Konsequenz aus Spionageaffäre 11.11.2013, 12:43 Uhr

Deutsche Telekom plant innerdeutsches Internet

Die Deutsche Telekom will der Datenspionage des amerikanischen Geheimdienstes NSA hierzulande einen Riegel vorschieben. Und plant deswegen ein innerdeutsches Internet. Zudem stellt der Bonner Konzern heute mit „Clean Pipe“ sein erstes Produkt vor, das sich gezielt an Geschäftskunden und Unternehmen richtet, die ihre Sicherheitsvorkehrungen gegen Cyberangriffe verstärken wollen.

Die Deutsche Telekom versucht nach der NSA-Spionageaffäre aktiv, ein innerdeutsches Internet auf die Beine zu stellen.

Die Deutsche Telekom versucht nach der NSA-Spionageaffäre aktiv, ein innerdeutsches Internet auf die Beine zu stellen.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Telekom bereitet derzeit ein sogenanntes „National Routing“ vor. Der Datenverkehr zwischen Teilnehmern in Deutschland soll dabei innerhalb der Landesgrenzen bleiben. „Es laufen Gespräche mit diversen möglichen Partnern“, erklärte dazu ein Telekom-Sprecher. Gemeint sind unter anderem Netzbetreiber wie Vodafone und Telefonica, ohne deren Teilnahme das Vorhaben unmöglich ist. Technische Hürden sind dabei laut Telekom niedriger als bisher gedacht.

Im Internet ist der direkteste Übertragungsweg nicht immer der kostengünstigste. Deswegen kann eine E-Mail an den Nachbarn einen Umweg über mehrere Netzwerkrechner auf verschiedenen Kontinenten nehmen. Dass sie dabei von internationalen Geheimdiensten abgefangen werden kann, hat der NSA-Skandal deutlich gemacht. Der britische Nachrichtendienst GCHQ etwa soll internationalen Datenverkehr über das Glasfaser-Transatlantikkabel TAT14 abgefangen haben.

Spionage fügt deutscher Wirtschaft Schaden in Milliardenhöhe zu

„Das Vertrauen von Internetnutzern und Unternehmen in die Sicherheit und den Schutz ihrer Daten ist beschädigt. Es ist zu befürchten, dass sich dies nachteilig auf die Nutzung neuer Technologien auswirkt und Schaden für Wirtschaft und Gesellschaft entsteht“, erklärte Professor Dieter Kempf, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom. Es sei höchste Zeit, in aller Konsequenz Maßnahmen einzuleiten. Die aus Spionage und Datenklau erwachsenen Verluste für die deutsche Wirtschaft gingen schon heute jedes Jahr in die Milliarden.

Telekom stellt „Clean Pipe“ vor

Auf dem gemeinsam mit der Münchner Sicherheitskonferenz veranstalteten Cyber Security Summit präsentiert die Deutsche Telekom heute in ihrer Bonner Konzernzentrale ihre sogenannte „Clean Pipe“. Dieses Produkt richtet sich gezielt an Geschäftskunden und Unternehmen, die ihre Sicherheitsvorkehrungen gegen Cyberangriffe verstärken wollen. Die „Saubere Leitung“ überwacht den Internetverkehr aller mit dem Internet verbundenen Geräte und filtert alles Schädliche –  wie ein Wasserfilter – nach zuvor festgelegten Angriffsmustern aus. Um Hintertüren auszuschließen, stammen sensible Komponenten vom Internet-Router bis zum Cloud Computing von deutschen Anbietern, die nicht mit ausländischen Geheimdiensten kooperieren. Das Produkt hat die Telekom mit der auf Hochsicherheit spezialisierten Lancom aus Aachen entwickelt, die Hochgeschwindigkeitsrouter baut. Pilotkunden testen den Sicherheitsfilter derzeit, der offizielle Marktstart soll auf der Computermesse Cebit im März 2014 erfolgen.

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