Volkswagen-Skandal 05.10.2015, 12:31 Uhr

Erste Geständnisse von Ingenieuren

Bei der internen Revision von VW haben mehrere Mitarbeiter in der Motorenentwicklung zugegeben, die manipulierte Software installiert zu haben, berichtete am Wochenende Bild am Sonntag. Unterdessen sprach der designierte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch von einer „existenzbedrohenden Krise für den Konzern“.

Mehrere VW-Ingenieure sollen zugegeben haben, die Manipulations-Software 2008 in den Dieselmotor EA 189 eingebaut zu haben. Trotzdem liegen immer noch viele Fragen zum VW-Abgasskandal unbeantwortet Im Dunkeln. 

Mehrere VW-Ingenieure sollen zugegeben haben, die Manipulations-Software 2008 in den Dieselmotor EA 189 eingebaut zu haben. Trotzdem liegen immer noch viele Fragen zum VW-Abgasskandal unbeantwortet Im Dunkeln. 

Foto: Patrick Pleul/dpa

Laut einem Bericht der Bild am Sonntag liegen der internen Revision bei Volkswagen, die den manipulierten Abgaswerten der Dieselfahrzeuge nachgeht, erste Geständnisse von Ingenieuren vor. Offenbar haben die internen Ermittler jene Mitarbeiter in der Motorenentwicklung ausfindig gemacht, die die Manipulations-Software installiert haben. Seitdem vor gut zwei Wochen bekannt wurde, dass VW-Dieselmotoren bei strengen Abgastests ungleich besser abschneiden als im Echtbetrieb, ist das Vertrauen in den VW-Konzern erschüttert.

Kostenvorgaben und Abgasnormen konnten nicht zugleich erfüllt werden

Laut Bild am Sonntag haben mehrere VW-Ingenieure ausgesagt, die Manipulations-Software 2008 in den Dieselmotor EA 189 eingebaut zu haben. Seit 2005 war dieser Motor entwickelt worden und stand drei Jahre später kurz vor der Serienproduktion. Das Problem, sowohl die Kostenvorgaben für den Motor als auch die Abgasnormen einzuhalten, sei bis zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht gelöst worden. Um zu verhindern, dass das Motoren-Projekt gestoppt werde, sei entschieden worden, die Software zu verwenden, die bei den Abgastests günstige Ergebnisse lieferte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel versuchte am Wochenende im VW-Skandal zu beschwichtigen:  Dadurch werde die

Bundeskanzlerin Angela Merkel versuchte am Wochenende im VW-Skandal zu beschwichtigen:  Dadurch werde die „Reputation der deutschen Wirtschaft nicht erschüttert“, sagte sie in einem Interview. 

Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Wer die Anweisung dazu gab und wer alles davon wusste, blieb weiterhin unklar. Hinweise, dass der inzwischen zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn davon Kenntnis hatte, gibt es offenbar nicht. Allerdings belasten die Aussagen laut Zeitungsbericht den Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg, einen Vertrauten von Winterkorn. Hackenberg, der zuvor in derselben Funktion bei VW tätig war, ist inzwischen beurlaubt. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ geht der VW-Aufsichtsrat ohnehin von einem weitaus größeren Kreis an Mitwissern aus als bisher angenommen. Ein VW-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Diese Woche Krisensitzung und Fragerunde beim US-Kongress

Zu der weiterführenden Frage, ob die Manipulation der Abgaswerte in VW-Dieselmotoren zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust in den Wirtschaftsstandort Deutschland führt, äußerte sich am Wochenende Bundeskanzlerin Angela Merkel. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk am Sonntag sah sie die „Reputation der deutschen Wirtschaft nicht erschüttert“, mahnte aber zugleich an, „jetzt schnell die notwendige Transparenz herzustellen“ und die Dinge aufzuarbeiten.

Der bisherige Finanzvorstand und designierte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sprach bei einer internen Veranstaltung in Wolfsburg allerdings von einer „existenzbedrohenden Krise für den Konzern“, wie die Welt am Sonntag berichtete. Am Dienstag dieser Woche wird der neue VW-Chef Matthias Müller in Wolfsburg zu den Beschäftigten reden. Am Mittwoch steht die nächste Krisensitzung des Aufsichtsrats an und am Donnerstag muss der US-Chef von VW, Michael Horn, dem Kongress Fragen beantworten. Außerdem hat die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) weitere Tests angekündigt.

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