Immobilienkonzern vor Insolvenz 31.07.2013, 11:38 Uhr

IVG-Gläubiger verweigern Schuldenschnitt

Der Immobilienkonzern IVG, Inhaber spektakulärer Bauwerke wie dem Squaire am Frankfurter Flughafen, steht vor der Pleite. Drei Gläubigergruppen konnten sich nicht auf einen freiwilligen Schuldenschnitt einigen.

Der Bau des Geschäfts- und Bürogebäudes „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen brachte den Immobilienkonzern IVG in finanzielle Schieflage

Der Bau des Geschäfts- und Bürogebäudes „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen brachte den Immobilienkonzern IVG in finanzielle Schieflage

Foto: IVG, Christian Gahl

Stichtag war der 30. Juli 2013: Bis dahin hätten sich die in Komitees zusammengeschlossenen Gläubiger des Immobilienkonzerns IVG auf ein „gemeinsames, konsensuales Konzept zur Restrukturierung“ einigen sollen. Dies wäre dann den Aktionären der Gesellschaft in der Hauptversammlung am 12. September zur Abstimmung vorgelegt worden.

Aus der geplanten Abstimmung werde jetzt nichts werden, meldet die IVG. Der Vorstand überprüfe nun die „positive Fortbestehungsprognose für die Muttergesellschaft“. Allerdings rechne der Konzern nicht mit Auswirkungen auf seine operativen Geschäftseinheiten. Die Gesellschaft werde nun zeitnah über weitere Schritte und „Handlungsnotwendigkeiten“ berichten.

IVG-Aktie stürzt um 42 Prozent ab

Eine Senkung der Schulden um rund 40 Prozent wäre notwendig gewesen, um der IVG das Überleben zu ermöglichen. Bei Schulden von mehr als vier Milliarden Euro wäre ein Schnitt von bis zu 1,75 Milliarden notwendig. Außerdem erwarte den Konzern ab Oktober 2013 ein „gegebenenfalls bestandsgefährdeten Liquiditätsbedarf von bis zu 120 Millionen Euro“, teilte die IVG mit. Bei einer Insolvenz würden aller Voraussicht nach die Letzten in der Gläubigerkette – die Besitzer der nachrangigen Hybridanleihen und die Aktionäre der Gesellschaft – leer ausgehen.

An der Börse lösten die Nachrichten einen Absturz des Aktienkurses um 42 Prozent aus. Die IVG-Aktie, die sich seit einem halben Jahr im kontinuierlichen Sinkflug befindet, steht heute bei 14,8 Cent und ist damit im Pennystock gelandet. Zu ihren Hochzeiten notierte die IVG-Aktie bei mehr als 30 Euro. Schon vor Monaten hatte die „Immobilien Zeitung“ über die „Dauer-Restrukturierung“ der IVG gespöttelt und den Konzernnamen mit „in Verlustzone gefangen“ übersetzt.

Die ehemals bundeseigene „Industrieverwaltungsgesellschaft“, die 1986 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde und 1993 vollprivatisiert wurde, kämpft um ihre Existenz. Das wird ebenfalls einen weiteren Stellenabbau im Konzern bedeuten. Von mehr als 800 Mitarbeitern 2006 sind inzwischen noch 540 übrig. Bis 2017 müsse die Zahl auf 400 sinken, meldete das Unternehmen.

Teure Großprojekte wie „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen

Seit etwa 15 Jahren hatte sich die IVG auf Büro- und Gewerbeimmobilien in Europa konzentriert und in der Finanzkrise keinen guten Riecher für lohnende Investments gehabt. Insbesondere der spektakuläre Geschäftskomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen, der mit Schulden finanziert wurde, hatte die hohen Erwartungen nie erfüllt.

2011 war der 660 Meter lange Prachtbau, der wie ein gelandetes Raumschiff wirkt, fertig geworden. Als Wunderwerk der Bautechnik war der Bau mit seinen neun Etagen und 140.000 Quadratmetern Raum für Büros, Hotels, Handel und Gaststätten gelobt worden. Die neue Topadresse hatte der IVG allerdings kräftig die Bilanz verhagelt. Der Bau war zwei Jahre später als geplant fertig geworden. Minderwertiger Stahl und fehlerhafte Rolltreppen aus China und eine Kostensteigerung von 660 Millionen auf über eine Milliarde Euro bedeuteten wirtschaftlich eine Katastrophe.

Zum Immobilienbesitz der IVG gehören auch Bauwerke wie das von Norman Forster geplante Bürohaus „Gurke“ in London, die Medienbrücke in München, der von den Architekten Gantes und Morisi entworfene Turm Edificio J in Mailand und das an ein riesiges Stadttor erinnernde Bürohaus Northgate in Brüssel.

Von Gudrun von Schoenebeck

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