WETTKAMPF MIT GENERAL ELECTRIC 05.05.2014, 10:07 Uhr

Alstom-Poker: Zweifel im Siemens-Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat von Siemens hatte einstimmig beschlossen, ein Gegenangebot für die Übernahme der Energiesparte von Alstom vorzulegen. Doch in dem Kontrollgremium wachsen offenbar die Zweifel am Sinn des Wettbewerbes mit dem US-Konzern General Electric.

Siemens-Chef Joe Kaeser: Der Aufsichtsrat distanziert sich inzwischen von seinem Wunsch, die Energiesparte von Alstom zu übernehmen.

Siemens-Chef Joe Kaeser: Der Aufsichtsrat distanziert sich inzwischen von seinem Wunsch, die Energiesparte von Alstom zu übernehmen.

Foto: dpa

War es nur ein taktisches Spiel? Oder doch ernsthaftes Interesse? Die Welt gehe nicht unter, wenn man den Bieterkampf verliere, zitiert der „Spiegel“ jetzt ein Mitglied des Aufsichtsrates. Die Zukunft von Siemens hänge von dem Geschäft nicht ab, heißt es. Im Unternehmen wird derzeit ein Angebot an die Franzosen für ein Tauschgeschäft vorbereitet: Die Energiesparte von Alstom gegen große Teile der Schienentransporttechnik. Das Angebot soll einen Wert um die elf Milliarden Euro haben, also etwas unter dem Kaufpreis von 12,35 Milliarden liegen, den GE für die Energietechnik von Alstom zahlen will.

Die Vorbehalte sind offenbar größer als zunächst gedacht. Die offene Antipathie von Alstom-Chef Patrick Kron gegenüber Siemens und die klare Favorisierung des US-Angebotes in einer Stellungnahme des Verwaltungsrates schmecken den Münchnern nicht. Außerdem gibt es Zweifel daran, dass Alstom wirklich alle gewünschten Informationen bereitstellen wird. Siemens müsse sich dafür an die Anwälte von Alstom wenden, heißt es jetzt – ein neuer Affront von Kron, der sich in einem Brief an Siemens-Chef Joe Kaeser auch über unfaires Verhalten beschwert haben soll.

IG Metall fordert Job-Garantien

Dem Gegenangebot zu GE hatten auch die Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat zugestimmt. Inzwischen listet die IG Metall allerdings eine Reihe von Bedingungen auf, damit das Geschäft überhaupt zustande kommen könne: Umfassende Garantien für die Beschäftigten und die Standorte seien eine „zwingende Voraussetzung“, erklärt die Gewerkschaft. Alstom würde mit der Transporttechnik auch tausende Mitarbeiter von Siemens übernehmen.

Die Vorzüge eines solchen Deals sieht die IG Metall durchaus. „Wenn Rahmen und Fundament stimmen, kann die daraus entstehende Struktur industrie- und europapolitisch durchaus interessant sein, und bietet vermutlich mehr Vorteile, als wenn ein US-Konzern sich einen wichtigen Bestandteil europäischer Industrie einverleibt“, sagte Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall in Bayern.

Siemens bekommt neue Struktur

Bei den Beschäftigten von Siemens herrscht ohnehin derzeit Unsicherheit über die Zukunft. Vorstandschef Kaeser will die von seinem Vorgänger Löscher eingeführte Struktur des Unternehmens mit vier großen Geschäftsfeldern wieder auflösen und in kleinere Einheiten unterteilen. Über diese Strategie, mit der eine Verschlankung der Verwaltung und eine effizientere Struktur erreicht werden soll, berät der Aufsichtsrat morgen.

Unklar ist, wie weit der Einfluss der Politik auf die Unternehmensentscheidung reicht. Die französische Regierung favorisiert entgegen der Firmenspitze das Geschäft mit Siemens, weil sie eine Zerschlagung von Alstom befürchtet, wenn GE das ehemalige Staatsunternehmen kauft. 

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