12.03.1999, 17:20 Uhr

Hewlett-Packard trennt sich von der Meß- und Medizintechnik

Die Aufteilung in die Geschäftsbereiche Computer und die klassische Meßtechnik.

Das Ende einer Ära. Darüber zumindest sind sich alle einig: sowohl geschichtskundige Branchenkenner wie zukunftsorientierte Börsenanalysten. Doch was auf die einen als Überraschung hereinbrach – die radikale Umstrukturierung und Zweiteilung des ehrwürdigen High-Tech-Kolosses Hewlett-Packard – das war für die anderen eine längst fällige Kurskorrektur: im Hinblick auf die aktuelle Industriedynamik mit gewaltig gestiegener Umsatz- und Gewinn-erwartung.
Also Ende und Neustart zugleich. Aber nicht nur für den unbestrittenen Silicon-Valley-Pionier HP, sondern auch für das Silicon Valley selbst – das seinen Ursprungsmythos, beinahe wie im alten Rom, auf zwei unzertrennliche, visionäre und wagnisbereite Ingenieure zurückführt: auf William Hewlett und David Packard – in ihrer mittlerweile denkmalgeschützten Garage in Palo Alto.
Aus ihren Ursprüngen auf dem Stanford-Campus wirkten die beiden jungen Gründer bis heute stilbildend für die weltweit florierende High-Tech-Kultur: Sie etablierten eine spezielle Art des wissenschaftlich-technischen Arbeitens und des Umgangs mit Fachkollegen – mit offener, von Konsens geprägter Komunikation, mit Motivation durch eine strikte, leistungsbegründete Meritokratie. Nicht nur die offene Tür zum Vorgesetzten oder das hemdsärmelig kollegiale Du sowie die transparente Beförderungspolitik haben ihren Usrprung bei HP, meint die Zeitung San Jose Mercury. Auch egalitäre Prinzipien wie die Gewinnbeteiligung aller Mitarbeiter und ein für US-Gepflogenheiten großzügiger Kündigungsschutz sind typisch für HP.
Und damit soll jetzt Schluß sein? „Wir haben übermäßig auf die Entscheidungsfindung im Konsens fokussiert“ urteilt Debra Dunne, als General Manager des HP Executive Committee voll in die Umstrukturierung involviert. „Wir sind im Management nicht so hart gewesen, wie wir es eigentlich sein müssen.“ Das bringt eine neue Version des HP Way: „HP Way 2.0“, kündigt Dunne an. Die Kernelemente sollen bleiben: die Gewinnbeteiligung ebenso wie die Bewertung der Mitarbeiter. Darauf beruht die geradezu sensationell niedrige jährliche Personalfluktuation von 5 % gegenüber 15 % bis 20 % bei anderen Silicon-Valley-Unternehmen. Doch die neuen Herausforderungen des Computermarktes, so Dunne, verlangen mehr Wettbewerb, mehr Aggressivität.
Lewis Platt, seit 1992 Präsiden und CEO von Hewlett-Packard, brachte im vergangenen Jahr mit ersten Kostenrevisionen und einer großangelegten Unternehmensanalyse durch die Consultingfirma McKinsey & Co. den Konzernumbau auf den Weg. „In unserer jetzigen Struktur verlangt eine Vielzahl von Geschäftsbreichen ständig Beachtung und Ressourcen von der Geschäftsführug“, ließ Platt per Rundschreiben verlauten. „Als Konsequenz werden Kompromisse notwendig, um HP als Ganzem gerecht zu werden.“
Das verlangt nach Entkoppelung. Unter der neuen Unternehmensstruktur wird der klassische Test- und Meßgerätebereich, einschließlich der analytischen und medizinischen Technik, ausgegliedert. Das allein bildet eine veritable neue Firma mit 7,6 Mrd. Dollar Anfangsumsatz. Die Trennung soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. Als CEO wurde Edward Barnholt berufen, seit 33 Jahren bei HP, auch er ein bewährter Veteran des HP Way. Barnholt: „Wir werden hart arbeiten und ein 8-Mrd.-Dollar-Startup sein, der mit Firmen aller Größen sehr effektiv konkurrieren wird.“
Losgelöst und befreit von bremsenden Traditionen soll der größere Firmenteil weiter unter dem Namen Hewlett-Packard agieren. Er soll sich künftig kompromißlos auf die Commputertechnologien konzentrieren. Bei knapp 40 Mrd. Dollar Anfangsumsatz ist das mit 85 % des Gesamtumsatzes bereits heute der Löwenanteil des Geschäfts. Lewis Platt will erst Mitte nächsten Jahres, knapp sechzigjährig, wie es die HP-Gepflogenheiten wollen, in Pension gehen und bis dahin bei der Umwandlung helfen. Die Suche nach einem Nachfolger für die dynamisierte Firma ist in vollem Gang.
Ob der oder die Neue, wie bisher, ein loyaler Innenaufsteiger sein wird und Technologe dazu, oder ein Outsider mit hartem Biß und Reformwillen à la Louis Gerstner von IBM, wird sich zeigen. HP steckt heute keineswegs so tief in einer Krise, wie IBM vor sechs Jahren. Nur der Bösenkurs der HP-Aktie ist nicht so richtig im Aufwärtstrend. Dabei ist der Konzernumsatz unter Platts Führung kräftig und stetig gestiegen (von 16 Mrd. Dollar 1992 auf 47,1 Mrd. Dollar 1998). Doch der Gewinn ist im letzten Jahr auf knapp 3 Mrd. Dollar gesunken.
Vor allem in der Test- und Meßtechnik haben die Asienkrise und die Halbleiterrezession unverkennbar durchgeschlagen. Das brachte im vergangen Jahr ein Minus von 11%. Wie bei anderen Mischkonzernen, die in divergierenden Märkten tätig sind, wird der Verlustbringer jetzt vom boomenden Computergeschäft entkoppelt. Allerdings erreichte auch der Computerbereich im vergangenen Jahr nur ein Wachstum von 3 %.
Eine Werbekampagne für 150 Mio. Dollar soll nun die neue Botschaft klarer machen: HPs Wachtumskurs zielt von jetzt ab konzentriert sich auf das Internet. In einem neuen Geschäftsbereich mit 4000 Mitarbeitern werden alle Internet-Aktivitäten zusammengefaßt, von High-End-Servern bis zur Software. „E-Service“ ist das neue Stichwort für HP.
WERNER SCHULZ
Dave Packard und Bill Hewlett im Jahre 1989 vor der Garage, in der sie ihr Unternehmen 1938 gründeten . Nun wird HP-CEO Lewis Platt die Bereiche abtrennen, die damals das Basisgeschäft waren: Meßgeräte und Medizintechnik.

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