3000 Stellen weg? 11.03.2016, 10:50 Uhr

Noch bei Sinnen? VW spielte trotz Ermittlungen Schummel-Update auf

Man mag es nicht glauben: Während die US-Behörden schon gegen VW ermittelten, haben die VW-Ingenieure ihre Schummelsoftware in den USA upgedatet und damit noch besser gemacht. VW will zu entsprechenden Medienberichten nichts sagen. Zugleich droht in Folge des Skandals der Abbau von 3000 Stellen in der Verwaltung.

Im Januar 2015 freute sich der damalige Chef der amerikanischen VW-Tochter, Michael Horn, über den Titel "Car of the Year" für den VW Golf. Zur gleichen Zeit wurde die Schummelsoftware per Update noch verbessert. Wusste Horn davon nichts? Am Mittwoch trat Horn aus noch unbekannten Gründen zurück. 

Im Januar 2015 freute sich der damalige Chef der amerikanischen VW-Tochter, Michael Horn, über den Titel "Car of the Year" für den VW Golf. Zur gleichen Zeit wurde die Schummelsoftware per Update noch verbessert. Wusste Horn davon nichts? Am Mittwoch trat Horn aus noch unbekannten Gründen zurück. 

Foto: Volkswagen

Die Manipulateure müssen sich sehr sicher gefühlt haben. Dann jedenfalls, wenn die Berichte des Rechercheverbundes von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung stimmen. Demnach haben Techniker noch Anfang 2015 die Software verfeinert, die den Betrug mit Abgaswerten bei Diesel-Pkw ermöglichte. Und das, obwohl seinerzeit im Unternehmen längst bekannt war, dass die US-Behörden wegen des Betrugsverdachts ermittelten.

Seit Mai 2014 waren die US-Ermittler den VW-Ingenieuren auf der Spur. In dieser Situation die Schummelsoftware noch einmal zu optimieren und sie in den US-Werkstätten aufzuspielen, ist schon dreist. Wohlgemerkt: Wenn die Berichte stimmen. Und im Nachhinein wirft das die Frage auf, ob der damalige US-Chef Michael Horn davon wusste. Horn ist am Mittwoch aus unbekannten Gründen zurückgetreten.

Nach Update wurden Lenkbewegungen erkannt

Die Schummelsoftware, die VW in rund 500.000 Autos in den USA eingesetzt hat, sorgte bekanntlich dafür, dass die Motoren auf Prüfständen sauber liefen. Dadurch hielten sie auf dem Prüfstand die strengen US-Grenzwerte ein, während sie auf der Straße dann in einen weniger umweltfreundlichen, aber dafür spritsparenden Modus umschalteten. Das funktionierte auch gut, nur hat die Software wohl bisweilen auch im normalen Straßenverkehr auf Prüfstand-Modus umgeschaltet.

US-Version des VW Passat vor der Skyline von New York: Als Folge des Diesel-Skandals könnten jetzt 3000 Stellen in der Verwaltung des VW-Konzerns wegfallen.

US-Version des VW Passat vor der Skyline von New York: Als Folge des Diesel-Skandals könnten jetzt 3000 Stellen in der Verwaltung des VW-Konzerns wegfallen.

Quelle: Volkswagen

Um diese Fehler zu verhindern, bauten die VW-Techniker dem Bericht zufolge ein Programm ein, das Lenkbewegungen im Fahrzeug erkannte. Logische Folge: Wenn gelenkt wird, ist das Auto auf der Straße, nicht auf der Rolle. „Im Rahmen des Updates wurde die Software so verfeinert, dass sie noch genauer erkennen kann, ob sie in einer Prüfsituation ist oder nicht“, sagte Thorsten Holz, Professor für Systemsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum. Ihm und anderen Experten hatte der Medienverbund die Software zur Prüfung vorgelegt.

Personalabbauvon 3000 Stellen: zusätzlich oder nicht?

Im Frühjahr 2015 ließ die US-Behörde CARB dann weitere Tests durchführen. Und dabei fiel eben auf, dass die Fahrzeuge sich abhängig von Geschwindigkeit, Fahrzeit und eben auch Lenkradbewegung unterschiedlich verhielten. Die Weiterentwicklung der Software könnte also dazu beigetragen haben, dass die Prüfer die eigentliche Schummeltechnik entdeckten.

VW selbst will den Bericht naturgemäß nicht kommentieren, weil er laufende staatsanwaltschaftliche Ermittlungen berührt. Ohnehin hat die PR-Abteilung der Wolfsburger ja dieser Tage reichlich zu tun. Nicht zuletzt wird sie nun auch noch gefragt, ob es stimmt, dass infolge des Skandals 3000 Stellen in der Verwaltung gestrichen werden, wie dpa berichtet. Dazu verweist man in Wolfsburg aber nur auf laufende Strukturprogramme, die auch die Nicht-Wieder-Besetzung frei werdender Stellen beinhalteten.

Hier lesen Sie den Dieselskandal im Nachrichtenticker.

 

Von Werner Grosch

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