENERGIESPARTE AUS 07.05.2014, 12:33 Uhr

Siemens kauft Gasturbinen-Sparte von Rolls-Royce

Siemens will sich künftig auf Energie, Automatisierung und Digitalisierung konzentrieren. Die Frage, ob der Konzern bei Alstom einsteigen wird, spielte gestern bei der mit Spannung erwarteten Präsentation der Quartalszahlen und der neuen Unternehmensstrategie keine Rolle. 

Gasturbine von Rolls-Royce: Siemens will die Sparte übernehmen.

Gasturbine von Rolls-Royce: Siemens will die Sparte übernehmen.

Foto: Rolls-Royce

Für die Arbeit seines Vorgängers Peter Löscher hatte Siemens-Chef Joe Kaeser keine freundlichen Worte übrig. Von allzu kurzfristigen und taktischen Entscheidungen sei die Unternehmenskultur bis 2013 geprägt gewesen. Bei der „durchwachsenen“ operativen Performance gebe es noch viel zu tun, sagte Kaeser auf einer Pressekonferenz in Berlin, bei der er sowohl Quartalszahlen als auch die neue Firmenstruktur präsentierte. Die Umsatzerlöse gingen demnach im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück, während der Gewinn nach Steuern leicht auf 1,15 Milliarden Euro zulegte – viel weniger als von Analysten erwartet.

Sehr deutlich machte Kaeser, dass Siemens künftig noch weitaus stärker auf die Energiesparte setzen wird. Vor allem der Markt der kleinen Gasturbinen soll ausgeschöpft werden. Sie werden vor allem in Gas- sowie Gas-und-Dampf-Kraftwerken eingesetzt, die als modernste und umweltschonendste Variante herkömmlicher Energieerzeugung aus fossilen Quellen gelten.

Siemenschef sieht „Renaissance“ der Energiequellen Gas und Öl

Siemens wird deshalb die Gasturbinen- und Kompressorensparte von Rolls-Royce übernehmen. Kaeser sieht in dem Markt hohe Wachstumschancen,  weil kleinere Turbinen in einer dezentralen Energieversorgung eine große Rolle spielten. Außerdem spricht er von einer „Renaissance“ der Energiequellen Gas und Öl und will verpasste Chancen bei der „unkonventionellen Öl- und Gasförderung“ aufholen. Gemeint ist vor allem das umstrittene Fracking, bei dem Gesteinsschichten unter Einsatz von hohem Druck und einem Chemikaliengemisch aufgebrochen werden, um darin gebundenes Öl und Gas zu fördern.

Siemens-Chef Joe Kaeser am 7. Mai auf der Halbjahres-Pressekonferenz des Konzerns: Der Gewinnzuwachs fiel geringer aus als von Analysten erwartet.

Siemens-Chef Joe Kaeser am 7. Mai auf der Halbjahres-Pressekonferenz des Konzerns: Der Gewinnzuwachs fiel geringer aus als von Analysten erwartet.

Quelle: dpa/Rainer Jensen

Zugleich will Siemens aber auch weiter auf die Erneuerbaren Energien setzen, vor allem auf Offshore-Windkraft – trotz starker Einbrüche in diesem Geschäft, trotz technischer Schwierigkeiten bei der Errichtung vieler Anlagen auf hoher See und häufig mangelnder Netzanbindung. Kaeser erwartet auch hier neues, starkes Wachstum.

Gewinnrückgang bei Alstom

Siemens plant eine Reihe von Veränderungen mit dem Ziel, profitabler zu werden: Von einer schlankeren Firmenstruktur über die stärkere Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter bis zum Börsengang der Hörgeräte-Sparte. Von dem möglichen Tauschgeschäft mit dem französischen Konzern Alstom, für dessen Energiesparte  Siemens seine Transporttechnik abgeben könnte, ist nicht die Rede. Aus der Konzernstrategie wird aber deutlich, dass Siemens die Produktion von Schienenfahrzeugen nicht als Zukunftsmarkt sieht.

In einem Fernsehinterview äußerte sich Kaeser gestern zurückhaltend zu dem Deal. Er habe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Chancen und Risiken besprochen, sagte er – und verwies nur allgemein darauf, dass er seinen Aktionären verantwortlich sei. Das könnte ein Verweis auf die aktuellen Zahlen von Alstom sein, die nicht eben vielversprechend klingen: Der Gewinn des Unternehmens ist im vergangenen Jahr um ein Viertel eingebrochen.

Franzosen produzieren auch Gasturbinen

Siemens prüft derzeit ein Gegenangebot zu General Electric für Alstom. Das US-Unternehmen will die Energiesparte des Konzerns für 12,35 Milliarden Euro übernehmen, die Alstom-Spitze hat sich schon klar dafür ausgesprochen. Die französische Regierung hatte aber jüngst Nachbesserungen an dem GE-Angebot gefordert und damit erneut ihre Sympathie für die Alternative Siemens gezeigt. Chancen für die Deutschen gibt es also noch, und die Energiesparte des Konkurrenten scheint nicht ganz schlecht in die jetzt verkündete Strategie zu passen: Die Produktion von Gas- und Dampfturbinen, Kraftwerkskomponenten und auch Windkraftanlagen ist das Hauptgeschäft von Alstom.

 

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