Führungswechsel bei Siemens 06.08.2013, 14:01 Uhr

Cromme befördert Kaeser und drängt Löscher zum Rücktritt

Joe Kaeser ist neuer Siemens-Chef und damit Nachfolger von Peter Löscher. Allerdings hat Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der den Wechsel eingefädelt hat, viel Wirbel aufgelöst. Es ist fraglich, ob er noch lange oberster Siemens-Kontrolleur bleibt.

Damals noch vereint: Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser (l.), Vorstandschef Peter Löscher (m.) und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme auf der Siemens-Hauptversammlung 2009.

Damals noch vereint: Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser (l.), Vorstandschef Peter Löscher (m.) und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme auf der Siemens-Hauptversammlung 2009.

Foto: Siemens

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat Ende Juli am Wochenende hinter den Kulissen die Strippen gezogen und dafür gesorgt, dass Siemens-Chef Peter Löscher (55) seinen Posten geräumt hat. Seit dem vergangenen Donnerstag ist Finanzvorstand Joe Kaeser neuer Siemens-Chef. Ein Urgestein des Konzerns. Kaeser will erst einmal für Ruhe im Unternehmen sorgen.

Das ist auch nötig. Denn die faktische Entlassung Löschers, den Cromme einst selbst als ersten Nicht-Siemensianer an die Konzernspitze geholt hatte, um die Korruptionsaffäre in den Griff zu bekommen, hat viel Unruhe im Unternehmen ausgelöst.

Löscher hatte zuletzt wenig Fortune bei der Positionierung des Unternehmens bewiesen und die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. Höhepunkt der Pannen-Serie war die zweite Gewinnwarnung bei Siemens in nicht einmal drei Monaten. Allerdings war 2012 der Vertrag des Österreichers bis 2017 verlängert worden.

Vorgehen Crommes hat viel Kritik ausgelöst

Die Art und Weise, wie die Personalie an die Öffentlichkeit gelangte, hat Cromme Kritik eingebracht und nicht zuletzt dieser Umstand hat dazu geführt, dass auch der einstige Vorzeigemanager, der zuletzt bei ThyssenKrupp den Aufsichtsratsposten räumen musste, im Kreuzfeuer steht. Aktionärsschützer fordern seinen Rücktritt.

„Herr Cromme soll den Übergang an der Siemens-Spitze noch gut steuern und dann seine eigene Nachfolgeregelung in die Hand nehmen“, sagte die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, in einem Interview. Nur mit einem Wechsel auf den Chefsesseln von Vorstand und Aufsichtsrat habe Siemens wirklich die Möglichkeit für einen Neuanfang.

Zunächst sah es so aus, als wenn Löscher nicht geräuschlos gehen wollte. Er gab an, nur gehen zu wollen, wenn auch Cromme geht. Ansonsten würde er es auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen. Doch dann einigte man sich hinter den Kulissen doch auf einen friedlichen Abgang, der Löscher durch Zahlungen in Millionenhöhe und üppige Pensionsansprüche erleichtert wird.

Löschers Rauswurf kostet Siemens rund 9 Mio. Euro

Siemens wird sich den Rauswurf von Konzernchef Peter Löscher mehr als 9 Mio. € kosten lassen. Gemäß der Vergütungsregeln der Münchener bekommt ein Vorstand bei einvernehmlichem Ausscheiden zwei Jahresgrundgehälter inklusive Bonus, was sich in Löschers Fall auf 6,7 Mio. € beläuft. Hinzu kommen Pensionsgelder in Höhe von etwa 2,2 Mio. € sowie anteilig der – noch nicht festgelegte – Bonus für das laufende Geschäftsjahr.

Die Zahlungen fallen nur weg, wenn Löscher von sich aus kündigt oder die Aufsichtsräte den Österreicher aus „wichtigem Grund“ feuern. In seiner sechsjährigen Amtszeit hat sich Löscher Medienberichten zufolge auch Ansprüche für seine Altersversorgung über fast 15 Mio. € erworben.

Kaeser ist ein Kenner des Systems Siemens

Kaeser gilt als analytischer Denker und Stratege, Machtmensch und Kenner des weitverzweigten Konzerns. „Schattenmann“, so soll sein Spitzname lauten. Unter Klaus Kleinfeld war er bereits im Finanzvorstand, später bei Peter Löscher. Das „Schattendasein“ ist es nun vorbei.

Löscher hatte zuletzt angekündigt, weiter sparen zu wollen. Dass es dabei zu Stellenabbau kommen wird, war allen Beteiligten klar. Doch es folgte keine klare Ansage, niemand wusste wann und wo. Die Belegschaft reagierte aufgrund der Pannen und Fehleinschätzungen sowie dieser Sparankündigungen mit Unruhe. Löscher schien dies nicht zu realisieren.

Kaeser, der das Sparprogramm mitabgesegnet hat, erklärte mehrfach, es reiche nicht, nur zu sparen. Man müsse der Belegschaft auch erklären, wo die künftigen Wachstumschancen und -märkte liegen. Die Arbeitnehmerseite hat daher laut Kreisen hinter Kaeser gestanden.

Joe Kaeser, der eigentlich Josef Kaeser hieß und seinen Namen während seiner Siemens-Zeit in den USA anpasste, aus denen er 1999 zurückkehrte, arbeitet Zeit seines Berufslebens bei Siemens. Bevor er das Finanzressort übernahm, war er Strategiechef und Vorstand in der inzwischen verkauften Sparte Informationstechnologie, die auch das Zentrum des Korruptionsskandals war.

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