Angebot zur Übernahme 27.05.2014, 15:42 Uhr

Siemens bietet sieben Milliarden und die ICE-Fertigung für Alstom

Der Übernahmekampf um den französischen Technikkonzern Alstom geht in die entscheidende Phase: Nach Medienberichten hat Siemens ein Angebot vorgelegt, das die Zahlung von knapp sieben Milliarden Euro für die Alstom-Energiesparte umfasst. Zusätzlich soll Alstom das deutsche ICE-Geschäft erhalten.

Ein ICE von Siemens und ein TGV von Alstom im Gare de l'Est in Paris: Siemens hat jetzt knapp sieben Milliarden Euro für die Energiesparte von Alstom geboten. Gleichzeitig soll Alstom die ICE-Fertigung übernehmen.

Ein ICE von Siemens und ein TGV von Alstom im Gare de l'Est in Paris: Siemens hat jetzt knapp sieben Milliarden Euro für die Energiesparte von Alstom geboten. Gleichzeitig soll Alstom die ICE-Fertigung übernehmen.

Foto: dpa

Am morgigen Mittwoch will Siemens sein verbindliches Angebot zur Übernahme des Energiegeschäfts des französischen Energie- und Transportkonzerns Alstom mit Sitz in Levallois-Perret bei Paris auf den Tisch legen. Es soll nach Medienberichten weniger als sieben Milliarden Euro schwer sein, dafür allerdings die Mehrheit am Siemens-Zuggeschäft beinhalten. Damit bietet Siemens deutlich weniger als sein Konkurrent, der weltgrößte Technikkonzern General Electric (GE). Die Amerikaner haben im April für das Energiegeschäft 12,35 Milliarden Euro geboten.

Teuerste Offerte in der 122-jährigen Firmengeschichte

Dieses Angebot ist die teuerste Offerte in der 122-jährigen Firmengeschichte von General Electric. Noch bevor Siemens sein Angebotvorgelegt hat, verlängerte der US-Konzern seine Offerte bis zum 23. Juni, um mehr Zeit für Verhandlungen mit der französischen Politik zu haben. Denn dieser Megadeal ist ein klarer Fall für die Politik.

Und die Politik in Frankreich steht dem Deal mit GE ablehnend gegenüber. Vor allem Wirtschaftsminister Arnaud Mountebourg keilte lautstark in Richtung Alstom: „Es gibt zwei Lösungen. Um Bilder zu benutzen, die den Franzosen etwas sagen: Entweder lässt man sich von Boeing kaufen, oder man baut am Airbus. Siemens will zwei Weltführer in den Bereichen Energie und Verkehr aufbauen.“

Präsident Hollande will „Airbus für Energie“

Auch Frankreichs Präsident François Hollande hatte kürzlich angeregt, einen „Airbus für Energie“ zu schaffen. Das wäre nach dem jetzt vorliegenden Siemens-Plan dann Siemens. Hinzu käme ein „Airbus für die Schiene“, also Alstom mit ICE und TGV. Der Plan hat aus Siemens-Sicht „einigen Charme“, wie Christoph Niesel sagt, ein auf europäische Aktien spezialisierter Fondsmanager bei Union Investment. Denn: Der „Airbus für Energie“ wäre nicht nur sehr viel größer als der „Airbus für die Schiene“. Er wäre auch sichtlich lukrativer. „Siemens und Alstom würden sich im Energiegeschäft gut ergänzen“, sagt Niesel. Siemens gilt als Spezialist für Gaskraftwerke, während Alstom bei Kohlekraftwerken den Ton angibt.

„In Wirklichkeit wäre das sogar ein Bonbon“

Auch die Aufgabe des Geschäftes mit dem ICE wäre für Siemens ein gutes Geschäft: „In Wirklichkeit wäre das sogar ein Bonbon“, meint Stefan Schöppner, Industrie-Analyst bei der Commerzbank. Siemens-Chef Joe Kaeser will den Mischkonzern Siemens entschlacken und weniger profitable Sparten veräußern, um sich auf die Kerngeschäfte zu konzentrieren. Er will das Unternehmen zu alter Stärke zurückführen und rund eine Milliarde Euro sparen. Durch diesen Befreiungsschlag will Kaeser Siemens in den nächsten Monaten von den bürokratischen Fesseln befreien.

Alstom-Standort in Belfort in Frankreich mit General-Electric-Werk im Hintergrund: GE hat mehr als 12 Milliarden Euro für die Alstom-Energiesparte geboten und damit deutlich mehr als Siemens. Nachteil für Alstom: Die Franzosen würden weiterhin mit Siemens im Bahngeschäft konkurrieren.

Alstom-Standort in Belfort in Frankreich mit General-Electric-Werk im Hintergrund: GE hat mehr als 12 Milliarden Euro für die Alstom-Energiesparte geboten und damit deutlich mehr als Siemens. Nachteil für Alstom: Die Franzosen würden weiterhin mit Siemens im Bahngeschäft konkurrieren.

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Dadurch fallen nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen 10.000 Jobs weg, vor allem in der Verwaltung. Besonders betroffen ist nach einem Bericht der Wirtschaftswoche Erlangen, mit 25.000 Beschäftigten der weltweit größte Siemens-Standort. Die IG Metall rechnet auch mit einem Job-Abbau in der Konzernzentrale in München. Dort arbeiten rund 8.000 Menschen für Siemens.

Im Wesentlichen geht es GE um die Serviceverträge von 6.000 installierten Turbinen

Bei Siemens wird davon ausgegangen, dass GE-Chef Jeffrey Immelt am morgigen Mittwoch mit Frankreichs Präsident François Hollande über die Offerte der Amerikaner spricht. Im Wesentlichen geht es GE um die mehr als 6.000 installierten Turbinen von Alstom, die bei den Kunden vom Hersteller gewartet werden. Und im Gegensatz zu vielen anderen Energietechniksegmenten von Alstom versprechen dieses 6.000 Serviceverträge traditionell sehr hohe Gewinne.

Die französische Regierung hat sich im Übernahmepoker um Alstom das letzte Wort gesichert. Dazu erließ sie eigens ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Bereichen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Wirtschaftsminister Montebourg tüftelt inzwischen an einer heimischen Lösung, um den Verkauf von Alstom an GE zu verhindern.

Viele Fragen bei diesem Riesendeal sind noch völlig ungeklärt. Dazu gehört die Frage, ob der „Airbus für Energie“ und der „Airbus für die Schiene“ überhaupt den Segen der EU-Kartellbehörde bekommen würden. Denn wenn TGV und ICE verschmelzen, gibt es nur noch einen Hersteller für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa. Und Siemens hätte plötzlich im europäischen Energiegeschäft eine absolut dominante Rolle.

Alstom-Chef neigt zur Annahme des GE-Angebotes

Es ist allerdings fraglich, ob Siemens mit diesem Deal bei Alstom-Chef Patrick Kron punkten kann. Denn im Umfeld der Franzosen wurde deutlich gemacht, dass Alstom sich nicht unter Wert verkaufen wolle. „Wenn sie weniger Bares anbieten und einen geringeren Umfang als GE, wird das nicht die Zustimmung der Gremien finden“, sagte ein Insider, der fortfuhr: „Wenn sie Alstom nicht zusichern, die Kartellbedenken aus dem Weg zu räumen, brauchen sie erst gar kein Angebot vorzulegen.“

Um diese Bedenken zu entschärfen, will Siemens die Bereiche mit den größten Überlappungen ausklammern. So will Siemens auf das Stromübertragungsgeschäft verzichten. Die Nukleartechnik und die Windenergiesparte will Siemens ohnehin nicht übernehmen.

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