VERKAUF VON T-ONLINE 22.12.2014, 13:05 Uhr

Deutsche Telekom trennt sich von Inhalten

Der Bonner Telekom-Konzern will zu einem reinen Anbieter von Festnetztelefonie, Mobilfunk und schnellem Internet werden. Von T-Online will sich das Unternehmen trennen. Springer-Chef Mathias Döpfner ist offensichtlich an dem Internet-Portal interessiert. Er setzt für die Zukunft weniger auf Papier als aufs Internet.

Das Internetportal T-Online zählt zu den reichweitenstärksten Webauftritten im deutschsprachigen Internet.

Das Internetportal T-Online zählt zu den reichweitenstärksten Webauftritten im deutschsprachigen Internet.

Foto: T-Online

30 Milliarden Euro will die Deutsche Telekom in den nächsten drei Jahren in den Ausbau ihrer Infrastruktur stecken. Ins Festnetz, vor allem aber in den Mobilfunk. Die gewaltige Summe kann Telekom-Chef Timotheus Höttges keineswegs mit links bezahlen. Deshalb hat er beschlossen, sich von allem zu trennen, was nichts mit Infrastruktur zu tun hat, vom Nachrichten- und Unterhaltungsportal T-Online beispielsweise. Das berichtet die Düsseldorfer WirtschaftsWoche in ihrer jüngsten Ausgabe.

Telekom-Chef Timotheus Höttges will sich nach Medienberichten von T-Online trennen.

Telekom-Chef Timotheus Höttges will sich nach Medienberichten von T-Online trennen.

Foto: Oliver Berg/dpa

Das Portal macht einen Umsatz von 100 Millionen Euro im Jahr. Mehr als 370 Millionen Besucher kommen jeden Monat, mehr als zu jedem anderen deutschen Infoportal. Dieses Potenzial lockt offensichtlich Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden des Medienkonzerns Springer, der mit bild.de ein ähnlich erfolgreiches Nachrichtenportal betreibt. Insider können sich vorstellen, dass Döpfner einen hohen dreistelligen Millionenbetrag auf den Tisch legen würde, um seinem Ziel, ein führender Anbieter von Inhalten im Internet zu werden, näher zu kommen.

Scout24 ist schon weg

Die Telekom hatte Ende 2014 bereits die Scout24-Gruppe abgegeben, für die sich Döpfner ebenfalls interessierte. Doch 1,5 Milliarden Euro, die die in San Francisco ansässige Beteiligungsgesellschaft Hellman & Friedman zahlte, waren Döpfner zu viel. Scout24 setzt mit Portalen zur Partnersuche und mit Online-Marktplätzen wie Gebrauchtwagen und Immobilien rund 300 Millionen Euro pro Jahr um. Ob die Gruppe Gewinne erzielt ist nicht bekannt.

Schritte zur weiteren Digitalisierung

Döpfner könnte sich den Kauf locker leisten, wenn der Preis eine Milliarde Euro nicht übersteigt. Getreu seiner neuen strategischen Ausrichtung, in der nur noch wenige Zeitungen wie Bild und Die Welt Platz haben, hatte er eine Reihe von Regionalzeitungen sowie Frauen und Fernsehzeitschriften für 920 Millionen Euro an die Funke-Mediengruppe (einst Westdeutsche Allgemeine Zeitung) in Essen abgegeben, die eine andere Philosophie vertritt. Sie setzt auf beides: auf Papier und Internet und arbeitet daran, sie miteinander zu verzahnen, wie es auch andere Medienhäuser versuchen.

Mathias Döpfner: Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE (Societas Europea).

Mathias Döpfner: Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE (Societas Europea).

Foto: Soeren Stache/dpa

Döpfner will zudem den Springer-Verlag in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umwandeln, um Investoren zu gewinnen, die von seinem Konzept überzeugt sind. Damit soll die Digitalisierung des Hauses vorangetrieben werden.

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