China denkt langfristig 28.10.2016, 13:22 Uhr

Von Senger: Der Westen versteht China nicht

Der Schweizer China-Experte Professor Harro von Senger wirft dem Westen vor, China nicht wirklich zu verstehen. China denke langfristig, der Westen kurzfristig. China verfolge weiterhin einen sino-marxistischen Weg, der Westen sehe vor allem die wirtschaftliche Liberalisierung. Die Übernahme westlicher Unternehmen folge einem langfristigen Plan.

Nationaler Volkskongress in China: Das Land verfolgt trotz wirtschaftlicher Liberalisierung weiterhin einen sino-marxistischen Weg, so der Sinologe Harro von Senger in VDI nachrichten. Die aktuellen Übernahmen westlicher Unternehmen gehörten zu einem langfristigen Plan.

Nationaler Volkskongress in China: Das Land verfolgt trotz wirtschaftlicher Liberalisierung weiterhin einen sino-marxistischen Weg, so der Sinologe Harro von Senger in VDI nachrichten. Die aktuellen Übernahmen westlicher Unternehmen gehörten zu einem langfristigen Plan.

Foto: Adrian Bradshaw/dpa

Der Schweizer China-Kenner Professor Harro von Senger warnt vor einer nur oberflächlichen Betrachtung des Landes. Die Volksrepublik versuche, sich westliche Technologie durch Übernahmen westlicher Unternehmen anzueignen und folge dabei stets langfristigen Vorgaben, sagt von Senger vor dem Hintergrund zunehmender Übernahmen westlicher Technologieunternehmen wie Kuka und möglicherweise auch Osram durch chinesische Investoren.

Chinesische Bauern im Nordwesten des Landes: China verfolgt viele von der Kommunistischen Partei vorgegebene langfristige Ziele und hat es geschafft, die große Armut des Landes in nur wenigen Jahrzehnten in großen Teilen zu beseitigen.

Chinesische Bauern im Nordwesten des Landes: China verfolgt viele von der Kommunistischen Partei vorgegebene langfristige Ziele und hat es geschafft, die große Armut des Landes in nur wenigen Jahrzehnten in großen Teilen zu beseitigen.

Quelle: Michael Reynolds/dpa

Das Land habe sich 2015 ausdrücklich das Ziel gesetzt, zu starken Fertigungsländern aufzuschließen. Wie sich China westliche Schlüsseltechnologien aneignen will, werde in der „Mitteilung des Staatsrates betreffend die Verbreitung von ‚Made in China 2025‘ “ klar beschrieben, betont von Senger in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung VDI nachrichten.

Übernahmen im Westen sind Teil der Planung

Bis 2035 soll „das mittlere Niveau“ westlicher Länder erreicht sein, „bis 2049 soll ein weltweit führendes technologisches und industrielles System aufgebaut sein“, sagt der Experte. „Die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka und der geplante Einstieg bei Osram sind Teil dieser Supraplanung“, so von Senger, der bis zu seiner Emeritierung in Freiburg im Breisgau gelehrt hat.

Panzer vor dem Mao-Bild auf dem Platz des Himmlischen Friedens: In China gibt die kommunistische Partei weiterhin die Richtung vor, trotz der wirtschaftlichen Freiheiten. Der Westen verstehe China nicht wirklich, meint der Schweizer Sinologe Professor Harro von Senger.

Panzer vor dem Mao-Bild auf dem Platz des Himmlischen Friedens: In China gibt die kommunistische Partei weiterhin die Richtung vor, trotz der wirtschaftlichen Freiheiten. Der Westen verstehe China nicht wirklich, meint der Schweizer Sinologe Professor Harro von Senger.

Quelle: Catherine Henriette/dpa

„Charakteristisch für die Volksrepublik China ist langfristiges Planen. Die Chinesen sprechen von Supraplanung. Diese unterscheidet sich stark vom westlichen Denken in kurzen Zeiträumen, das hierzulande Politik und Wirtschaft bestimmt.“ Nach Überzeugung von Sengers blicke der Westen vorrangig auf die wirtschaftliche Liberalisierung des Landes. Dabei werde übersehen, dass China weiterhin einen sino-marxistischen Weg verfolge.

Kommunistische Partei legt weiterhin die Grundlagen fest

Die Normen der kommunistischen Partei steuern „Inhalt und Interpretation des staatlichen Gesetzesrechts.“ Die kommunistische Partei habe die Entwicklung von Politik und Wirtschaft klar in einer Grundlinie festgelegt. „Zur Grundlinie gehören auch die ,vier Grundprinzipien’: das Festhalten am sozialistischen Weg, an der volksdemokratischen Diktatur, an der Führung durch die KP Chinas sowie am Marxismus-Leninismus und den Ideen Mao-Zedongs“, beschreibt Sinologe von Senger. Das werde im Westen meist übersehen.

Die Taikonauten Jin Haipeng (li.) und Chen Dong am 17. Oktober 2016 kurz vor ihrem Flug ins All. Sie wurden in einer feierlichen Zeremonie verabschiedet.

Die Taikonauten Jin Haipeng (li.) und Chen Dong am 17. Oktober 2016 kurz vor ihrem Flug ins All. Sie wurden in einer feierlichen Zeremonie verabschiedet.

Quelle: How Hwee Young/dpa

Dieser langfristigen Planung folgen viele große technische Innovationen und Entwicklungen in der Wirtschaft. Gerade erst hat China viele Unternehmen zu einem Konzern zusammengefasst, um eine zivile Fertigung von Triebwerken aufzubauen. Und China gibt zudem Gas bei der Entwicklung der Raumfahrt. Derzeit sind die ersten chinesischen Taikonauten mit dem Ziel im All, eine Raumstation aufzubauen.

Zudem will China zur führenden Roboternation werden – und hat deshalb den führenden deutschen Spezialisten Kuka übernommen, der Produktionsroboter für alle führenden Branchen wie der Autoindustrie herstellt.

Angestellte von Foxconn im Lunghua-Werk in Shenzhen in China: Foxconn hatte für die Produktion des iPhone 6 zusätzlich 10.000 Roboter installiert. China hat sich vorgenommen, bis 2020 die Zahl der Produktionsroboter zu vervierfachen.

Angestellte von Foxconn im Lunghua-Werk in Shenzhen in China: Foxconn hatte für die Produktion des iPhone 6 zusätzlich 10.000 Roboter installiert. China hat sich vorgenommen, bis 2020 die Zahl der Produktionsroboter zu vervierfachen.

Quelle: dpa/Ym Yik

Von Axel Mörer-Funk

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