Elektroautos 11.09.2013, 14:05 Uhr

Pariser Car-Sharing-Unternehmen wirft BMW Industriespionage vor

Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein: Ausgerechnet unmittelbar vor der Eröffnung der weltweit wichtigsten Automesse IAA in Frankfurt wirft ein französisches Unternehmen BMW Industriespionage vor. Der deutsche Autobauer soll sich unberechtigt Informationen zu den Ladestationen des in Paris betriebenen Carsharing-Systems Autolib besorgt haben. 

Autolib in Paris gilt weltweit als Vorzeigeprojekt für Elektromobilität. 

Autolib in Paris gilt weltweit als Vorzeigeprojekt für Elektromobilität. 

Foto: dpa

Autolib setzt beim Carsharing auf Elektroautos. Und BMW will im November 2013 sein erstes Elektroauto „i3“ auf den Markt bringen. Mitarbeiter der für den Autobauer tätigen Aachener Beratungs- und Ingenieurgesellschaft P3 sollen sich Ende August auf unzulässige Weise Infomrationen zum Datenverarbeitungssystem an den Ladestationen für Elektroautos in Paris verschafft haben. Sie hätten nur die Kompatibilität der Ladestationen mit verschiedenen Elektroautos testen wollen, verteidigen sich diese gegenüber den Vorwürfen. Das Unternehmen führe die sogenannten Ladeabsicherungstests im Auftrag verschiedener Automobilhersteller für Elektrofahrzeuge in Europa, China und den USA durch.

Justiz eingeschaltet

Der französische Konzern und Autolib-Betreiber Bolloré schaltete die Justiz ein, die wie jetzt bekannt wurde, am Donnerstag in Paris vorübergehend zwei Männer von P3 für 24 Stunden in Polizeigewahrsam nahm.

Unternehmenschef Vincent Bolloré erstattete Anzeige gegen die Mitarbeiter der Aachener Beratungs- und Ingenieurgesellschaft P3 Group, die für den Automobilkonzern BMW arbeitet. Er  wirft den Männern vor, das betriebseigene System von Ladestationen für seine „Blue Cars“ in Paris ausspioniert zu haben. Die deutschen Unternehmen weisen die Vorwürfe entschieden zurück. BMW bestätigte lediglich, P3 mit „Routinetests“ beauftragt zu haben, bei denen es um die Kompatibiliät der Stationen mit dem neuen i3 gegangen wäre.

In der französischen Hauptstadt gibt es seit etwa zwei Jahren das „Autolib“ genannte öffentliche Verleihsystem für Autos, das von der französischen Firma Bolloré erfolgreich betrieben wird. An verschiedenen Verleihstationen in der ganzen Stadt können sich Abonnenten unkompliziert ein Elektroauto, auch Blue Car genannt, ausleihen und an jeder beliebigen Verleihstation wieder zurückgeben. Insgesamt stehen 1800 Fahrzeuge zur Verfügung. Der französische Konzern Bolloré stellte Autolib auf die Beine, nachdem der im Jahr 2007 eingeführte Fahrrad-Verleih „Velib’“ zu einem großen Erfolg wurde.

P3 reagierte nicht auf Schreiben

Am 21. August diesen Jahres begann das Desaster, als mit Laptops und Messgeräten ausgestattete unbekannte Techniker dabei beobachtet wurden, wie sie sich an den Ladestationen der Elektroautos zu schaffen machten. Und dies nicht nur einmal. Mehrmals im August wurden die Männer auch an anderen Stellen gesehen, anscheinend ohne Genehmigung und erteilten Auftrag. Nach Angaben der Bolloré-Gruppe gab einer der Männer ganz offen zu, für BMW zu arbeiten, bevor er verschwand. Nachdem Bolloré auf seine Schreiben an P3 keine Reaktion erhielt, schaltete das Unternehmen den Inlands-Geheimdienst DCRI und eine französische Behörde ein, woraufhin Anfang September zwei Männer von P3 verhaftet wurden und Bolloré Anzeige wegen Industriespionage erstattete.

Welche Daten genau im Visier der Techniker waren, sei unklar, erklärte Autolib-Sprecher Jules Varin. Klar ist aber, dass Bolloré eindeutig über einen Technologievorsprung beispielsweise bei den Batterien der Elektroautos verfügt. Eigenständig entwickelt stellt Bolloré die Batterien auch her. Bis  Ende 2013 sollen im Großraum von Paris 6600 Ladestationen für 3000 Bluecars verfügbar zu machen. Diese sollen eine Reichweite von 250 Kilometern haben.

BMW entschuldigt sich offiziell bei Bolloré

Serge Naudin, Präsident für BMW in Frankreich, entschuldigte sich höflichkeitshalber bei Vincent Bolloré für das Vorgehen in Paris, wies aber die Spionage-Vorwürfe zurück. „P3 behält sich rechtliche Schritte vor“, heißt es aus Aachen. Der Streit ist also in vollem Gange. Während BMW darauf hinweist, dass die kurzfristig verhafteten P3-Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt nicht für BMW unterwegs waren, gibt es Gerüchte, die Techniker seien für Volkswagen im Einsatz gewesen.

Hätte BMW die Informationen direkt bei Autolib erfragt oder wäre vorher um Erlaubnis für einen Kompatibilitätstest bei Bolloré nachgefragt worden, hätte dieser hochgekochte Streit womöglich vermieden werden können. Auf die Frage, warum das Aufladen nicht einfach mit dem eigenen Elektroauto getestet wurde, antwortete BMW Frankreich bislang lapidar, man habe „kein Auto zur Verfügung gehabt“.

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