Crowdfunding 25.01.2013, 12:45 Uhr

„Revolution der Unternehmensfinanzierung“

2012 sammelten Crowdfunding-Initiativen weltweit über 2,1 Mrd. € ein. Das sind 91 % mehr als 2011. Bisher geht das Geld vor allem an Projekte. Doch Plattformen wie Seedmatch, Companisto oder Innovestment beweisen, dass die Finanzierung von Gründern machbar ist und immer beliebter wird.

Crowdfunding-Initiativen sammelten 2012 weltweit mehr als 2,1 Mrd. € ein.

Crowdfunding-Initiativen sammelten 2012 weltweit mehr als 2,1 Mrd. € ein.

Foto: dpa

„Für mich ist Crowdfunding eine Art Hobby“, sagt Lukasz Sulkowski, Betriebswirt in der IT-Branche. Regelmäßig schaut sich der Nürnberger auf Plattformen wie Seedmatch, Companisto oder Innovestment um und investiert dort in Start-ups.

Sulkowski ist Teil eines weltweit schnell wachsenden Schwarms von Privatleuten, die sich zur Finanzierung von Projekten und Unternehmen zusammenschließen. Über 2 Mrd. € dürfte das Transaktionsvolumen 2012 laut Crowdfunding-Report der US-Marktforscher „Crowdsourcing LLC“ betragen haben. Ein Plus von 91 % im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2009 hat sich das Marktvolumen verfünffacht. Auch die Zahl der Plattformen wächst rasant. Aktuell sind es laut Report über 530 – dreimal mehr als Ende 2009.

Allerdings liegt dem Report ein weit gefasster Crowdfunding-Begriff zugrunde. Er bezieht vier Formen ein, davon zwei ohne finanziellen Rücklauf: philanthropische Spenden und Geld gegen Sachleistung. Sie machen aktuell etwa die Hälfte des Marktes aus, wachsen aber wesentlich langsamer als private Kredite und Beteiligungen auf Basis finanzieller Interessen. In diesen beiden Feldern liegen die Wachstumsraten bei 300 % jährlich.

Mit der Verlagerung in Richtung finanzieller Interessen geht eine Professionalisierung einher. Das liegt einerseits an den höheren Summen: Während zwei Drittel der ideellen Crowdfunding-Kampagnen unter 4000 € einsammeln, geht es bei über 80 % der Kredite und Beteiligungen um 20 000 € und mehr. Andererseits bemühen sich vermehrt Unternehmer um Kapital aus der Crowd. Um auf den überlaufenen Top-Plattformen aufzufallen, ziehen sie in den USA bereits spezialisierte Marketingexperten zurate.

Dass sich der Aufwand lohnen kann, zeigen Projekte wie Pebble. Die Erfinder dieses Zwitters aus Armbanduhr und Smartphone sammelten im Mai 2012 auf der Plattform Kickstarter 10,2 Mio. $ von 69 000 Investoren ein – 10 266 % ihres ursprünglichen Ziels. Allein auf dieser Plattform durchbrachen letztes Jahr 17 Projekte die Mio.-$-Grenze. Täglich wurden im Schnitt 50 Projekte erfolgreich finanziert. Gesamtvolumen: knapp 320 Mio. $.

Während Kickstarter auf Kultur- und Designprojekte spezialisiert ist, setzen andere den Schwerpunkt auf die Finanzierung von Start-ups. Vorreiter in Deutschland ist Seedmatch. Seit dem Start Mitte 2011 haben sich auf der Plattform über 10 000 Nutzer angemeldet. Sie haben 29 Finanzierungsrunden bei 28 Start-ups ermöglicht. Gut 3 Mio. € kamen zusammen, davon allein 1 Mio. € im letzten Quartal 2012. Teils stürzten sich die Investoren regelrecht auf Beteiligungsangebote: so konnte die Hamburger Softwareschmiede Protonet in nur 48 Minuten 200 000 € einwerben.

Private Investoren riskieren bei Seedmatch privates Geld. Lukasz Sulkowski sind die Risiken bis hin zum Totalverlust bewusst. Sein Gegenmittel: Risikostreuung, ein festes Budget und eingehende Beschäftigung mit Teams und Businessplänen. „Ich investiere maximal 1000 € pro Unternehmen, habe mein Limit auf 10 000 € im Jahr gesetzt und nutze die Zeit vor der Beteiligung, um mir über Xing, Facebook und die Webseiten der Start-ups ein Bild zu machen.“ Fragen stellt er teils telefonisch, teils online, damit andere mitlesen können.

„Wenn ich mich zur Beteiligung entschließe, halte ich anschließend Kontakt mit den Gründern“, erläutert er, „teils auf Messen, teils mit direkten Besuchen.“ Auch als Tester von Beta-Produkten und als Werber bringt er sich ein. „Ich habe Respekt vor Gründern und sehe mein Geld bei ihnen gut angelegt“, sagt er. Verloren hat er noch nichts. Im Gegenteil: Bei zwei Beteiligungen sind VC-Gesellschaften eingestiegen. Doch er weiß, dass es nicht immer so gut laufen wird. „Ich hoffe, dass ich unterm Strich Gewinne erziele“, sagt er.

Auch David Gerlach investiert zuweilen auf der Plattform. Den Unternehmer aus dem Bildungsbereich treibt weniger der Gedanke an Renditen, als der an seine eigene Gründung. Er hat die Probleme der Startkapitalbeschaffung persönlich erlebt. „Wenn mich eine Idee anspricht, schaue ich mir die Unterlagen in Ruhe an“, berichtet er. Sofern Businessplan und Team einen vernünftigen Eindruck machen, ist er dabei. „Das Risiko des Totalverlusts nehme ich in Kauf“, sagt er. Darum investiere er maximal 250 € je Start-up. Er schätzt die Grundidee des Crowdfundings, Gründungsrisiken auf viele Köpfe zu verteilen. Und er möchte seinen Teil zu einer Kultur der Selbstständigkeit beitragen. „Wenn Gewinne und Verluste sich am Ende die Waage halten, ist das für mich OK“, resümiert er.

Das Prinzip des Crowdfundings ist einfach. Doch der Teufel steckt im Detail. So waren Schwarm-Investments hierzulande bisher durch die Prospekt-Pflicht de facto auf maximal 100 000 € limitiert. Denn einen Anleger-Prospekt zu erstellen und von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) genehmigen zu lassen, sprengt für Start-ups den Rahmen. Seedmatch hat die BaFin von einem neuen Modell überzeugt. Statt in Form stiller Beteiligungen stellen Crowd-Investoren ihr Geld nun als „partiarische Nachrangdarlehen“ bereit. Das macht den Weg für erste Finanzierungsrunden bis 250 000 € und Anschlussfinanzierungen bis 1 Mio. € frei – jeweils ohne Prospekt und die sonst bei solchen Summen nötige Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

Üblicherweise bleiben Crowd-Investments auf mehrere Jahre fest im Start-up. Kompliziert wird es, wenn weitere Finanzierungsrunden folgen. Dann müssen alle Investoren zustimmen. Dabei droht ihnen, dass ihr Anteil verwässert wird. Vorreiter Seedmatch beugt dem mit einer Regelung vor, die den Wert der Einlage erhält: Die Anteilsquote sinkt bei Aufnahme frischen Kapitals proportional zur Steigerung des Unternehmenswerts. Etwaige Exits hat die Plattform ebenfalls im Blick: Bei Vertragsabschluss vereinbaren Start-ups und Investoren für diesen Fall feste Bonuszinsen, die das Risiko der Frühphasen-Finanzierer honorieren.

Lukrativ werden die Investments erst durch steigenden Wert der Unternehmen. Vorher gibt es für die Nachrangdarlehen 1 % Zinsen und Beteiligung an Gewinnen, die bei Start-ups in der Frühphase aber kaum zu erwarten sind. Crowd-Investoren tun also gut daran, die Gründer mit Blick auf den Unternehmenswert nach Leibeskräften zu unterstützen. Tun sie es, brechen sie laut Analysten eine „Revolution der Unternehmensfinanzierung“ vom Zaun. Traditionellen Modellen der Kapitalbeschaffung werde dann das Wasser abgegraben.   P. TRECHOW

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