Nachhaltigkeitsbilanz 18.11.2011, 12:04 Uhr

Puma will ökologischen Fußabdruck verkleinern

DerSportartikelhersteller Puma will bis 2015 umweltverträglicher wirtschaften und stellt erstmals eine ökologische Gewinn- und Verlust-Rechnung auf.

Anleger wünschen sich mehr Transparenz über die Nachhaltigkeit von Unternehmen. Einschätzungen von Rating-Agenturen helfen da nur bedingt weiter. Sie verwirren anstatt aufzuklären, weil jede Agentur andere Kriterien zugrunde legt. Nachhaltigkeitsexperten fordern daher seit langem, dass Unternehmen selbst Auskunft geben sollen über die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihres unternehmerischen Handels. Puma ist hier Vorreiter. Der Sportartikelhersteller hat am Dienstag dieser Woche in München als eines der ersten Unternehmen eine umfassende ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für 2010 vorgestellt.

Die aktuelle GuV erfasst die zentralen Umweltkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von den Treibhausgasemissionen, dem Wasserverbrauch, der Landnutzung, Luftverschmutzung bis hin zum Abfall. Mehrheitsaktionär von Puma ist die französische Holdinggesellschaft PPR, die auf Handel und Luxusgüter spezialisiert ist.

Verbraucher erwarten nachhaltige und sozialverträgliche Sportartikel

Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist in der Sportartikelbranche von wachsender Bedeutung. Wenn es um die Umweltverträglichkeit der Produkte geht, sind hier die Kunden sensibler als in anderen Wirtschaftsbereichen. Die Hersteller von Trikots und Sportschuhen fertigen ihre Produkte nicht selbst, die Sportkleidung wird ausschließlich von Zulieferern hergestellt – in Asien und in Dritte-Welt-Ländern. Der Verbraucher erwartet nicht nur, dass die verwendeten Materialien gesundheitsverträglich sind, sondern zunehmend auch, dass nachhaltig und sozialverträglich produziert wird.

Das Unternehmen aus Herzogenaurach hat ähnlich wie seine Wettbewerber die Aktivitäten bei der Herstellung nachhaltiger Produkte über Jahre hinweg ständig verbessert und die Basis für eine ehrgeizige Nachhaltigkeitsstrategie geschaffen: So will Puma dann im Rahmen seines langfristigen Nachhaltigkeitsprogramms bis 2015 in allen Niederlassungen, Stores, Lagern und bei den direkten Zulieferern weltweit 25 % weniger Wasser und Energie verbrauchen. CO2-Emissionen und Abfall sollen ebenfalls um ein Viertel reduziert werden. Darüber hinaus will Puma durch die Einführung des „papierlosen Büros“ den Papierverbrauch um 75 % senken und durch effizientere Transporte von Produkten durch Pumas Logistik-Partner deren CO2-Emissionen um 25 % reduzieren.

Die Erkenntnisse aus der Umweltbilanz sollen dem Unternehmen nun helfen, diese Ziele auch tatsächlich zu erreichen, sagt Reiner Hengstmann, der bei Puma für den Bereich „Umwelt und Soziales“ zuständig ist. „Mit der neu geschaffenen Transparenz erhalten wir erstmals stichhaltige Hinweise, in welchen Bereichen wir dabei am besten ansetzen können“, so der Nachhaltigkeits-Manager.

Für die Erstellung der Gewinn- und Verlustrechnung hat Puma – unterstützt durch Experten der Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) und Trucost – Anfang des Jahres in einem ersten Schritt die Treibhausgas-Emissionen und den Wasserverbrauch entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst und finanziell bewertet. Die daraus resultierenden Auswirkungen wurden mit 94 Mio. € beziffert.

Puma: Umweltkosten betragen zwei Drittel des Konzerngewinns

Anschließend hat das Team die ökologischen Folgen von Landnutzungsänderungen, die aus der Produktion von Rohstoffen resultieren, der Luftverschmutzung und des Abfalls entlang der gesamten Wertschöpfungskette unter die Lupe genommen. Diese Umwelteffekte wurden mit 51 Mio. € bewertet, so dass sich in der Gesamtbilanz eine Summe von 145 Mio. € ergibt.

Würde man die entstandenen Umweltkosten dem im Geschäftsjahr 2010 ausgewiesenen Konzerngewinn von 202 Mio. € gegenüberstellen, würden diese theoretisch fast drei Viertel des Gewinns verschlingen. „Unsere ökologische Gewinn- und Verlustrechnung macht deutlich, welchen hohen Wert die natürlichen Ressourcen besitzen, die wir für selbstverständlich erachten“, sagte Jochen Zeitz, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Puma und Chief Sustainability Officer von PPR, bei der Präsentation der Zahlen in München. Sie zeigten gleichzeitig, dass die derzeitigen Geschäftspraktiken von Unternehmen dringend eines Paradigmenwechsels bedürften.

Nachhaltigkeit braucht das Engagement der ganzen Branche

Allerdings könne hier ein einzelnes Unternehmen nur wenig bewirken. „Wir sind auf die Unterstützung durch politische Entscheidungsträger und das Engagement der gesamten Branche angewiesen, um ein neues Geschäftsmodell zu etablieren, das nicht gegen, sondern im Einklang mit der Natur arbeitet und gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachhaltigkeit letztlich möglich macht“, so der PPR-Manager. Bei Puma seien lediglich 8 Mio. € der Umweltkosten dem Kerngeschäft zuzurechnen. Das heißt den Büros, Lager, Stores und Logistik. Die übrigen 137 Mio. € entfielen auf die Beschaffungskette. Hier müssten alle Akteure der Branche Verantwortung übernehmen. „Nur so können Umweltauswirkungen in den Fabriken externer Zulieferer sowie bei den Rohstoffproduzenten reduziert werden.“

Für PPR war die ökologische Gewinn- und Verlustrechnung bei Puma erst ein erster Schritt zu einem umweltverträglicheren Unternehmen. Bis 2015 wollen die Franzosen die Umweltbilanz konzernweit einführen für alle Luxus- und Sportlifestyle-Marken, wie z. B. Gucci, Stella McCartney, Yves Saint Laurent, Balenciaga, Alexander McQueen, Bottega Venetta oder Volcom.

Ein Beitrag von:

  • Hans Schürmann

    Hans Schürmann war Technik- und Wirtschaftsredakteur beim Handelsblatt und schreibt unter anderem über Finanzen, Immobilienthemen und Maschinenbau.

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