Beratung 15.12.2000, 17:27 Uhr

Ohne Begeisterung kein Unternehmenserfolg

Das Begeisterungspotenzial von Unternehmensstrategien wird immer mehr zu einem entscheidenden Faktor im Wettbewerb. Carsten Frigge, Chef der Unternehmensberatung C4 Consulting in Düsseldorf, erläutert, wie die Wirtschaft von der Politik lernen kann, für ihre Strategien zu begeistern.

Märkte verändern sich immer schneller und tief greifender. Industrielle Wertschöpfungsketten werden neu geordnet. Innovationsrhythmen verkürzen sich. Firmen werden nicht mehr verstanden als mechanisches Konstrukt unabhängiger Teile, sondern als System von erheblicher Komplexität, das aus zahlreichen einander wechselseitig beeinflussenden Komponenten besteht.
Die Beziehungen dieser Komponenten spielen für den Unternehmenserfolg eine wesentliche Rolle. Erst durch ein gleichgerichtetes Zusammenwirken aller Beteiligten, also Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, etc., wird der Unternehmenserfolg möglich.
Gleichzeitig fegen dynamische Start-ups den Arbeitsmarkt für qualifizierte Mitarbeiter leer. Exzellente Gehälter, weit überdurchschnittliche soziale Leistungen, ein modernes Betriebsklima und unternehmerische Möglichkeiten werden immer mehr zu Basiserwartungen von potenziellen Mitarbeitern.
Vor diesem Hintergrund sind mehr denn je unternehmerische Flexibilität und orientierungsgebende Strategien gefragt. Es reicht heute nicht mehr aus, Strategien ausschließlich am Wettbewerb, an Renditeerwartungen und an Marktpotenzialen auszurichten. Entscheidend für Erfolg und Misserfolg von neuen Strategien ist heute vielmehr die Frage: Können sie begeistern? Finden sie bei den eigenen Mitarbeitern und auf dem Personalbeschaffungsmarkt, bei Kunden, Lieferanten und Meinungsbildnern Zustimmung? Die Formel lautet: Ohne Begeisterung kein Unternehmenserfolg.
Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang natürlich auch der Kapitalmarkt. So verkündete beispielsweise Heinrich von Pierer kürzlich, dass Siemens zu einem E-Unternehmen konvertieren werde. Am nächsten Tag stieg der Kurs der Siemens-Aktie um über 3%. Ganz offensichtlich war es Siemens gelungen, ein Stück jener Begeisterung am Kapitalmarkt zu wecken, die für die Einschätzung des Zukunftspotenzials der Aktie entscheidend ist.
Kein Unternehmen kann heute noch Strategien realisieren, die weder die Mitarbeiter noch die Märkte teilen. Die Reibungsverluste, die entstehen, um grundlegende Widerstände zu überwinden, sind einfach zu groß. Die Begeisterung als Strategiekomponente birgt dagegen ein echtes Differenzierungspotenzial, das bislang nur sehr wenige Unternehmen erkannt haben und gezielt nutzen.
Nur nur wer Fantasien weckt und Begeisterung auslöst, kann heute die für den Erfolg einer Strategie notwendigen Mehrheiten erlangen – das gilt für die Politik genauso wie für die Wirtschaft. Nur, dass es sich bei der Wirtschaft eben nicht um Wähler im eigentlichen Sinne, sondern um Investoren, Analysten, Journalisten, Kunden oder Mitarbeiter handelt.
So stellt zum Beispiel für die derzeitigen und zukünftigen Mitarbeiter der Siemens AG die Transformation zum E-Unternehmen eine attraktive Perspektive dar, da ihr Arbeitgeber – sonst eher als „grauer Planet“ wahrgenommen – auf diese Weise zum „State-of-the-Art“-Arbeitgeber wird.
Oft heißt es, die Politik könne viel von der Wirtschaft lernen. Das ist in vielen Fällen natürlich richtig. Doch umgekehrt gilt der Satz in gleicher Weise.
Was die Wirtschaft von der Politik lernen kann, zeigen unter anderem die US-amerikanischen Wahlkämpfe. So gewann Ronald Reagan 1980 den Wahlkampf gegen den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter auch deshalb, weil es ihm gelang, die Menschen zu begeistern. Reagan transportierte glaubhaft das Bild eines starken, selbstbewussten Amerikas und traf damit die Wünsche und Bedürfnisse der amerikanischen Bürger zu jener Zeit. Er verkörperte die Vision einer stolzen Nation: „The Democrats say that the United States has had its days in the sun, that our nation has passed its zenith. My fellow citizens, I utterly reject that view“.
Auf Basis dieser Positionierung schaffte es Ronald Reagan nicht nur, den Wahlkampf zu gewinnen, sondern auch sein weit reichendes und einschneidendes Wirtschaftsprogramm mit einer Zweidrittelmehrheit im Kongress durchzusetzen.
Durch seine Begeisterungskraft und in Übereinstimmung mit den Überzeugungen einer Mehrheit der amerikanischen Wähler gelang es ihm, auch die eigenen Gegner – in diesem Fall die Demokraten im Kongress – zu begeistern und zu überzeugen.
Dafür, dass die inhaltlichen Positionen der Kandidaten gemäß den Erfordernissen der modernen Kommunikationsgesellschaft umgesetzt werden, sorgen im US-amerikanischen Wahlkampf sogenannte Spin-Doctors. Sie geben der Wahlkampfstrategie den richtigen emotionalen „Spin“ (Dreh), damit der Kandidat mit seinen Aussagen neben dem Verstand auch das Herz der Wähler berührt.
Während Spin-Doctors im politischen Wettbewerb wissen, was Menschen mitreißt, herrscht bei vielen Unternehmen in Sachen Strategiefindung emotionale Eiszeit. Aber letztlich entscheidet heute das Begeisterungspotenzial über Erfolg und Misserfolg einer Strategie und damit des Unternehmens.
Aufgabe einer Strategieberatung ist es deshalb heutzutage, neben den klassischen harten Strategie-Faktoren zu prüfen, ob Management und Mitarbeiter überhaupt für die neue Strategie gewonnen werden können. Denn ohne eine engagierte Unterstützung aus den eigenen Reihen kann keine Strategie schnell und nachhaltig umgesetzt werden. Das gleiche trifft auch auf die externen Zielgruppen zu. Denn natürlich muss auch der Markt die neue Strategie annehmen.
Dem Consultant kommt in dieser Situation die Rolle eines Spin-Doctors für Unternehmensstrategien zu. Er muss gemeinsam mit dem Top-Management eine Strategie entwickeln, die innerhalb und außerhalb des Unternehmens mehrheitsfähig ist. Damit wird er zum Mehrheitsfinder für Unternehmen im Umbruch. Dazu benötigt er ebenso strategische wie kommunikative Kompetenz. Er muss die Hard Facts und die Soft Facts innerhalb des Unternehmens und in der Unternehmensumwelt, bei allen relevanten Bezugsgruppen, genau analysieren und beurteilen können.
Bei der Ermittlung des Begeisterungspotenzials für eine neue Strategie gibt es allerdings keine Standardmethode. Das Vorgehen muss immer an den individuellen Anforderungen der jeweiligen Unternehmenssituation ausgerichtet werden. Wichtig ist jedoch immer, dass alle relevanten internen und externen Bezugsgruppen des Unternehmens genau untersucht werden, um die Unterschiede in der Resonanz auf die verschiedenen Strategieoptionen zu ermitteln. Nur so kann die Basis geschaffen werden, mögliche Hemmnisse im Rahmen einer Win-Win-Situation zu überwinden.
Denn was Abraham Lincoln bezogen auf die allgemeine Öffentlichkeit gesagt hat, gilt auch für die relevante Öffentlichkeit von Unternehmen: „In Übereinstimmung mit der Öffentlichkeit kann nichts fehlgehen, ohne diese nichts erfolgreich sein“. CARSTEN FRIGGE

Von Carsten Frigge
Von Carsten Frigge

Stellenangebote im Bereich Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement

TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau-Firmenlogo
Abfallwirtschaft GmbH Halle-Lochau Ingenieurtechnischen Projektmanager (m/w/d) in der Abteilung Umwelt- und Sicherheitscontrolling Schkopau
Zurich Gruppe Deutschland-Firmenlogo
Zurich Gruppe Deutschland Risk Engineer (m/w/d) Haftpflicht für unsere Industriekunden Frankfurt am Main
SCHOTTERWERK GMBH-Firmenlogo
SCHOTTERWERK GMBH Qualitätsmanager (m/w/d) Freiburg im Breisgau
STD GmbH & Co. KG-Firmenlogo
STD GmbH & Co. KG Sachverständiger (m/w/d) für Druckbehälter nach BetrSichV Leonberg
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
Immobilien Management Essen GmbH (IME) Projektleitung (m/w/d) Innovations- und Qualitätssicherung TGA Essen
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH Testingenieur / Engineeringconsultant (m/w/d) Systemintegration Car Infotainment, Fahrerassistenz und Telematik Systeme München
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH-Firmenlogo
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH Prüfstellenleitung / Laborleitung (w/m/d) Remscheid
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH-Firmenlogo
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH Prüfstellenleitung / Laborleitung (w/m/d) Remscheid
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG-Firmenlogo
TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG Sachverständiger*Sachverständige für Anlagensicherung und IT-Security im Bereich Energieinfrastruktursysteme Hamburg, Hannover

Alle Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement Jobs

Top 5 Unternehme…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.