Gewinnziel verfehlt 29.07.2013, 13:12 Uhr

Siemens-Chef Löscher muss gehen: Finanzvorstand Kaeser rückt auf

Siemens-Chef Peter Löscher muss gehen. Nachdem er wiederholt das selbst gesetzte Gewinnziel für den Konzern verfehlt hat und der Konzern nach Löschers Sparprogramm unter Qualitätsproblemen leidet, entzog ihm der Aufsichtsrat das Vertrauen. Sein Nachfolger wird Finanzvorstand Joe Kaeser.

Noch am 15. Juli vereint: Siemens-Vorstandschef Peter Löscher (3.v.r.) legte gemeinsam mit Finanzvorstand Joe Kaeser (l.) den Grundstein für die neue Siemens-Konzernzentrale in München.

Noch am 15. Juli vereint: Siemens-Vorstandschef Peter Löscher (3.v.r.) legte gemeinsam mit Finanzvorstand Joe Kaeser (l.) den Grundstein für die neue Siemens-Konzernzentrale in München.

Foto: Siemens

Mit dem Österreicher Peter Löscher wurde vor sechs Jahren zum ersten Mal in der Geschichte des fünftgrößten deutschen Konzerns jemand von Außen an die Spitze des Unternehmens geholt. In dieser Zeit musste er insgesamt sechs Mal die Gewinnprognose korrigieren. Auch das jüngste Sparprogramm „Siemens 2014“, mit dem Löscher sechs Milliarden Euro weniger ausgeben wollte, scheiterte.

Doch Löscher, der Siemens nach der schlimmsten Korruptionsaffäre seiner Geschichte wieder in ruhigeres Fahrwasser holte, hat zunehmend Probleme, den Konzern auf hoher Qualität zu halten. Es häufen sich die Qualitätsprobleme bei Schienenfahrzeugen, im Nahverkehr ebenso wie bei den Hightech-Zügen. Die ICE-Züge für die Deutsche Bahn sind immer noch nicht ausgeliefert. Von der Solarsparte hat sich Siemens verabschiedet, in der Windsparte hat Siemens Verluste abschreiben müssen.

Siemens ist aktuell das wertvollste deutsche Unternehmen

Und doch ist Siemens kein Sanierungsfall. Ausgerechnet jetzt, wo der Vorstandschef gehen muss, ist Siemens mit einer Börsenkapitalisierung von 70 Milliarden Euro zum wertvollsten deutschen Unternehmen aufgerückt. Die vier Bereiche Energie, Industrie, Gesundheit und Infrastruktur machen in 190 Ländern insgesamt 78 Milliarden Euro Umsatz.

Noch optimisch: Anfang Juli weihte Siemens-Chef Peter Löscher London Array ein, das größte Offshore-Windkraftwerk der Welt in der großen Themsemündung vor der Küste Englands. Siemens lieferte 175 Windturbinen. Doch der Erfolg konnte Löscher nicht mehr retten: Jetzt soll er Finanzvorstand Joe Kaeser Platz machen.

Noch optimisch: Anfang Juli weihte Siemens-Chef Peter Löscher London Array ein, das größte Offshore-Windkraftwerk der Welt in der großen Themsemündung vor der Küste Englands. Siemens lieferte 175 Windturbinen. Doch der Erfolg konnte Löscher nicht mehr retten: Jetzt soll er Finanzvorstand Joe Kaeser Platz machen.

Foto: Siemens

Allerdings boomt von den vier Bereichen nur die Sparte Gesundheit. Das Energiegeschäft leidet unter der Rezession in Europa, während das Industriegeschäft von der wirtschaftlichen Lage in China und Deutschland betroffen ist. Der Bereich Infrastruktur muss sich erst noch richtig entwickelt und Profil aufbauen oder hat Probleme wie der Bereich Schienenfahrzeuge.

Kaeser ist seit 33 Jahren bei Siemens

Mit Joe Kaeser kommt nun wieder ein Mann an die Spitze des Konzerns, der bei Siemens groß geworden ist: Er arbeitet bereits seit 33 Jahren im Unternehmen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat unterstützen seine Wahl, weil Kaeser die Fragen beantworten will, die für sie wichtig sind: Welche Produkte haben wir in fünf Jahren, welche Investitionen sind erforderlich, welche Qualifikation, welches Personal brauchen wir dafür?

In der Krise erhält Siemens milliardenschweren Auftrag aus Saudi Arabien

Skurril: Ausgerechnet jetzt gewinnt Siemens den Zuschlag für einen neuen Großauftrag: Gemeinsam mit dem US-Bauriesen Bechtel und dem amerikanischen Baudienstleister AECOM baut Siemens einen Teil der neuen Metro in der Hauptstadt Riad. Insgesamt teilen sich drei ausländische Konsortien den milliardenschweren Auftrag. Mit 9,45 Milliarden Dollar erhält das Konsortium um den US-Bauriesen Bechtel, an dem auch Siemens und AECOM beteiligt sind, den größten Teilauftrag.

Insgesamt soll die neue U-Bahn 22,5 Milliarden Dollar kosten und eine Länge von 176 Kilometern erreichen. Geplant sind sechs U-Bahn-Strecken. Der Baubeginn ist für das erste Quartal 2014 geplant, die U-Bahn soll 2019 in Betrieb gehen.

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