Erzrivalen begraben Kriegsbeil 16.07.2014, 15:35 Uhr

IBM und Apple machen künftig gemeinsame Sache

Es ist kaum zu glauben: Die einstigen Erzrivalen IBM und Apple arbeiten künftig zusammen. Sie haben eine Allianz gebildet. Apple bringt seine Endgeräte in diese Partnerschaft ein, IBM seine Angebote Cloud und Analytik.

Seite an Seite wollen IBM-Chefin Ginni Rometty und Apple-Chef Tim Cook künftig das Geschäft mit Unternehmen vorantreiben.

Seite an Seite wollen IBM-Chefin Ginni Rometty und Apple-Chef Tim Cook künftig das Geschäft mit Unternehmen vorantreiben.

Foto: dpa/Apple/Paul Sakuma

„On January 24th, Apple Computer will introduce Macintosh. And you’ll see why 1984 won’t be like ‘1984’”. Mit diesen Worten endet der berühmte Apple-Werbespot von Ridley Scott, der eine gigantische Heerschar uniformierter grauer Herren zeigt. Und  den Computergiganten IBM als großen Diktator brandmarkte. Schnee von gestern: Denn gestern Abend, am 15. Juli 2014 haben die beiden Erzrivalen in der Zentrale von Apple in Cupertino in Kalifornien eine umfassende Kooperation angekündigt. Die Idee dahinter ist, iPhones und iPads mit Hilfe von Diensten des Giganten IBM mit Sitz in Amonk im US-Bundesstaat New York fest im Alltag von Firmen zu etablieren.

„Neu definieren, wie Arbeit erledigt wird“

Dabei scheuen die künftigen Partner nicht den Pathos starker Worte: Sie wollen „neu definieren, wie Arbeit erledigt wird“. Den Focus legen beide Unternehmen auf mobile Endgeräte. Apple-Chef Tim Cook hält die zukünftige Zusammenarbeit für ein ideales Puzzle: „Nichts überlappt sich, wir sind nicht im Wettbewerb miteinander – und gemeinsam schaffen wir etwas, das keiner von beiden hätte allein schaffen können.“ Auch IBM-Chefin Virginia Rometty, die oft einfach Ginni genannt wird, lobt den neuen Partner und hebt vor allem seine Hardware hervor: „Sie sind der Goldstandard für Verbrauchergeräte.“

100 neue Apps speziell für Unternehmen

Gemeinsam wollen die beiden IT-Firmen Apples iOS-Geräte und IBMs Cloud-Datenbanken sowie Business-Analysesoftware für Firmenkunden vermarkten. Unter der Dachmarke „MobileFirst for iOS“ wollen beide Partner etwa 100 Apps für iOS-Endgeräte auf der Basis der IBM-Datenbanklösungen auf den Markt bringen. Es soll sogenannte „Made-for-Business-Apps“ für spezifische Aufgaben, unter anderem im Einzelhandel, im Gesundheitswesen, bei Banken- und Versicherungen, im Reise- und Transportwesen sowie in der Telekommunikationsbranche geben. Die ersten dieser Apps sollen bereits ab Herbst dieses Jahres, weitere dann im Verlauf des kommenden Jahres, verfügbar werden. Es soll „eine ganz neue Kategorie an Apps“ werden, exklusiv für iOS-Endgeräte.

Apple übernimmt den Hardware-Support

Die dazu passende Mobilplattform baut IBM auf seinen Servern als „MobileFirst platform for iOS“ auf. Apple übernimmt den Hardware-Support. Dazu richtet die Firma mit dem angebissenen Apfel als Logo in seiner Servicesparte eine neue Kategorie „AppleCare for Enterprise“ ein.

IBM wird für die neue Partnerschaft mit Apple künftig seinen Kunden iPhones und iPads mit seinen branchenspezifischen Lösungen verkaufen. Und zwar weltweit.

IBM wird für die neue Partnerschaft mit Apple künftig seinen Kunden iPhones und iPads mit seinen branchenspezifischen Lösungen verkaufen. Und zwar weltweit.

Foto: dpa/Angelika Warmuth

IBM wird für die neue Partnerschaft künftig seinen Kunden iPhones und iPads mit den branchenspezifischen Lösungen verkaufen. Die Unternehmen sollen dann auf neue, an die Anforderungen von Firmen ausgerichtete Apple-Care-Service-Pakete und Apple-Support-Angebote zurückgreifen können. Den bisher vermissten Vor-Ort-Service wird IBM übernehmen.

Geballte Macht der IBM-Vertreter

Apple kann sich auf die Macht der alerten IBM-Vertreterschar verlassen, die den IBM-Großkunden bisher zuverlässig jede Neuheit aus dem Hause International Business Machines als absolut notwendig und unverzichtbar verkauften. Es ist die stolze Zahl von über 100.000 Beratern, Analysten, Außendienstlern und Softwareentwicklern, die ab jetzt auch Apples iOS-Geräte verkaufen. Diese Marktmacht wird für Apple einen erheblichen Wachstumssprung im Mobilgeschäft bedeuten.

Tim Cook: „1984 waren wir Konkurrenten“

„1984 waren wir Konkurrenten. 2014 wird man meiner Ansicht nach kaum zwei Unternehmen finden, die sich besser ergänzen“, sagte Apple-Chef Tim Cook gestern. „Das ist wirklich ein bahnbrechender Deal.“ Für IBM bringt der Deal neuen Schwung in einen stagnierenden Markt, weil Apples schicke Endgeräte gut als Zugpferd für den Verkauf von IBM-Diensten funktionieren. Zudem hat IBM seine schwächelnde PC-Sparte vor einem Jahrzehnt an den chinesischen Konzern Lenovo abgegeben und positioniert sich seitdem als Anbieter von Software und Computerdienstleistungen.

Apple hingegen hat sich bislang kaum angestrengt, seine angesagten Produkte gezielt an Unternehmen zu verkaufen. Erst unter Tim Cook entdeckte der Konzern, dass sich seine iOS-Geräte recht erfolgreich an Technologiemanager großer Firmen verkaufen lassen. „Zum ersten Mal überhaupt bringen wir IBMs bekannte Big Data Analytics in die Hände von iOS-Anwendern, was Apple eine große Marktchance eröffnet. Dies stellt einen grundlegenden Schritt für Unternehmen dar und ist etwas, das nur Apple und IBM liefern können“, schwärmte Tim Cook.

IBM-Chefin Rometty: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Apple“

Ginni Rometty von IBM ergänzte: „Die Allianz mit Apple wird auf unseren Schwung aufbauen, mit dem wir diese Innovationen weltweit zu unseren Kunden bringen und wird von IBMs führender Rolle bei Analytik, Cloud, Software und Service profitieren. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Apple, dessen Innovationen unser Leben in einer Art und Weise verändert hat, die wir für selbstverständlich halten, aber ohne die wir uns nicht mehr vorstellen könnten zu leben.“

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