Abschied von der Börse 30.10.2013, 17:30 Uhr

Gründer kauft Computerhersteller Dell auf

Nach monatelanger Übernahmeschlacht gehört der US-amerikanische Computerhersteller Dell wieder seinem Gründer. Ob sich Michael Dell damit einen Gefallen getan hat, wird sich zeigen. Der Umsatz des Konzerns ist im Sturzflug. 

Michael Dell konnte den Kauf des Computerherstellers gestern abschließen. Jetzt plant er eine umfassende Umstrukturierung, um den aktuellen Gewinneinbruch auszugleichen. 

Michael Dell konnte den Kauf des Computerherstellers gestern abschließen. Jetzt plant er eine umfassende Umstrukturierung, um den aktuellen Gewinneinbruch auszugleichen. 

Foto: dpa/Kiran Manjunath

Seit Jahresbeginn haben Michael Dell, der mit 16 Milliarden Dollar Vermögen zu den 50 reichsten Menschen der Welt gehört, und sein Partner, der Finanzinvestor Silver Lake, versucht, das Unternehmen zu kaufen. Allerdings hielten mehrere Großaktionäre unter Führung des US-Investors Carl Icahn den Preis für zu niedrig. Also stockte Dell das Angebot nach langer Diskussion um eine weitere halbe Milliarde auf 24,9 Milliarden auf und konnte den Kauf gestern abschließen. Pro Aktie bekommen die Aktionäre 13,75 Dollar in bar.

Dells Gewinn halbiert sich

Dell hat den Trend zu Tablet-PCs, der mit dem Siegeszug von Apples iPad begann, verpasst und leidet zurzeit besonders daran, dass der Markt für klassische Computer stark zusammenschrumpft. Damit einher geht eine nie dagewesene Preisschlacht. Die Folge: Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ging der Umsatz des Konzerns um elf Prozent auf 14 Milliarden Dollar zurück. Der Gewinn halbierte sich auf 475 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Nach allen Prognosen wird sich diese Entwicklung fortsetzen, der PC-Markt dürfte auch 2014 weiter schrumpfen. Deshalb sehen viele Experten für Dell keine Alternative zu einer umfassenden Restrukturierung.

Eine Umstrukturierung soll es richten

Die neue Strategie sieht einen Umbau des Unternehmens nach IBM-Vorbild vor. Der Fokus soll dabei stärker auf dem Service-Geschäft für Unternehmenskunden liegen. Dieser komplizierte Umbau könne nach Ansicht von Michael Dell am besten gelingen, wenn es dabei keinen Druck durch die an der Börse vorgeschriebenen Quartalsberichte gibt.

Mehrere Analysten haben aber schon ihre Sorge geäußert, dass die neue Strategie für Dell inzwischen sogar schon zu spät kommen könnte. Zu gut vernetzt seien die beiden größten Wettbewerber IBM und Hewlett-Packard im Service-Bereich für Unternehmen. Auch mehrere teure Akquisitionen konnten die Abhängigkeit des Konzerns vom Verkauf herkömmlicher PCs kaum verringern. Die Bewährungsprobe steht dem neuen alten Besitzer also erst noch bevor.

Parallel sollen natürlich auch weiterhin PCs verkauft werden. „Nur weil ich mit dem Fahrrad fahre, bedeutet das nicht, dass ich nicht manchmal das Flugzeug nehme“, kommentierte Michael Dell seine Strategie kürzlich in einem Interview. 

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