Industrie 17.12.1999, 17:23 Uhr

Siemens, Europas größte Erfinderfirma

10 Mrd. DM gab Siemens im Geschäftsjahr 1998/99 für F & E aus, ein neuer Rekord. Und das Ergebnis? Auch ein Rekord! Mit 4500 Erst-anmeldungen bei den Patenten rechnet sich das Unter-nehmen als Nr. 1 in Deutschland und Europa. Am 7. Dezember wurden zwölf Mitarbeiter, die sich mit zusammen 372 Erfindungen hervorgetan haben, geehrt.

Nach Kanada geht die Reise, Anfang Mai nächsten Jahres oder Anfang Juni. Zur schönsten Jahreszeit macht sich die multinationale Erfindertruppe auf den Weg zu „entertainment, adventure, sightseeing – and Siemens“.
Das ist die eine, besonders schöne Seite, wenn man Träger des „Erfinderpreises 1999“ ist und noch seinen Partner mitnehmen kann. „Er“ oder „Sie“ sind beim Erfinderpreis mit einbezogen. Erfindungen macht man in der Regel nicht während der Dienstzeit, weiß auch der Siemensvorstand Heinrich von Pierer. Auch die Ausarbeitung koste manche Stunde Freizeit. Wenn die Partner der Erfinder nicht oft geduldig zurückstehen würden, wäre so manche Erfindung wohl nicht zustande gekommen.
Mit dem Preis werden Mitarbeiter ausgezeichnet, die zwei Bedingungen erfüllen: Zum einen müssen sie eine Reihe von wichtigen Erfindungen gemacht haben und damit wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg ihres Arbeitsgebiets beigetragen haben. Zum anderen sollen sie aber auch im vergangenen Jahr erfolgreich erfinderisch tätig gewesen sein. Insgesamt gibt es nun 62 Erfinder des Jahres.
Die Verleihung des Erfinderpreises hat das Verständnis für die Bedeutung von Erfindungen und Patenten bei Siemens inzwischen gestärkt. Heinrich von Pierer achtet nämlich nicht nur auf den Shareholder Value auch die Know-how-Assets liegen ihm am Herzen. „Patente sind ein wichtiger Schatz in unserer Firmenkasse“, betonte von Pierer am 7. Dezember im schicken Restaurant des neuen Siemens-Forum über den Dächern von München, direkt auch über den Ausstellungsräumen.
„Dank unserer eifrigen Erfinder ist Siemens derzeit mit rund 70 000 Patentanmeldungen und 40 000 Patenten gut gerüstet“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Sie trügen entscheidend zum Schutz des eigenen Marktanteils und des technischen Vorsprungs bei.
Schutzrechte sind für Siemens auch ein wichtiges strategisches Mittel der Geschäftspolitik, um Freiräume für die eigene geschäftliche Betätigung zu schaffen. Weltweit werden deshalb Patente immer wichtiger, sei es zum Abstecken von „Claims“ in wichtigen Marktbereichen, so von Pierer, oder zum Schutz des technischen Vorsprungs. Eine nicht zu unterschätzende Rolle haben Patente auch bei Patentlizenzverträgen. Hat man selbst nichts zum Austausch anzubieten, wird es in der Regel sehr teuer.
Unter den zwölf „Erfindern des Jahres 1999“ sind erstmals auch zwei Frauen vertreten. „Diese Auszeichnung macht deutlich, dass eine technische Karriere bei Siemens nicht nur dem männlichen Geschlecht vorbehalten ist“, hob von Pierer in seiner Laudatio hervor. Der Siemens-Vorstand regte deshalb an, interessierte junge Mädchen immer wieder darauf hinzuweisen, dass für sie auch eine technische Karriere aussichtsreich ist.
Die diesjährigen Preisträger leben in Deutschland, Schweiz und den USA und arbeiten an den Standorten Bocholt (1), Berlin (2), Erlangen (1), Regensburg (3), München (2), Zürich (1), East Fishkill (1) und Princeton (1) im Bundesstaat New Jersey.
Seit Beginn der Verleihung des Erfinderpreises 1994/95 ist die Zahl der Erfindungsmeldungen von 3600 im Jahr auf knapp 7500 gestiegen. In den USA z.B. hat die Zahl der Meldungen von 460 auf 1260 im letzten Jahr zugenommen, d. h. sich knapp verdreifacht. Die Zahl der angemeldeten Patente stieg insgesamt von knapp 3000 auf knapp 5000; in den USA von 250 auf 675 Erstanmeldungen. Im letzten Jahr hat Siemens durchscnittlich pro Arbeitstag 25 neue Patente angemeldet.
Die „Erfinder des Jahres“ arbeiten auf den unterschiedlichsten Gebieten, etwa der Information und Kommunikation, Produktionsautomatisierung, Energieerzeugung, Halbleiter- oder Medizintechnik. So hat Georg Busch, geb. 1955, bei Information & Communication Products in Bocholt dazu beigetragen, Mobiltelefone noch kleiner zu gestalten, z. B. durch Modifikation am elektronischen Design der Modelle C25 und S25.
Elmar Fischer, geb.1944, und Christoph Weber, geb. 1961, entwickelten in Regensburg einen „Schutzengel“ für elektrische Leitungen, auf den auch bei Kurzschlussströmen von 10 000 A Verlass ist. Die dabei auftretenden elektrischen Leistungen liegen kurzzeitig über 1 MW.
Peter Goldstein, geb. 1947, von Siemens in Zürich hat ein Problem gelöst, das Telefonkunden haben, wenn sie umziehen oder zu einem anderen Netzbetreiber wechseln. Das neue Verfahren setzt, sobald für eine „mitgenommene“ Rufnummer ein Zusatzdienst angefordert wird, eine automatische Anfrage an einen entsprechenden Server oder an ein intelligentes Netz ab.
Dr. Ulrike Gruening, geb. 1969, arbeitet im Rahmen einer Partnerschaft zwischen IBM und dem aus dem Siemens-Bereich Halbleiter entstandenen Unternehmen Infineon an der Entwicklung des 1 Gigabit-Speicher-Chips. Es wird nun sicher gestellt, dass zwei miniaturisierte Elemente in zwei Ebenen, z. B. der Speicherkondensator und der dazugehörige Transistorknoten, auch unter größerer Verjustierung einen gut leitenden Kontakt herstellen, „selbstjustierend“ sind.
Dr. OliverHeid,geb. 1966, hat bei der Medizinischen Technik, Erlangen dafür gesorgt, dass Computertomographie aussagekräftiger wird. Bei einem Gerätekonzept, dessen Entwicklung er maßgeblich vorangetrieben hat, wird die Inhomogenität nach dem Einschieben des Patienten ins Gerät gemessen und durch Zuschalten stromdurchflossener Kupferspulen ausgeglichen.
Dr. Andreas Jurisch, geb. 1960, arbeitete in Berlin an Verfahren um Schäden im Stromnetz einen Riegel vorzuschieben(pro 100 km Freileitung jährlich ein Fehler ) .Die „Pendelsperre“greift ein, wenn eine Turbine den angeschlossenen Generator zeitweise mit mehr Energie beliefert, als dieser ins Netz einspeisen kann. Der Generator – bzw. sein Magnetfeld – dreht sich dann schneller, d.h. er arbeitet auf einer höheren Frequenz als das Stromnetz. Das System erkennt Pendelungen jetzt bis zu einer Frequenzdifferenz von 8 Hz.
Dr. Anja Klein, geb. 1967, in Berlin und Michael Färber, geb. 1958, in München arbeiten am Mobilfunk 2001: Mehrere Nutzer senden gleichzeitig auf derselben Frequenz. Es wird möglich, via Handy Datentransfers mit bis zu 2 Mbit/s durchzuführen.
Johann Melf, geb.1941, war in München maßgeblich an der Entwicklung eines Bestückungsautomaten beteiligt, bei dem das Portal von einem Linearmotor bewegt wird. In der gleichen Zeit kann man jetzt die doppelte Anzahl von Leiterplatten bestücken.
Dr. Jianzhong Qian, geb.1948, entwickelte in Princeton/USA ein computergesteuertes Radiologie-System, das ermittelt, wo und in welcher Menge sich das Kontrastmittel im Gefäß befindet. Das Verfahren erhöht die Bildqualität, reduziert die Materialkosten und ermöglicht es, mehr Patienten als bisher zu untersuchen.
Eine von Dr. Hong Zhang, geb.1961, in Regensburg mit entwickelte Abgasspürnase überwacht den Wirkungsgrad von Pkw-Katalysatoren und meldet sich, wenn Grenzwerte überschritten werden. KÄM
Peter Goldstein arbeitet an öffent-lichen Kommunikationsnetzen, die wie Nebenstellennetze funktionieren.
Georg Busch sorgte dafür, dass die sechslagige Leiterplatte im Handy-Modell CS25/S25 nur 43 cm2 groß ist. Dazu verwendete er eine Technologie aus der Großrechner- und Raumfahrttechnik.
Johann Melf entwickelte einen Bestückungsautomaten, der Fertigungszeiten für Baugruppen halbiert. Der Roboterarm wird von einem Linearmotor bewegt, um schneller und exakter zu positionieren.
Hong Zhang verbesserte die Online-Diagnose von Kfz-Katalysatoren. Ein Sensor misst die Abgase und schlägt bei schlechten Werten Alarm.

Von Käm

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