Patent in den USA 22.07.2016, 12:20 Uhr

Amazon will Drohnen an Straßenlaternen aufladen

Wenn einer Lieferdrohne die Energie ausgeht, könnte sie in Zukunft an einer Dockingstation nachladen, die auf einer Straßenlaterne angebracht ist. Diese Idee hat sich Amazon in den USA patentieren lassen. Damit würden die Drohnen ihren Lieferradius gewaltig ausdehnen – gäbe es da nicht das eine oder andere Problem.

Wenn es nach Amazon geht, sitzen demnächst keine Tauben mehr auf den Straßenlaternen, sondern Lieferdrohnen, die sich von ihrem anstrengenden Job als fliegende Packesel erholen und neue Energie tanken. Das entsprechende Patent hat der Online-Händler jedenfalls im Jahr 2014 in den USA angemeldet und jetzt zugesprochen bekommen.

Der Grund für diese Erfindung liegt auf der Hand: Bereits seit geraumer Zeit experimentiert Amazon mit Lieferdrohnen herum, um bestellte Artikel in Zukunft unmittelbar zum Kunden fliegen zu lassen. Das klappt bisher ganz gut – wenn die Reichweite nicht relativ knapp bemessen wäre. Bis zu 24 km schaffen die fliegenden Paketboten inzwischen mit einer Akkuladung, aber dann ist Schluss. Das schränkt den möglichen Lieferradius natürlich entsprechend ein.

„Existierende Strukturen“ als Basis für Landeplätze

An strategisch sinnvollen Punkten Ladestationen einzurichten, liegt da nahe – nur wo? Amazon zielt mit seiner Erfindung auf „existierende Strukturen“: Parkhäuser, Mobilfunkmasten, Gebäude und Straßenlaternen. Eine logische Wahl, schließlich stehen vor allem letztere in den Zielgebieten zuhauf herum und sind auch noch an die Stromversorgung angeschlossen. Wenn alle Stricke reißen, sind laut Patentantrag in Gebieten ohne entsprechende Infrastruktur auch extra gebaute Einzellösungen denkbar.

Störche auf einer Straßenlaterne: Amazon will Straßenlaternen ebenfalls als Landeplätze für seine Lieferdrohnen nutzen und hat bereits Dockingstationen erfunden, auf denen die unbemannten Flugkörper landen und ihre Akkus neu laden können.

Störche auf einer Straßenlaterne: Amazon will Straßenlaternen ebenfalls als Landeplätze für seine Lieferdrohnen nutzen und hat bereits Dockingstationen erfunden, auf denen die unbemannten Flugkörper landen und ihre Akkus neu laden können.

Quelle: Polizei Osnabrück/dpa

Wenn einer Drohne also der Saft auszugehen droht, kann sie nach Amazons Vorstellung eine solche Dockingstation ansteuern, auf der dafür installierten Plattform landen und sich aufladen – per Steckverbindung oder kabellos. Die Stromversorgung läuft über das öffentliche Netz oder per Solarstrom.

Informations- und Paketaustausch über den Köpfen der Passanten

Und weil die Dockingstationen sowieso schon einmal da sind, können sie auch noch Informationen zum Beispiel über die aktuelle Wetterlage sammeln und aktualisierte Anweisungen an die Lieferdrohnen aussenden. Auch über Schutzvorrichtungen bei plötzlich aufziehenden Unwettern denkt Amazon in diesem Zusammenhang nach, genauso wie über den Austausch von Lieferungen zwischen einzelnen Drohnen.

Spätestens, wenn dann noch Features wie Werbeanzeigen oder eine ebenfalls in Erwägung gezogene Internetversorgung für die Anwohner hinzukommt, stellt sich die Frage, wie das alles auf einer Straßenlaterne untergebracht werden soll. Das ist auch der bislang größte Kritikpunkt an der Idee.

Eine Skizze aus dem US-Patent für die Dockingstation.

Eine Skizze aus dem US-Patent für die Dockingstation.

Quelle: Amazon

Kaum jemand kann sich vorstellen, dass Stadtverwaltungen die Aufbauten im öffentlichen Raum zulassen werden – zu groß ist die Gefahr für Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer. Und selbst wenn: Billig würde die Drohnendockingstation im öffentlichen Raum für Amazon schon wegen der Nutzungsgebühren nicht. Wahrscheinlicher sind da entsprechende Lade- und Infostationen auf privaten Gebäuden.

US-Flugaufsicht stellt sich quer

Bleibt noch ein Problem: die US-Flugaufsicht FAA für die kommerzielle Nutzung von Drohnen untersagt Flüge ohne menschliche Aufsicht; außerdem darf jeder Pilot nur eine Drohne auf einmal steuern. Dass sich das so schnell ändert, ist unwahrscheinlich: Die Regeln sind gerade mal wenige Wochen alt. In Deutschland und Österreich sieht es nicht viel anders aus – und wenn die geflügelten Lieferanten sowieso nur in Sichtweite agieren dürfen, sind Lade(zwischen)stationen auf absehbare Zeit sinnlos, zumindest in diesen Ländern.

 

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