Spitzentreffen in Leipzig 15.10.2015, 14:44 Uhr

KBA zwingt VW zum Rückruf von 2,4 Millionen Autos

Jetzt ist es wirklich amtlich: VW muss in Deutschland 2,4 Millionen Fahrzeuge in die Werkstatt schicken, die vom Abgas-Skandal betroffen sind. Das hat das Kraftfahrt-Bundesamt angeordnet. 

Ein New Beetle Cabrio (l) und ein Golf VII in der Autostadt von VW in Wolfsburg: 2,4 Millionen Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat muss der VW-Konzern offiziell in die Werkstätten zurückrufen. Das hat jetzt das Kraftfahrt-Bundesamt angeordnet.

Ein New Beetle Cabrio (l) und ein Golf VII in der Autostadt von VW in Wolfsburg: 2,4 Millionen Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat muss der VW-Konzern offiziell in die Werkstätten zurückrufen. Das hat jetzt das Kraftfahrt-Bundesamt angeordnet.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Sollen sich Autobesitzer in Deutschland freiwillig entscheiden dürfen, ob sie mit ihrem manipulierten VW-Fahrzeug zur Umrüstung in die Werkstatt fahren – so, wie es VW vorgeschlagen hat? Nein! Laut Bild-Zeitung lässt sich das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) aus Flensburg nicht auf eine freiwillige Aktion des Konzerns ein.

„Wir ordnen den Rückruf an“, sagte ein KBA-Sprecher am Donnerstag. Weiter kündigte er an: „Wir werden den Rückruf überwachen.“ Zu Details der Aktion will sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt heute noch äußern. Dann soll auch klar werden, warum von 2,4 Millionen betroffenen Autos die Rede ist –und nicht mehr von den ursprünglich genannten 2,8 Millionen.

Umwelthilfe hatte mit Klage gedroht 

Die amtliche Anordnung des KBA dürfte die Deutsche Umwelthilfe besänftigen. Sie hat der Behörde im Fall eines freiwilligen Rückrufs nämlich mit Klage gedroht. „Es muss amtlich sichergestellt werden, dass alle Fahrzeuge umgerüstet werden“, sagte Anwalt Remo Klinger von der Berliner Kanzlei Geulen & Klinger. Eine freiwillige Aktion seitens VW sei rechtswidrig, da der Konzern nicht gewährleisten könne, dass wirklich alle Fahrzeuge zur Umrüstung in die Werkstatt fahren.

Rückruf startet im Januar 2016

Der Rückruf startet voraussichtlich im Januar 2016. Die Umrüstungen könnten sich bis Ende des Jahres ziehen. Grund dafür sind die verschiedenen Kombinationen des betroffenen Motors EA 189. Die Techniker müssen an tausenden Lösungen tüfteln. Während bei den 1,2-l-Autos eine Softwarelösung geplant ist, sind bei den 1,6-l-Motoren wahrscheinlich motortechnische Anpassungen notwendig – etwa neue Einspritzsysteme und Katalysatoren.

Handelsbehörde FTC ermittelt wegen irreführender Werbung

Auch in den USA erhöht sich der Druck auf VW: Die Handelsbehörde FTC, die dem Schutz der Konsumenten verpflichtet ist, hat am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie sich Untersuchungen anderer Behörden angeschlossen habe. Die FTC ermittelt wegen irreführender Werbung.

Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ist mit einer freiwilligen Service-Aktion von VW zur Lösung des Diesel-Skandals nicht einverstanden. Die Behörde hat angeordnet, dass die betroffenen Autos offiziell zurückgerufen werden müssen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ist mit einer freiwilligen Service-Aktion von VW zur Lösung des Diesel-Skandals nicht einverstanden. Die Behörde hat angeordnet, dass die betroffenen Autos offiziell zurückgerufen werden müssen.

Foto: Carsten Rehder/dpa

VW hatte Kunden mit dem Ausblick auf geringeren Schadstoffausstoß von Diesel überzeugt, der in den USA teurer ist als Benzin. Strafzahlungen könnten sich also weiter erhöhen. Bislang droht VW eine Strafe der Umweltbehörde EPA in Höhe von 18 Milliarden $.

Müller schwört 400 Top-Manager auf neue Strategie ein

Derweil trommelte VW-Konzernchef Matthias Müller am Donnerstagvormittag 400 Top-Manager im Porsche-Werk in Leipzig zusammen, um sie auf den Kampf gegen die Folgen des Skandals einzuschwören. Müller informierte dort laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung über anstehende Rückrufe, verschärfte Sparziele und Folgen der laufenden Ermittlungen.

Im VW-Werk im hessischen Baunatal muss beispielsweise der Werkleiter einen Zwangsurlaub antreten. Konzernkreise sagten der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen, dass dieser Schritt noch nicht zwangsläufig mit belastenden Indizien zusammenhängt, sondern mit der bloßen Funktion der Person. Generell gilt für alle bisher beurlaubten VW-Manager die Unschuldsvermutung. 

Hier lesen Sie alles zum VW-Skandal im Nachrichten-Ticker.

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