Autonomes Fahren 25.04.2018, 16:36 Uhr

UK und Michigan vereinbaren Kooperation

Um das autonome Fahren voranzubringen, haben Großbritannien und der US-Bundesstaat Michigan jetzt bekanntgegeben, dass sie künftig eine Partnerschaft eingehen wollen.

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Foto: VDI Wissensforum

Konkret geht es insbesondere darum, einheitliche Regeln für selbstfahrende Fahrzeuge, ihre Technologien sowie für smarte und vernetzte Städte und Autobahnen zu erarbeiten. Damit nimmt Großbritannien europaweit eine Vorreiterrolle ein. In einem sogenannten „memorandum of understanding“ haben der Gouverneur des US-Bundesstaates Michigan Rick Snyder und der britische Wirtschaftsminister Philip Hammond vereinbart, dass Wirtschaftsbetriebe aus Detroit und aus mehreren britischen Städten, darunter Warwick und London, künftig ihre Technologien und Ideen für die Zukunft teilen werden. Das berichten u.a. Bloomberg, Mailonline und die Financial Times London. Gegenüber dem Blatt erklärte Gouverneur Snyder, man müsse ein Grenzen übergreifendes Netzwerk etablieren, da die Technik in vielen verschiedenen Orten und Ländern entwickelt werde. Insbesondere Großbritannien habe besondere Kernkompetenzen auf diesem Gebiet. Man müsse verstehen, dass es nicht ein „wir-gegen-sie“ sei, sondern eine Frage der Partnerschaft und gelungenen Zusammenarbeit, sagte Snyder weiter.

Win-Win-Situation für beide Länder

Für die Briten dürfte die Wahl des Staates Michigan mit seiner berühmten Autostadt Detroit ein hervorragender Partner sein. Die Stadt ist nicht nur die historische Wiege der amerikanischen Automobilindustrie, sondern beheimatet die drei großen Player Ford, General Motors und Fiat-Chrysler bzw. Wymo (das mit Fiat-Chrysler zusammenarbeitet). Nach Angaben der lokalen Verwaltung, würden heute 76 Prozent der Forschung und Entwicklung der gesamten US-Autoindustrie in Michigan stattfinden.

Darüber hinaus hat Snyder sein Interesse daran bekundet, mit dem neuen Partner künftig gemeinsam Testeinrichtungen zu nutzen, Forschungs- und Studienergebnisse sowie Erfahrungen zu teilen.

So könnte er den Briten beispielsweise die Tore zu einer neuen, gut 200 Hektar großen, Test- und Forschungseinrichtung in seinem Staat öffnen. Neben dem American Center for Mobility in der Stadt Ypsilanti verfügt auch die Universität von Michigan mit „Mcity“ in der Stadt Ann Arbor über eine Testeinrichtung für selbstfahrende Fahrzeuge.

Im Gegenzug finden die Amerikaner auf der europäischen Insel hervorragende Rahmenbedingungen für ihre Weiterentwicklung der Vision fahrerloser Vehikel vor. Neben Lehreinrichtungen wie z.B. der Universität von Warwick, die einem Schwerpunkt auf der Erforschung und Entwicklung autonomen Fahrens legt, finden die Amerikaner starke Partner mit immensem know-how in Autobauern wie Jaguar Land Rover. Der größte britische Autobauer hat erst im März eine langfristige Partnerschaft mit dem US-Autokonzern Wymo (ein Partnerunternehmen von Fiat Chrysler) bekanntgeben. Die beiden Firmen wollen den neuen selbstfahrenden Jaguar I-PACE auf den Markt bringen. Tests sind für 2018 angekündigt, ab 2020 soll das Auto in der fahrerlosen Wymo-Flotte auf die Straße. In nur zwei Jahren ab Produktionsbeginn sollen schließlich 20.000 Fahrzeuge gebaut werden.

Darüber hinaus könnten die Amerikaner mit dem neuen Centre for Connected and Autonomous Vehicles (CCAV) zusammenarbeiten. Dabei handelt es sich um eine 2015 eigens gegründete Regierungsorganisation, für die Förderung von vernetztem und automatisiertem Fahren. Mit Fördermitteln unterstützt die Organisation mehr als 50 Projekte von mehr als 150 Partnern.

Britische Regierung ebnet den Weg in die Zukunftstechnik

Der amerikanische Gouverneur Snyder gilt als strikter Befürworter selbstfahrender Fahrzeuge. Seit 2016 wirbt er im US-Kongress leidenschaftlich für die Lockerung von Gesetzen, um autonomes Fahren voranzutreiben. Der sogenannte „SAVE Act“ etwa ist ein Gesetzespassus, der künftig den Einsatz autonomer Fahrzeuge auf Straßen ohne menschliche Aufsichtsperson erlauben soll.

Auch Großbritannien plant den Einsatz führerloser Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen. Dies soll ab 2021 der Fall sein. Bereits ab 2019 sind Testfahrten geplant. Die britische Regierung war Ende des vergangenen Jahres mit dem Vorschlag überraschend vorausgegangen als sie ankündigte die Entwicklung mit massiven Investitionen zu unterstützen. Dabei soll auf eine strenge Regulierung bewusst verzichtet werden. Finanzminister Philip Hammond hat inzwischen einen Finanzierungsplan vorgelegt. Dieser sieht eine breite finanzielle Förderung von Zukunftstechnologien wie z.B. Elektroautos vor. Zudem sollen rund 400 Millionen Pfund in den Bau von Ladestationen bereitgestellt werden. Weitere 75 Millionen Pfund kommen Unternehmen zugute, die an künstlicher Intelligenz arbeiten. Weitere 160 Millionen sollen u.a. für den Ausbau des high-speed Mobilfunknetzes 5G investiert werden, das als Schlüsseltechnologie für autonomes Fahren gilt. Medienberichten zufolge ist dies eine Maßnahme, die britische Autoindustrie zu stärken.

Diese hatte nach dem angekündigten Brexit im vergangenen Jahr spürbare Umsatzrückgänge bei Neuzulassungen verzeichnet. Zeitweise waren diese, im Vergleich zum Rekordjahr 2016, um bis zu ein Drittel zurückgegangen.

Wirtschaftsminister Hammond gilt als Befürworter eines „weichen“ Brexit, um die Folgen für die britische Wirtschaft abzufedern. Derzeit verhandelt seine Regierung ein entsprechendes Abkommen mit der EU, welches das vereinigte Königreich innerhalb des EU-Binnenmarktes und er Zollunion halten könnte.

Der jetzt beschlossene Deal zwischen Großbritannien und den USA bzw. dem Bundesstaat Michigan stärkt insbesondere auch die politische Linie der Premierministerin Theresa May. Sie hatte angekündigt den Brexit als Herausforderung zu betrachten, um neue, freie Handelsabkommen mit verschiedenen Ländern und Partnern weltweit zu verhandeln.

 

In diesem Jahr ist Großbritannien das Partnerland der ConCarExpo, Europas größter Fachmesse rund um autonomes Fahren, vernetzte Fahrzeuge und mobile Lösungen. Neben zahlreichen Firmen und Ausstellern wird auch das Centre for Connected Car and Autonomous Vehicles am UK Country Pavillon auf der ConCarExpo vertreten sein. Die Fachmesse wird organisiert vom VDI Wissensforum und findet am 27. und 28. Juni in Berlin statt.

Von Tom Frohn, VDI Wissensforum

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