Erste Sondierungsgespräche 12.09.2014, 16:35 Uhr

Rheinmetall will Marinesparte von ThyssenKrupp übernehmen

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall plant die Übernahme der Marinesparte von ThyssenKrupp. Deren begehrtestes Produkt ist ein U-Boot mit Brennstoffzellenantrieb. Mit der Übernahme könnte Rheinmetall dem amerikanischen Weltmarktführer Lockheed Martin näher kommen.

Die U-Boote der Klasse 212 von ThyssenKrupp fahren mit einem Brennstoffzellenantrieb. Sie lassen sich von Sonar und Radar nicht orten und sind deshalb heißbegehrt.

Die U-Boote der Klasse 212 von ThyssenKrupp fahren mit einem Brennstoffzellenantrieb. Sie lassen sich von Sonar und Radar nicht orten und sind deshalb heißbegehrt.

Foto: ThyssenKruppe

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall, bisher auf Rüstungsgüter an Land fixiert, will die Marinesparte von ThyssenKrupp kaufen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger habe bereits erste Sondierungsgespräche mit dem Stahlkonzern geführt, berichtet das Handelsblatt und beruft sich dabei auf Unternehmenskreise. Schon vor einigen Monaten habe es ein Abtasten gegeben, bei dem Rheinmetall seine Übernahmebereitschaft erklärt habe.

Rheinmetall könnte Umsatz auf fünf Milliarden Euro steigern

Rheinmetalls Umsatz mit Rüstungsgütern könnte durch den Zukauf der ThyssenKrupp-Marinewerft, die auf 1,3 Milliarden Euro Umsatz kommt, auf fast fünf Milliarden Euro anwachsen – immer noch wenig im internationalen Vergleich. Der amerikanische Weltmarktführer Lockheed Martin etwa kommt auf umgerechnet rund 31 Milliarden Euro.

„Sollte sich Rheinmetall breiter aufstellen wollen, würde ich das nur begrüßen“, sagt der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, dem Handelsblatt. Auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dränge auf eine Konsolidierung der deutschen Rüstungsbranche.

Die Antriebe der U-Boot-Klasse 212 werden von Brennstoffzellen mit Strom versorgt. Wasser- und Sauerstoff, der Sprit der Zellen, befindet sich in Drucktanks an Bord.

Die Antriebe der U-Boot-Klasse 212 werden von Brennstoffzellen mit Strom versorgt. Wasser- und Sauerstoff, der Sprit der Zellen, befindet sich in Drucktanks an Bord.

Foto: ThyssenKrupp

Die Werft von ThyssenKrupp ist vor allem für seine U-Boote der Klasse 212 berühmt. Obwohl sie keinen Atomantrieb haben, können sie wochenlang unter Wasser bleiben. Sie werden von Brennstoffzellen mit Strom versorgt. Wasser- und Sauerstoff, der Sprit der Zellen, befindet sich in Drucktanks an Bord.

Sie sind zudem so leise, dass kein Sonar sie orten kann. Sie sind immun gegen Radaraufklärung. Wenn sie also einmal abgetaucht sind, kann niemand sie finden. Das ist weltweit einmalig und heißbegehrt.

Rheinmetall interessiert sich auch für Unternehmen des Airbus-Konzerns

Rheinmetall, laut Statistikportal Statista derzeit auf Platz 28 in der Welt, könnte allerdings noch weiter aufrücken. Die Düsseldorfer interessieren sich zusätzlich für zwei Unternehmen, die zum Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus gehören. Dessen Chef Tom Enders überprüft derzeit sein Portfolio im Rüstungsgeschäft und könnte alle Aktivitäten in Deutschland jenseits des Geschäfts mit Lenkwaffen und Kampfflugzeugen abstoßen, wie das Handelsblatt berichtet.

Das erste Unternehmen ist Atlas Elektronik. Der Spezialist für Waffen, die über und unter Wasser eingesetzt werden können, passt prima zu den Produkten der ThyssenKrupp-Werft. Auch den in Ulm ansässigen Optik-Spezialisten Cassidian Optronics aus dem Airbus-Imperium könnte Enders abgeben.

Rheinmetall würde das Unternehmen mit Kusshand nehmen. Dessen Produkte sind bereits heute breit gefächert. Die Düsseldorfer rüsten etwa den von Krauss Maffei Wegmann gebauten und weltweit gefragten Panzer Leopard mit der kompletten Kanone aus.

Im Marinegeschäft sind die Düsseldorfer bereits vertreten, etwa mit Feuerleitsystemen und Systemen, die im Wasser treibende oder liegende Minen unschädlich machen. Durch den Zukauf der Verteidigungssparte des Züricher Unternehmens Oerlikon hat Rheinmetall sich auch schon früher einen Weg in die Luft gesichert. Die immer noch in der Schweizer Metropole angesiedelte Sparte baut beispielsweise Flugabwehrsysteme.

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