IPHONE-PRODUKTION 27.05.2016, 11:29 Uhr

60.000 Mitarbeiter sind bei Foxconn jetzt überflüssig

Mit tausenden Montagerobotern senkt der Apple-Zulieferer Foxconn die Arbeitskosten. 600 andere Unternehmen in der chinesischen Technologieregion Kunshan sind auf gleichem Kurs. Unzählige Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Immer weniger Mitarbeiter müssen sich bei Foxconn abstrampeln. Das liegt aber nicht an verbesserten Arbeitsbedingungen, sondern daran, dass sie durch Roboter ersetzt werden.

Immer weniger Mitarbeiter müssen sich bei Foxconn abstrampeln. Das liegt aber nicht an verbesserten Arbeitsbedingungen, sondern daran, dass sie durch Roboter ersetzt werden.

Foto: Qilai Shen/dpa

Seit Jahrzehnten geht die Angst um, Roboter könnten Millionen Arbeitsplätze vernichten. Bisher ist alles noch relativ gutgegangen. Doch jetzt wird es ernst, ausgerechnet in einer Region, deren gigantischer wirtschaftlicher Aufschwung auf einst billigen Arbeitsplätzen beruhte. In Kunshan in unmittelbarer Nachbarschaft der chinesischen Metropole Shanghai werden hunderttausende Arbeitsplätze wegrationalisiert. Die Technologieregion wird dominiert von taiwanesischen Unternehmen, die dort elektronische Geräte montieren lassen. Als hätten sie sich abgesprochen haben sie begonnen, tausende Montageroboter zu kaufen, die Menschen ersetzen.

Tausende Roboter ersetzen Menschen

Die spektakulärste Aktion hat Foxconn jetzt abgeschlossen. Das Unternehmen, das in seiner Fabrik in Kunshan vor allem iPhones für Apple herstellt, hat jetzt, angeblich mit finanzieller Unterstützung von Apple, die Inbetriebnahme von einigen 1000 Robotern – Stückpreis 20.000 bis 25.000 US-Dollar – abgeschlossen. Sie verdrängen rund 60.000 der 110.000 Mitarbeiter des Unternehmens an diesem Standort. Diese werden, behauptet das Unternehmen, nicht freigesetzt, sondern für anspruchsvollere Aufgaben in Forschung und Entwicklung eingesetzt. „Wir haben die Arbeitskosten erfolgreich reduziert“, sagt Xu Yulian, der für den Bereich iPhone-Montage zuständig ist.

Foxconn produziert unter anderem für Apple das iPhone 6. 

Foxconn produziert unter anderem für Apple das iPhone 6. 

Foto: Larry W. Smith

Möglicherweise ist das erst der Anfang. Auf mittlere Sicht könnten noch weitere Arbeiter überflüssig werden, zumal Apples Absatz schwächelt. Ob die Lohnfertigung für andere Unternehmen wie Dell, Sony, HP und Intel die Lücke schließen kann ist fraglich. Auch Foxconns Übernahme der Handy-Sparte von Microsoft dürfte nicht viel zur Entspannung beitragen. Kaum jemand, erst recht nicht in China, gibt sich mit diesen einfachen Mobiltelefonen noch zufrieden. Es müssen schon Smartphones sein.

Gigantische Rationalisierungswelle

Außer Foxconn haben 34 weitere taiwanesische Fabriken im vergangenen Jahr umgerechnet gut 500 Millionen Euro in die Automatisierung gesteckt. Das jedenfalls sagt die Regierung in Kunshan. 600 weitere Unternehmen in der Technologieregion haben ähnliche Pläne. Offenbar sind sie dazu gezwungen. Das Wachstum lag zwischen 2014 und 2015 nur noch bei drei Prozent – das ist wenig für chinesische Verhältnisse. „Unsere Profite sind drastisch eingebrochen“, klagt Xu Xujiong, Chef des örtlichen Unternehmens Huaneng Welding.

Foxconn ist einer der weltweit größten Arbeitsgeber mit 1,3 Millionen Beschäftigten. Immer wieder ist er wegen der Arbeitsbedingungen angeprangert worden. 2011 ereignete sich in einem Werk in Chengdu im Südwesten Chinas eine Explosion, die drei Tote forderte.

Produktion des Opel Adam durch Roboter im Werk Eisenach: Autohersteller gehören beim Einsatz vernetzter Industrieroboter zu den Pionieren.

Produktion des Opel Adam durch Roboter im Werk Eisenach: Autohersteller gehören beim Einsatz vernetzter Industrieroboter zu den Pionieren.

Foto: Opel

Auch hierzulande schreitet die Entwicklung der Industrie 4.0 voran. Volkswirte der Bank ING-Diba gehen davon aus, dass Roboter und Software in den nächsten Jahrzehnten 18 Millionen Arbeitnehmer ersetzen könnten.

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