Trotz hoher Schulden 26.11.2013, 15:00 Uhr

Bonner Solarworld kauft Thüringer Solarwerk von Bosch

Das Bonner Unternehmen Solarworld hat heute einen Teil des Solarzellenwerkes in Thüringen von Konkurrent Bosch gekauft. Rund die Hälfte der Mitarbeiter will Solarworld übernehmen. Das Kartellamt muss der Übernahme aber noch zustimmen.

Das Thüringer Solarwerk von Bosch in Arnstadt ist vom Bonner Unternehmen Solarworld übernommen worden. Von derzeit 1600 Mitarbeitern in Arnstadt sollen 800 bleiben. 

Das Thüringer Solarwerk von Bosch in Arnstadt ist vom Bonner Unternehmen Solarworld übernommen worden. Von derzeit 1600 Mitarbeitern in Arnstadt sollen 800 bleiben. 

Foto: dpa/Michael Reichel

Die deutsche Solarbranche ist derzeit in arger Bedrängnis. Preiskämpfe, Billigkonkurrenz aus China und sinkende staatliche Förderung machen den Solarunternehmen zu schaffen, die Pleiten häufen sich. Nun hat die Bonner Solarworld, die sich selbst in einer kritischen Restrukturierungsphase befindet, einen Teil des Solargeschäftes von Bosch in Thüringen übernommen. Bosch hatte im März nach hohen Verlusten den Komplettausstieg aus dem Solar-Geschäft Anfang 2014 beschlossen.

Bosch will die verlustreiche Solarsparte loswerden

Der bisherige Hauptstandort der Solarsparte von Bosch, die „Bosch Solar Energy“, befindet sich im thüringischen Arnstadt. Rund 530 Millionen Euro hatte Bosch in den Standort investiert, etwa 1600 Mitarbeiter waren dort beschäftigt. Solarworld wird die Zellfertigung mit einer Produktionskapazität von 700 Megawatt (MW) und eine Modulfertigung mit 200 MW übernehmen und rund 800 Arbeitsplätze erhalten, kündigte Solarworld-Chef Frank Asbeck auf einer Mitarbeiterversammlung in Arnstadt an. Den Thüringer Standort soll dann die hundertprozentige Solarworld-Tochter „Solarworld Industries-Thüringen GmbH“ sichern.

Zum Kaufpreis machte Solarworld keine Angaben, erklärte aber, dass der Kauf die Finanzmittel des Unternehmens nicht reduzieren werde. Spekuliert wird, ob Bosch vielleicht sogar noch eine „Mitgift“ für die Übernahme zahle. Bis Ende 2012 hatte Bosch für den Ausflug ins Solargeschäft rund 2,4 Milliarden Euro verbrannt und wollte die verlustreiche Sparte nur noch loswerden.

Nun verbreitet Frank Asbeck Zweckoptimismus. Mit der Übernahme entstehe der erste deutsche Solarkonzern mit einer Fertigungskapazität von mehr als einem Gigawatt, sagte er. „Gemeinsam mit den jetzt erworbenen Produktionsstätten wird Solarworld der größte Solartechnologiehersteller in der westlichen Welt sein.“ Er werde zur Produktion made in Germany und made in USA stehen, betonte Asbeck. „Nur mit höchsten Qualitätsstandards können wir den Ansprüchen unserer Kunden gerecht werden und Garantien von 25 oder sogar 30 Jahren bieten.“

Bonner Solarworld steckt selbst in der Krise

Die Bonner Solarworld steckt derzeit selbst in einer kritischen Umstrukturierungsphase mit sinkenden Umsätzen. Im Sommer war ein Rettungskonzept für das angeschlagene Unternehmen vereinbart worden, bei dem die Anteilseigner einem umfangreichen Kapitalschnitt zugestimmt hatten. Jetzt will Asbeck bis Ende Februar 2014 die Restrukturierung abschließen. Zum selben Zeitpunkt soll die Übernahme des Werkes in Arnstadt erfolgen, bis dahin werde die Produktion dort auf „stand-by“ gehalten.

Bosch will das Werk in Arnstadt auch weiterhin zum Teil selbst nutzen. Rund 250 Stellen sollen durch eine Produktionsumstellung erhalten bleiben, wenn Bosch die Fertigung eines Autoelektronikproduktes aus seinem größten Autozuliefer-Werk im ungarischen Hatvan nach Thüringen verlagert. Außerdem will Bosch einen Teil der Fabrik mit staubfreien Reinräumen an ein Pharmaunternehmen vermieten. Geht der Plan auf, würden im jetzigen Bosch-Werk Arnstadt künftig noch 1150 Menschen arbeiten. 

Von Gudrun von Schoenebeck

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