Design 30.07.1999, 17:22 Uhr

Ingenieure und Designer als Team Spitze

Um den steigenden Qualitätsansprüchen und den immer komplexeren Anforderungen an die Produktgestaltung gerecht zu werden, müssen Techniker und Designer künftig stärker kooperieren. Unternehmen wie Braun realisieren dies seit Jahren.

Im Idealfall entwickeln Designer Zielvorstellungen für Konzepte und setzen sich mit Technik und Marketing auseinander. Sie klären, welche Realisierungschancen für ihre Ideen bestehen und planen gemeinsam das weitere Vorgehen. Sie beginnen jedes neue Projekt damit, sich gründlich über alles zu informieren, was in irgendeiner Hinsicht für das Design relevant sein könnte. Als „Gestaltungs-Ingenieure“ arbeiten sie besonders eng mit der Technik zusammen, um neue konstruktiv-gestalterische Lösungen zu finden. Das verkürzt nicht nur die Entwicklungszeiten, sondern spart auch Geld. Die Produkte sind außerdem benutzer- und anwendungsfreundlicher und von Anfang an auf Markttransparenz geprüft.
Zwischen Theorie und Praxis liegt allerdings häufig immer noch ein langer Weg. Im schlechtesten Fall stellt sich die Situation für einen Designer folgendermaßen dar: Die Entwicklung eines Produktes ist abgeschlossen, der Prototyp fast fertig alle haben ein etwas unsicheres Gefühl – jetzt kommt der Designer ins Spiel. Die Reaktion der bisher Beteiligten: Jeder verteidigt seine monatelange Arbeit und tut sich schwer, echte Zugeständnisse zu machen. Das Kompetenzgerangel beginnt. Und so endet das Ergebnis der Zusammenarbeit mit einem Designer in einem frustrierenden Kompromiß!
Rainer Schopp, Manager Product Design beim Fraunhofer IAO: „Das Fraunhofer-Institut betreibt die „echte“ interdisziplinäre Produktgestaltung – Technik, Design und Marketing – seit zehn Jahren. Und seit genauso langer Zeit höre ich von der Industrie, daß immer die gleichen Fehler gemacht werden: Designer werden viel zu spät eingebunden, erhalten außerdem ein schlechtes Briefing. Und dann wundert man sich über Reibungsverluste im Prozeß und Probleme in der Kommunikation. Die Unternehmen jedoch, die diese zeitgemäße Zusammenarbeit von Ingenieuren, Designern und auch Marketingspezialisten konsequent praktizieren, haben damit überaus gute Erfahrungen gemacht. Die Beteiligten lernen, miteinander zu kommunizieren, Ingenieure erkennen, daß Designer weit mehr können als eine Technik schön zu verpacken, und Designer lernen, als Dienstleister Mitverantwortung für das Gesamtprodukt zu übernehmen.“
Pionierarbeit auf dem Gebiet der interdisziplinären Produktgestaltung hat die Braun GmbH geleistet. Die Kooperation von Technik und Design ist bei Braun schon seit vielen Jahren wesentlicher Bestandteil kreativer Zusammenarbeit. Nicht nur im Design, sondern gleichermaßen in der Technik hat Braun mit seinen Produkten Maßstäbe gesetzt.
Ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit von Marketing, Technik, Engineering und Design ist der Fön „Professional Style“. Um die Wertigkeit dieses Haartrockners zu steigern, wurde eine Kombination von Hochglanz- mit Soft-Touch-Flächen angewandt. Normalerweise ein sehr aufwendiges Unterfangen, da beide Oberflächen in eigenen Werkzeugen gefertigt werden müssen. Statt zwei gäbe es drei Gehäuseteile, was wiederum zu einem höheren Verkaufspreis führen würde.
Designer und Techniker fanden eine Möglichkeit, die beiden Oberflächen in einem einzigen Spritzgußverfahren fertigen zu können. So entstand ein Haartrockner, der besser und doch preiswert ist.
Um die Wichtigkeit interdisziplinärer Arbeit zwischen Designern und Ingenieuren in den Vordergrund zu stellen, steht das neue Konzept des Braun-Preises 1999 auch unter dem Motto „Kooperation: Technik und Design“. Ein Ziel des diesjährigen Braun-Preises war es, mit dieser Themenvorgabe Denkanstöße zu geben, denn noch hat sich der Gedanke der Kooperation in der Praxis nicht etabliert.
Braun hat dieses Ziel erreicht: Mehr als 200 angehende Designer und Techniker aus aller Welt haben sich an dem mit insgesamt 80 000 DM dotierten Braun-Preis 1999 beteiligt. Die eingereichten Arbeiten kamen aus weltweit über 18 Nationen, und viele der eingereichten Modelle sind bereits das Ergebnis einer komplexen technischen und gestalterischen Teamarbeit unter dem Designernachwuchs.
Die Gewinnerin des ersten Preises, Anne Bergner, hierzu: „Designer und Ingenieure müssen sich als Team verstehen – seltsamerweiser ist dies noch nicht so selbstverständlich – und als Teil eines Gesamtprozesses. Das Ziel jedes einzelnen im Team muß klar sein: ein gutes Produkt. Ingenieuren muß kommuniziert werden, was Design leistet: die Schnittstelle zwischen Technik und Benutzer zu sein, und nicht nur Oberflächenbehübschung. “ Design solle möglichst früh im Produktentwicklungsprozeß einsetzen, um auch die konzeptionelle Kompetenz der Designer zu nutzen.
Bei seiner Premiere im Jahr 1968 war der Braun-Preis der erste internationale Design-Förderpreis der deutschen Industrie. Seither ist er zu einer weltweit heiß begehrten Auszeichnung geworden. Am 17. Juni 1999 wurden in Kronberg vier Produktkonzepte mit dem diesjährigen Braun-Preis ausgezeichnet, die eine ganz außergewöhnliche Verbindung von Technologie und Design hervorgebracht haben, sensibel abgestimmt auf die Bedürfnisse des Menschen.
Wie sich ein integrierter Designprozeß realisieren läßt, zeigt das Designbüro Eckart + Barski, Frankfurt. Wenn die Mitarbeiter dort von Produktgestaltung sprechen, dann meinen sie den gesamten Entwicklungsprozeß eines seriellen Produktes in gestalterischer, technischer und kommerzieller Hinsicht.
Für das bessere Verständnis eines integrierten Designprozesses zeigt Olaf Barski vereinfacht die beteiligten Bereiche eines mittelständischen Unternehmens auf: Entwicklung + Konstruktion, Service + Wartung, Design, Einkauf und Vertrieb. „Diese Abteilungen arbeiten in den meisten Unternehmen, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, sehr unterschiedlich zusammen – gelinde gesagt: sehr unabhängig und distanziert“, so Olaf Barski, „Natürlich liegt es in der Natur des Menschen, die eigenen Aufgaben als die wichtigsten anzusehen und nur wenig über den sogenannten Tellerrand zu schauen oder eine Tür zu öffnen, um zu sehen, was sich am Horizont abspielt. Hier jedoch sollte die Stärke eines Unternehmens liegen: im internen und externen Austausch, in der Kommunikation, in der gemeinsamen Entwicklung von Ideen“.
Die medizinischen Untersuchungsleuchten Hanaulux blue 30, 130, 90 – jede dieser Leuchten erhielt einen oder mehrere Design-Auszeichnungen des Industrie Forum Design Hannover – zeichnen sich beispielsweise alle durch das intensive und frühe Zusammenspiel von Technik und Design aus. Dies bedeutet, daß das vorläufige Briefing gleich zu Beginn der Produktentwicklung gemeinsam diskutiert und überarbeitet wurde, da das Designbüro in der Lage ist, alle Disziplinen an einen Tisch zu bringen und über die jeweiligen Bedürfnisse zu sprechen. Dadurch ist die vertrauensvolle – bisweilen aber auch sehr lebendige -Diskussion über ein neues Produkt von vornherein gewährleistet. Eckart + Barski sind der Auffassung, daß nur durch einen gemeinsamen Start, durch das frühe Einsetzen aller zur Verfügung stehenden Kompetenzen ein wirklich gutes und von den Kunden akzeptiertes Produkt entstehen kann.
Auch die AEG Lichttechnik GmbH legt großen Wert auf eine frühzeitige Zusammenarbeit. Heinrich Hagemann, Leiter Kommunikation: „Daß für ein Unternehmen, welches sich mit zeitgemäßer Lichttechnik beschäftigt, die Themen Design und Technik stark im Vordergrund stehen, liegt auf der Hand. Denn gutes Design dient nicht nur der Optik, sondern ist auch immer Ausdruck durchdachter Funktionalität. Unsere Ingenieure und Techniker arbeiten deshalb eng mit den jeweils hinzugezogenen bekannten Designern zusammen. Und zwar während des gesamten Prozesses: von der ersten Überlegung bis hin zur Fertigung“.
Der Erfolg gibt dem Unternehmen recht: Für die in den letzten Jahren entwickelten Leuchten erhielt die AEG Lichttechnik GmbH Auszeichnungen bei allen bedeutenden Design-Wettbewerben und steht auf der Rankingliste „Design – Hersteller 98/99“ ganz weit oben.
Um festlegen zu können, welche Leistungen und Ergebnisse zu welchem Zeitpunkt vorliegen müssen, hat die Black&Decker GmbH für all seine Projekte den „Milestone“-Prozeß eingeführt. Michael Stirm: „Als weltweit operierender Konzern können wir uns eine unzureichende Zusammenarbeit zwischen Designern und Ingenieuren nicht leisten.
Damit wir die Wünsche und Anforderungen des Kunden möglichst genau treffen, sind in diesem Prozeß mehrere Kundenbefragungen und user tests in verschiedenen Ländern vorgesehen, die sowohl die Designer als auch die Ingenieure zwingen, ausschließlich kundenorientiert vorzugehen. Die Zusammenarbeit zwischen Designern und Ingenieuren ist daher so eng, daß die Übergänge fließend sind und eigentlich heute auch die Berufsanforderungen etwas umformuliert werden müßten“.
ANGELA WIEGMANN
Robert J. Gies und Stephanie Ziegler haben mit dem Carving-Schlitten und einem Lawinen-Ortungssystem bewiesen, wie innovativ die Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und Designern sein kann. Beide Produkte wurden mit dem Braun-Preis ausgezeichnet.
Auch die medizinischen Lampen von Eckart + Barski, vom Industrie Forum Design Hannover ausgezeichnet, stehen für einen integrierten Designprozeß.

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