Übernahme von TRW 16.09.2014, 12:14 Uhr

Autozulieferer ZF Friedrichshafen steigt zum Weltkonzern auf

Für 9,6 Milliarden Euro kauft ZF Friedrichshafen seinen US-Konkurrenten TRW Automotive auf. Der süddeutsche Getriebehersteller steigt damit zu einem der größten Autozulieferer der Welt auf. 

Für den süddeutschen Getriebespezialisten ZF Friedrichshafen ist das TRW-Produktportfolio eine Stärkung für den Zukunftsmarkt: Das US-Unternehmen entwickelt Video- und Radarsysteme für selbstfahrende Autos.

Für den süddeutschen Getriebespezialisten ZF Friedrichshafen ist das TRW-Produktportfolio eine Stärkung für den Zukunftsmarkt: Das US-Unternehmen entwickelt Video- und Radarsysteme für selbstfahrende Autos.

Foto: dpa/Felix Kästle

Die Elefantenhochzeit wird die größte sein, die es in der Branche seit der Übernahme von Continental durch Schaeffler vor sechs Jahren gegeben hat. Sie wird einen Konzern schaffen, der mit weltweit 138.000 Beschäftigten einen Umsatz von 41 Milliarden US-Dollar erzielt, einen Konzern, der in der gleichen Liga wie Bosch und Continental spielt, einen Konzern, der im Zukunftsgeschäft Elektromobilität und autonomes Fahren beste Marktchancen hat. Beide Konzerne zusammen investieren jährlich rund 1,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

ZF Friedrichshafen integriert TRW als separate Division

„TRW fügt sich hervorragend in unsere langfristige Strategie ein“, erklärt Stefan Sommer, Chef des  Autozulieferers ZF Friedrichshafen, der vor allem auf Antriebe und Fahrwerke spezialisiert ist. „Wir verbessern unsere Zukunftsaussichten weiter, indem wir unser Produktportfolio in äußerst attraktiven Segmenten erweitern.“

Die Übernahme wird einen starken Wettbewerber entstehen lassen, der Automobilzulieferer Bosch die Stirn bietet. Allein in China will ZF Friedrichshafen nach der Übernahme den Umsatz verdoppeln.

Die Übernahme wird einen starken Wettbewerber entstehen lassen, der Automobilzulieferer Bosch die Stirn bietet. Allein in China will ZF Friedrichshafen nach der Übernahme den Umsatz verdoppeln.

Quelle: dpa/Felix Kästle

TRW hat seinen Hauptsitz in Liviona im US-Bundesstaat Michigan und entwickelt derzeit Sicherheitsprodukte wie Airbags und Gurte sowie Video- und Radarsysteme – Produkte, die eine entscheidende Rolle spielen, wenn Autos das autonome Fahren lernen sollen. ZF integriert das Unternehmen, das in Deutschland rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, als separate Division und behält Friedrichshafen als Hauptsitz.

ZF will Umsatz in China verdoppeln

Nach der Übernahme wird ZF Friedrichshafen etwa die Hälfte seines Umsatzes in Europa erwirtschaften, die andere im Rest der Welt. Im asiatisch-pazifischen Raum soll der Umsatz von derzeit drei auf 5,4 Milliarden Euro steigen, in den USA von derzeit 2,8 auf 6,5 Milliarden Euro. ZF ist seit 1979 in den USA vertreten und unterhält dort zwölf Produktionsstandorte, darunter ein im Jahr 2013 eröffnetes Werk für Automatikgetriebe in South Carolina.

Bosch sieht sich mächtigem Wettbewerber gegenüber

Die Elefantenhochzeit findet allerdings erst statt, wenn Kartellbehörden und TRW-Aktionäre ihre Zustimmung geben. Die Aktionäre sollen für jede TRW-Aktie eine Abfindung von 105,60 US-Dollar erhalten. ZF finanziert die gesamte Übernahme mit Krediten der Citigroup und der Deutschen Bank.

Zudem trennt sich das Unternehmen vom Gemeinschaftsunternehmen ZF Lenksysteme und lässt sich seinen Anteil von Partner Bosch auszahlen ­– denn elektronische Lenkungen stellt auch TRW her. „Wenn die Übernahme so kommen sollte, wird ein starker Wettbewerber zu Bosch entstehen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir bejahen Wettbewerb und haben kein Problem damit.“ 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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