Belegschaft bangt 10.12.2013, 15:32 Uhr

EADS-Umstrukturierung: Bis zu 2440 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet

Europäische Staaten investieren weniger in Rüstung. Deswegen muss der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS den Gürtel enger schnallen. In Deutschland könnten der nun anstehenden gigantischen Umstrukturierung 2440 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. 

EADS will den Standort Unterschleißheim der Rüstungssparte Cassidian schließen. Für die Mitarbeiter heißt es Umziehen nach Ottobrunn. Dort entsteht das Zentrum der neuen Rüstungs- und Raumfahrtsparte Airbus Defence and Space. Doch 2440 Stellen sollen auf der Strecke bleiben. 

EADS will den Standort Unterschleißheim der Rüstungssparte Cassidian schließen. Für die Mitarbeiter heißt es Umziehen nach Ottobrunn. Dort entsteht das Zentrum der neuen Rüstungs- und Raumfahrtsparte Airbus Defence and Space. Doch 2440 Stellen sollen auf der Strecke bleiben. 

Foto: dpa/Peter Kneffel

Der Konzern schließt unter anderem den deutschen Standort des Rüstungsbereichs Cassidian. Ein Schock für die Mitarbeiter in Unterschleißheim nördlich von München. „Das kann ich aus heutiger Sicht nicht nachvollziehen“, sagt Wolfgang Kiefer-Heydenreich, Betriebsratsvorsitzender der EADS in Unterschleißheim, in der Tagesschau. „Wir werden um den Erhalt dieses Standortes kämpfen, und zwar mit Unterstützung der Politik.“

Der große Umzug nach Ottobrunn

Ein Großteil der Belegschaft soll nach Ottobrunn südlich von München umziehen. Hier entsteht die neue Rüstungs- und Raumfahrtsparte Airbus Defence and Space. Unter einem Dach vereint sind Cassidian, Airbus Military und die Raumfahrtabteilung Astrium. Doch nicht alle Mitarbeiter werden Glück haben: Laut Betriebsrat werden rund 2440 Stellen der Umstrukturierung zum Opfer fallen.

Auf welchen Straßen die Leute landen, darüber schweigt sich der Konzern bislang aus. Angestellte haben zwar einen Brief vom Konzernchef erhalten, der aber legt die Karten nicht auf den Tisch. „Für die Mitarbeiter ist die Unsicherheit nicht aus dem Weg geräumt, sondern größer geworden, weil jeder jetzt vermutet: wo sind die 2440?“, sagt Michael Bernhard vom EADS-Betriebsrat in Unterschleißheim. Betriebsrat und IG Metall fletschen schon jetzt die Zähne in einer gemeinsamen Erklärung: „Insbesondere die Ankündigung, dass man betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließt, verärgert uns.“ 

Durststrecke für die Rüstungsbranche

Für EADS ist die Zusammenlegung eine gigantische Sparmaßnahme, denn der Konzern hat in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Auftragsvolumen verloren. „Wir können das nicht einfach locker abfedern oder die betroffenen Standorte und Kapazitäten für andere Aufgaben umwidmen“, rechtfertigt Konzernchef Tom Enders die Entscheidung. „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit im Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft steigern – und wir müssen jetzt damit beginnen.“

Tatsächlich durchleidet die europäische Rüstungsbranche eine Durststrecke, erklärt Moritz Weiss, Politikwissenschaftler an der Universität München: „Die Staaten in Europa geben weniger für Militär und Rüstung aus. Der Markt wird dadurch kleiner.“ Die EU habe zudem schrittweise den Rüstungsbereich liberalisiert. „Die Firmen sind jetzt mehr Konkurrenz ausgesetzt als noch vor zehn Jahren.“ 

EADS baut auch im Ausland tausende Stellen ab

Auch im Ausland lässt EADS den Kündigungshammer kreisen: In Frankreich sollen 1700 Stellen wegfallen, in Großbritannien 700 und in Spanien 600. Das geht aus einem Bericht der Tagesschau hervor, die sich auf Angaben aus Industriekreisen beruft. Der Konzern will sich aber um seine Schäfchen kümmern, zumindest um einige: Für betroffene Mitarbeiter will man bei Airbus und Eurocopter bis zu 1500 Arbeitsplätze bereitstellen. 

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