Finanzierung 30.11.2012, 19:56 Uhr

Durch eine Stiftung die Unternehmensnachfolge regeln

Stiftungen helfen, den Fortbestand eines Unternehmens langfristig zu sichern. Für Mittelständler sind sie außerdem eine attraktive Möglichkeit, die Nachfolge zu regeln und sich gemeinnützig zu engagieren.

Gisela Bohnenkamp

Gisela Bohnenkamp

Foto: Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung

Um das gemeinsam mit ihrem Mann aufgebaute Unternehmen – einen inzwischen europaweit führenden Händler für Landwirtschaftsreifen mit Sitz in Osnabrück – dauerhaft zu erhalten und den knapp 200 Angestellten eine Perspektive zu bieten, brachte Gisela Bohnenkamp die Hälfte der Unternehmensanteile in eine Stiftung ein.

Das war 2008, 18 Jahre nach dem Tod ihres Mannes. Seitdem halten die Friedel und Gisela Bohnenkamp Stiftung und die Familie Bohnenkamp jeweils 49,5 % der stimmrechtslosen Geschäftsanteile, die restlichen 1 % liegen bei einer nicht-gemeinnützigen Management-Stiftung, die über alle Stimmrechte verfügt.

Gründung der Bohnenkamp Stiftung: Kapital und Management der Bohnenkamp AG getrennt

„Damit haben wir das Management vom Kapital getrennt. Die emotionale Kante war raus“, sagt Franz Josef Hillebrandt, der als damaliger Vorstandssprecher der Sparkasse Osnabrück und Aufsichtsratsvorsitzender der Bohnenkamp AG Gisela Bohnenkamp bei der Stiftungsgründung begleitet hat. Die Management-Stiftung ist mit einem Mitglied der Bohnenkamp-Familie und Unternehmerpersönlichkeiten besetzt, die die Geschicke der Firma leiten.

Für eine Stiftungslösung entscheiden sich immer mehr Mittelständler, die keinen Nachfolger finden, aber dennoch das Familienvermögen als Ganzes erhalten wollen. Stiftungen sind Einrichtungen, denen ein Vermögen bestehend aus Kapital, Aktien, Kunstsammlungen, Immobilien oder Firmenanteilen für einen bestimmten Zweck dauerhaft und unwiderruflich gewidmet ist.

Die Erträge des Stiftungsvermögens in Form von Zinsen, Dividenden, Pacht oder Mieten finanzieren die Stiftungsziele. Ein Unternehmen, das in eine Stiftung eingebracht ist, kann grundsätzlich weder verkauft noch zerschlagen werden – es sei denn, es ist ausdrücklich schriftlich etwas anderes vereinbart worden. Allerdings kann das in eine Stiftung eingebrachte Vermögen auch nicht mehr entnommen werden.

Das in eine Stiftung eingebrachte Vermögen kann nicht mehr entnommen werden

Aktuell gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen hierzulande knapp 19 000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Damit hat sich die Zahl der Stiftungen seit der Jahrtausendwende etwa verdoppelt. Das Deutsche Stiftungszentrum (DSZ) schätzt die Zahl der Stiftungen mit Unternehmensbezug – sei es, weil die Stiftungen Unternehmenseigner sind oder von einem Unternehmen gegründet wurden – auf bis zu 2000. Die meisten Stifterinnen und Stifter motiviert der Wunsch, etwas zu bewegen und Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen. „Außerdem macht man seinen Namen in der Region unsterblich“, bemerkt Stiftungsexperte Hillebrandt.

Nach Angaben des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) steht bis 2014 jährlich in 22 000 Familienunternehmen die Übergabe an. Experten schätzen, dass 86 % der Übergaben altersbedingt und damit planbar sind. „Wenn ein Unternehmer keine andere Möglichkeit hat, sein Unternehmen zu erhalten oder wenn man Familienmitglieder, die Erben oder Nachfolger wären, fernhalten will, ist die Stiftung die richtige Nachfolgeform“, bestätigt Ralph Beckmann, bei der Commerzbank zuständig für Unternehmensnachfolge.

Auch Unternehmen profitieren davon, wenn sie zu Stiftungen werden. So steigt etwa ihr Ansehen in der Öffentlichkeit, wie die Studie „Stiftungsunternehmen in Deutschland“ des Allensbach-Instituts und der Unternehmensberatung BDO vom September dieses Jahres ergeben hat. Danach glauben 71 % der Deutschen, dass Stiftungsunternehmen die besseren Unternehmen seien.

„Seitdem es die Bohnenkamp-Stiftung gibt, kennen die Menschen auch den Reifenhändler besser. Sie verbinden ihn mit positiven Assoziationen“, berichtet auch Hillebrandt. Das zeige sich beispielsweise daran, dass es mehr Initiativbewerbungen als früher gebe.

Eine Stiftung sollte sich aus dem operativen Geschäft raushalten

Unternehmer, die ihre Firma in eine Stiftung einbringen wollen, sollten Experten zufolge darauf achten, dass sich die Stiftung aus dem operativen Geschäft heraushält. „Die Stiftungslösung darf nicht so starr angelegt werden, dass sie dem Unternehmen wichtige Handlungsspielräume verstellt“, sagt dazu Allensbach-Chefin Renate Köcher.

Den Stiftungszweck kann der Stifter im Rahmen der Satzung selbst bestimmen. Allerdings sollte er ihn nicht zu eng fassen. Ein gewisser Entscheidungsspielraum sei für die Arbeit der Stiftungsorgane notwendig, rät Horst Höweler, Stiftungsbeauftragter der Sparkasse Osnabrück.

Zu den populärsten Stiftungszwecken gehören nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen Soziales (31 %), Bildung und Erziehung sowie Kunst und Kultur (jeweils 15 %), Wissenschaft und Forschung (13 %) und Umweltschutz (4 %).

Gisela Bohnenkamp entschied sich für die Förderung von Kunst, Kultur, Wissenschaft, Bildung und Erziehung – wobei aktuell die Chance auf Bildung für alle Kinder und Jugendlichen aus der Region einen Schwerpunkt bildet. Einen großen Stellenwert hat auch die Unterstützung leistungsbereiter Kinder von Bohnenkamp-Mitarbeitern: Wer seine Meisterprüfung bestanden oder seinen Hochschulabschluss geschafft hat, kann mithilfe der Stiftung sofort seine BAföG-Schulden oder andere Ausbildungskredite begleichen. Auch wenn Mitarbeiter des Unternehmens in Not geraten, hilft die Stiftung weiter.

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