Halbleiter-Chips 05.05.2021, 09:15 Uhr

Ford stoppt Produktion in Köln: Das Problem ist hausgemacht

Der 90. Geburtstag ist arg getrübt: Die traditionsreichen Ford-Werke in Köln stoppen die Produktion vorläufig. Tausende Mitarbeiter sind betroffen. Grund sind Probleme, mit denen auch andere Autohersteller zu kämpfen haben.

Ford setzt seine Produktion in Köln vorläufig aus. Foto: Ford

Ford setzt seine Produktion in Köln vorläufig aus.

Foto: Ford

Eigentlich würde man jetzt richtig feiern bei Ford in Köln. Denn vor 90 Jahren, am 4. Mai 1931, lief der erste in Deutschland gebaute Ford in den Kölner Werken vom Band. Doch Corona macht dem Autobauer gleich einen Doppelstrich durch die Rechnung: Nicht nur die Pandemie und damit einhergehende Abstandsregeln trüben die Freude, auch massive Lieferengpässe, die sich im letzten Jahr bereits angekündigt hatten und jetzt zu einem erheblichen Problem werden.

Der US-Autokonzern stoppt seine Produktion in Köln-Niehl nun vorerst komplett. Der Grund: Es gibt keine Halbleiterchips mehr, die für die moderne Autoproduktion unverzichtbar sind. Damit ist Ford in Köln ausgebremst, nichts geht mehr. Ironie des Schicksals: Erst vor wenigen Monaten hatte Ford angekündigt, den Standort in Köln zum Zentrum seiner europäischen Produktion von Elektroautos machen zu wollen. In den kommenden zweieinhalb Jahren will Ford eine Milliarde Dollar, rund 830 Millionen Euro, investieren, um das Werk „zu modernisieren und zu verwandeln in das Kölner Ford-Elektrifizierungs-Zentrum“, wie Ford-Europachef Stuart Rowley im Februar erklärte. In der zweiten Hälfte 2023 soll das Elektroauto auf den Markt kommen – auch das könnte sich unter Umständen nun verzögern.

Ford ist nicht der einzige Autobauer mit Zuliefererproblem

Der US-Autobauer hat das Problem nicht allein. Auch andere Autokonzerne wie Audi und Daimler haben bereits Produktionseinschränkungen wegen der Lieferengpässe von Halbleitern angekündigt. Ford trifft es allerdings besonders hart. In den nächsten Monaten werden die Fließbänder in Köln nur an wenigen Tagen laufen. Der Konzern habe für die Zeit vom 3. Mai bis zum 18. Juni sowie vom 30. Juni bis zum 9. Juli mit der Arbeitnehmervertretung Kurzarbeit in der Produktion vereinbart, so ein Unternehmenssprecher. Weil auf den zweiten Produktionsstillstand nahtlos die Werksferien anschließen, geht es de facto erst wieder am 16. August los.

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Das heißt, dass nur an den Tagen zwischen dem 19. und dem 29. Juni die Fließbänder im Kölner Ford-Werk laufen werden. Betroffen sind nach Angaben des Unternehmens 5.000 der 15.000 Mitarbeiter.

„Die ausgefallene Produktion werden wir bestmöglich aufholen. Wir arbeiten daran, die Situation schnellstmöglich zu verbessern“, sagte ein Ford-Sprecher.

Auch im Ford-Werk in Saarlouis wird die Produktion vom 3. bis zum 18. Mai und vom 25. Mai bis zum 7. Juni ruhen. Das hatte das Unternehmen bereits kürzlich bekannt gegeben. Dort sind 4.500 Mitarbeiter betroffen. Über weitere Kurzarbeitstage in Saarlouis werde verhandelt, hieß es beim Unternehmen.

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Corona-Pandemie wirbelt Markt durcheinander

Ein Stückweit sind die Probleme bei den Autobauern auch hausgemacht: 2020 hatten viele während der Produktionsstopps auf Zukäufe von Bauteilen wie Halbleiterchips verzichtet – nicht zuletzt natürlich aus Spargründen. Inzwischen werden die Lieferengpässe durch die Corona-Pandemie immer deutlicher spürbar, die Preise steigen in der gesamten Elektronik-Branche, und die üblichen bekannten Preisentwicklungen greifen zur Zeit nicht mehr. Klassischer Wettbewerb spielt eine geringe Rolle bei der Preisgestaltung: Gekauft wird bei dem Anbieter, der liefern kann. Hersteller aus anderen Branchen – Smartphone-, Fernseher-, Laptop-Produktion – haben die knappen Rohstoffe den Autobauern zwischenzeitlich vor der Nase weggekauft.

Henry Ford bei der Grundsteinlegung der Werke in Köln. Foto: Ford

Henry Ford bei der Grundsteinlegung der Werke in Köln.

Foto: Ford

Der 90-jährige Geburtstag der Kölner Ford-Werke wurde jedenfalls ordentlich verhagelt. Am 4. Mai 1931 hatte das Werk mit 619 Mitarbeitern und einer Tageskapazität von 60 Einheiten angefangen. Der erste Ford aus Köln war ein Lastwagen, das das Modell AA. Parallel dazu wurde der Pkw Modell A produziert. Seit der Inbetriebnahme des Kölner Ford-Werks liefen 19 verschiedene Baureihe und fast 18 Millionen Einheiten vom Band – darunter Klassiker wie der Ford Taunus, der Ford Capri oder der Ford Granada.

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Meistproduzierter Ford ist ein Kleinwagen

Das am längsten und am meisten produzierte Modell, das aus Köln stammt, ist allerdings ein Kleinwagen: der Ford Fiesta. Seit 1979 wird der Fiesta ununterbrochen am Kölner Standort gefertigt, inzwischen in achter Generation und mehr als neun Millionen Mal. Heute sind die Ford-Werke nach eigenen Angaben mit mehr als 15.000 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber Kölns. Und wenn produziert wird, laufen täglich rund 1.000 Fahrzeuge vom Band.

Der Ford Taunus: Ein Klassiker aus Köln. Foto: Ford

Der Ford Taunus: Ein Klassiker aus Köln.

Foto: Ford

Die Geschichte von Ford in Deutschland begann allerdings nicht am Rhein, sondern an der Spree – sechs Jahre zuvor. Am 18. August 1925 wurde die Ford Motor AG ins Berliner Handelsregister eingetragen. In gemieteten Werkhallen am Berliner Westhafen setzten die ersten deutschen Ford-Beschäftigten das legendäre T-Modell – Spitzname „Tin Lizzy“ – aus vorgefertigten, per Schiff aus den USA angelieferten Teilen zusammen.

Die Ford-Werke in Köln-Niehl im Jahr 1931. Foto: Ford

Die Ford-Werke in Köln-Niehl im Jahr 1931.

Foto: Ford

In den folgenden Jahren suchte Henry Ford nach einem Produktionsstandort in Deutschland. Die Wahl fiel auf Köln: Nicht zuletzt auch deshalb, weil der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer sich vehement für Köln als Ford-Standort eingesetzt hatte. Am 2. Oktober 1930 legten Konzerngründer Henry Ford und OB Konrad Adenauer den Grundstein für die Kölner Ford-Werke. Sieben Monate später rollte das erste Modell vom Band.

Ford-Lastwagen in Köln, um 1940. Foto: Ford

Ford-Lastwagen in Köln, um 1940.

Foto: Ford

(mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er als Redakteur und Reporter in verschiedenen Ressorts unterwegs. Er schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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