Bieterkampf gegen Siemens 20.06.2014, 10:24 Uhr

General Electric bietet Alstom Gründung von Joint Ventures an

Im Ringen um Teile des französischen Industriekonzerns Alstom verbessert General Electric (GE) erneut sein Angebot: Neben 12,35 Milliarden Euro bietet GE nun auch die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen im Energiesektor an, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Konkurrent Siemens hat derweil sein Angebot auf 8,2 Milliarden Euro erhöht.

Während GE Alstom mit Joint Ventures lockt, erhöht Siemens sein Angebot um 1,2 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro. Bis Montag soll sich der Verwaltungsrat nun entscheiden.

Während GE Alstom mit Joint Ventures lockt, erhöht Siemens sein Angebot um 1,2 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro. Bis Montag soll sich der Verwaltungsrat nun entscheiden.

Foto: dpa/Stephanie Pilick

Das Geld wird wohl nicht entscheidend sein. Beide Bieter werben in ihren verbesserten Angeboten vor allem um die Zustimmung der Arbeitnehmer und der Politik. Dabei ist nach wie vor schwer einzuschätzen, wie groß deren Einfluss ist. Klar ist nur eins: Am Montag muss der Verwaltungsrat von Alstom eine Entscheidung fällen. GE-Chef Jeffrey Immelt hat diese Woche noch einmal ganz klar gemacht, dass seine Offerte an diesem Tag abläuft.

GE will 12,35 Milliarden Euro für die Energiesparte der Franzosen bezahlen. Nachdem Siemens und Mitsubishi Heavy Industries am Montag in Paris öffentlich ihre Vorstellungen präsentierten, legten die Amerikaner am Donnerstag nach. Immelt flog persönlich nach Paris und verkündete, dass neben der Übernahme der Energiesparte mehrere Joint Ventures geplant seien, bei denen beide Unternehmen gleichberechtigt agieren würden. Außerdem sicherte er einen Zuwachs an Arbeitsplätzen und einen weiter starken Einfluss der französischen Seite auf die Unternehmenspolitik zu.

Siemens erhöht Angebot um 1,2 Milliarden Euro

Damit geht der GE-Chef auf die Sorgen von Gewerkschaften und Politik ein, die eine Zerschlagung von Alstom und den Verlust von Jobs befürchten. Hier lag bislang der Hauptvorteil von Siemens und Mitsubishi. Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte noch im Mai erklärt, während Siemens eine Allianz wolle, strebe GE eine Übernahme an, die die verbleibende Transportsparte auf Dauer schwächen werde. Die Deutschen hatten im Tausch gegen die Energiesparte einen großen Teil ihrer Transporttechnik angeboten.

Die deutsch-japanische Konkurrenz hat das Risiko in Immelts Avancen sofort erkannt und verbessert nun ihrerseits das Angebot. Nach intensiven Gesprächen habe man die Pläne überarbeitet, „um Komplexität herauszunehmen, die Umsetzung zu erleichtern und Risiken zu reduzieren“, heißt es in einer Mitteilung. „Im Ergebnis erhöht sich der Bar-Anteil der Offerte um 1,2 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro, während die Gesamtbewertung des Energiegeschäfts von Alstom um 400 Millionen Euro auf insgesamt 14,6 Milliarden Euro steigt“, erklären beide Unternehmen.

Siemens plant 1000 neue Ausbildungsplätze für französische Jugendliche

Alstom werde „als französischer, börsennotierter Großkonzern mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro erhalten bleiben“, heißt es weiter. Die Abwicklung soll entgegen dem Angebot von Anfang der Woche nicht über drei Gemeinschaftsunternehmen, sondern eine einzige Holding erfolgen. Die Japaner wollten 1000 neue Stellen im Kraftwerksbereich schaffen, während Siemens „1000 zusätzliche Ausbildungsplätze für französische Jugendliche“ anbietet – ein Pfund, das für die Politik angesichts einer Arbeitslosenquote von aktuell 23,2 Prozent bei Menschen unter 25 Jahren in Frankreich schwer wiegen dürfte. Am Ende ihres Schreibens werden die beiden Partner ganz deutlich: „Das Angebot ist finanziell, industriell und unter sozialen Aspekten überlegen.“

Die offene Frage ist, wer im Verwaltungsrat von Alstom den größten Einfluss haben wird und wie die Rolle von Konzernchef Patrick Kron dabei aussieht. Geht es nach ihm, wird GE das Rennen machen. Er hat aus seiner grundsätzlichen Ablehnung von Siemens nie einen Hehl gemacht. Nach Angaben französischer Branchenanalysten soll er auf einer Investorenkonferenz noch jüngst gesagt haben: „Sie wollen unsere Energiesparte, und wir sollen ihre Transportsparte bekommen. Nun, sie dürfen träumen.“ 

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