Industrie 02.02.2007, 19:26 Uhr

Junge Triebe in der ostdeutschen Industriebrache  

VDI nachrichten, Eberswalde, 2. 2. 07, moc – Bis zur Wende lebte das Städtchen Eberswalde von seiner starken Metallindustrie. Dann kam der Absturz. Doch in der vermeintlichen Industriebrache haben sich zuversichtliche Unternehmer mit modernen Maschinenparks eingenistet.

Der erste Eindruck: Wo ist der Verkehr? Auf der Bundesstraße 167 hinterm Bahnhof Eberswalde ist trotz Stoßzeit kaum etwas los. Der Bahnhof selbst wirkt verwaist. Die einstige Industriestadt ruht.

Vom Bahnhof sind es nur ein paar Schritte zur ehemaligen „Königlichen Hauptwerkstatt zur Ausbesserung von Lokomotiven und Wagen“, heute das DB-Werk Eberswalde. Mit 450 Beschäftigten ist das DB-Werk heute größter Arbeitgeber der Stadt. Vor der Wende arbeiteten hier 1200 Leute.

Ähnlich ist die Vorgeschichte vieler Werke am Ort. Im nahen Walzwerk waren es 2500 Mitarbeiter, von denen 210 übrig sind. Im Eberswalder Kranbau, der nördlich der Stadt am Oder-Havel-Kanal liegt, waren es einmal 3400, heute sind es noch 180.

Doch in den zusammengebrochenen Kombinaten sprießt neues Leben.

„Das hatten wir noch nie“, freut sich der Geschäftsführer der Finow GmbH, Thomas Compart. Das Unternehmen hat sich auf Rohrleitungsbau spezialisiert.

Die Hochdruck-Rohrleitungen des Unternehmens sind im weltweit boomenden Kraftwerksbau gefragt. „Für 2007 sind die Kapazitäten schon jetzt zu Dreiviertel ausgelastet, so Compart, „dabei laufen die Investitionen der Energieversorger in Deutschland erst an.“

Compart hat die Zukunft fest im Blick. Im Vorbeigehen begrüßt er in fließendem Polnisch eine Kundendelegation, erklärt einem Mitarbeiter, wo ein gesuchtes Schreiben liegt und läuft dann zur Fertigung. Denn dort steht sie: die neue Rohrbiegeanlage – grün, groß wie ein Mähdrescher. Sie biegt Stahlrohre von bis zu 10 cm Wandstärke.

Obwohl er gerade ein Stahlrohr von 60 cm Durchmesser biegt, gibt der 4 Mio. €-Gigant kaum ein Geräusch von sich. Er macht den Stahl durch Hitze gefügig, an der Biegestelle glüht das Rohr, während es zentimeterweise durch die massive Manschette geschoben wird. Hinter der Manschette biegt die Anlage das Rohr in den programmierten Radius.

Eine Halle weiter baut eine Handvoll Schweißer am zweiten Standbein des Unternehmens, einem Dampfkessel. Das Stück von gut 5 m Durchmesser soll künftig bei einem Kosmetikhersteller feine Öle aus Pflanzen destillieren.

Trotz aller Zuversicht plagen Compart aber auch Sorgen. So gut wie es derzeit läuft, wird er neue Mitarbeiter einstellen müssen. Doch das ist nicht einfach. Compart ist zurückhaltend, doch es wird deutlich, dass er unter den Arbeitslosen von Eberswalde kaum ein ernst zu nehmendes Potenzial für Neueinstellungen sieht. Selbst Lehrlinge zu finden, ist schwierig, so der Unternehmer. „Viele Schüler kommen mit so großen Lücken aus der Schule, dass sie für die Unternehmen schlicht untragbar sind.“

Dennoch sind Menschen mit Energie in Eberswalde nicht zu bremsen. So wie Ralf Kupper, der sich auf einer Industriebrache am Oder-Havel-Kanal niedergelassen hat. Seine Multi-Cut GmbH ist auf Wasserstrahlschneiden spezialisiert. Stolz präsentiert er die beiden Prunkstücke seiner jungen Firma: Zwei Anlagen, die mit Wasser Metalle, Glas, Keramik oder Schaumstoffe schneiden. „Mit einem Druck von 4000 bar und einer Geschwindigkeit von 900 m pro Sekunde schießt das Wasser auf die Werkstücke – doppelt so schnell wie der Schall“, ruft er im Lärm der Halle. Beigemischter Sand hilft dem harten Strahl, selbst 10 cm starken Stahl präzise zu schneiden.

Kupper hat vor drei Jahren gleich eine 3D- und eine 2D-Anlage angeschafft. Mittlerweile nennt er auch eine moderne Plasmaschneidanlage sein eigen. Als der frühere Siemens Obermeister sein Unternehmen gründete, sah es düster aus. Zwar überzeugte sein Businessplan eine Bank, sodass er 1,4 Mio. € in Anlagen und in den Umbau des stillgelegten Betonwerks investieren konnte. Doch erste Aufträge platzten, die Bank wurde nervös. Kupper besann sich auf seine Schweißkünste und holte einen Auftrag von Siemens rein. Von da an ging es bergauf. Kupper hat inzwischen weitere 5 Mio. € in ein zweites Unternehmen investiert und kann jetzt die ganze Kette vom (Wasser-)Zuschnitt bis zur mechanischen Nachbearbeitung anbieten. Sein Betrieb beschäftigt heute 15 Mitarbeiter.

Siegfried Hanke ist aus ähnlichem Holz geschnitzt. Er hat eine moderne Alu-Gießerei aufgebaut und beliefert mit überzeugendem Engineering und einer 0-Fehlerproduktion Autohersteller wie Toyota und Renault.

Oder Markus Schulze und seine Schwester Ina Heymann, die den elterlichen Betrieb aus einem Westberliner Hinterhof nach Eberswalde verlegten und in ihrer „Schulze Präzisionsteile-Fabrik“ heute 50 Mitarbeiter beschäftigen. An modernsten Anlagen bearbeiten sie Guss- und Schmiedeteile für den Maschinen- und Automobilbau.

Automobilbau ist so auch der große Hoffnungsträger der Region. Einer, der in Eberswalde ganz vorn mitspielt, ist Patrick von Hertzberg, Geschäftsführender Gesellschafter der Finow Automotive GmbH. Im Herbst letzten Jahres hat er auch noch das Walzwerk gekauft. Weitere 45 Mio. € will von Hertzberg investieren und zudem noch die Belegschaft aufstocken. Schon optisch hebt sich das gepflegte Gelände von Finow Automotive von der Industriebrache ringsum ab.

Auch in den Fertigungshallen ist alles vom Feinsten, es wimmelt von Fertigungsrobotern. Einer wirbelt einen künftigen Längsträger für einen Land Rover durch die Luft. Noch ist es nur ein etwa 5 m langes Stahlrohr. Doch schon ein Paar Arbeitsschritte weiter ist es als Längsträger zu erkennen, umgeformt in einer gigantischen Hydroform-Presse.

„Wir beziehen bereits einen Teil der Rohre, die wir verarbeiten, von unserem eigenen Walzwerk“, erklärt der kaufmännische Leiter von Finow Automotive, Hagen Hänelt. Künftig werden es noch mehr Rohre werden, um Logistikkosten zu senken und über gemeinsames Engineering effizientere Fertigungsketten zu schaffen. Ziel, brüllt Hänelt gegen den Fabriklärm an, sei es, statt Einzelteilen für größere Zulieferer künftig Baugruppen für Erstausrüster zu produzieren. Laut Hänel hat allein die Hydroform-Strecke 25 Mio. € gekostet. „Sie ist“, so Hänel stolz, „die größte ihrer Art in Europa.“

In einer zweiten Halle bauen Techniker gerade eine weitere millionenschwere Bearbeitungsstrecke auf. Hier werden Teile für Zulieferer von Audi und Ford gefertigt.

Wie viele Betriebsstätten in Eberswalde wirken die Hallen von Finow Automotive überdimensioniert. Aber das lässt Hänelt kalt. Auf einem Blatt Papier skizziert er, wie Brandenburg inmitten neuer Autowerke liegt – ob in Polen, in Tschechien, in Dresden oder Leipzig. Auch Wolfsburg ist nicht weit.

Auf ihre zentrale Lage und den Automobilmarkt setzen so gut wie alle Unternehmer der Region. „Der Automobilmarkt, das ist unsere große Chance. Wenn der weiter läuft wie bisher, dann geht es aufwärts mit Eberswalde.“ PETER TRECHOW

Von Peter Trechow

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