Billigkonkurrenz aus dem Internet 12.06.2014, 12:34 Uhr

Taxifahrer demonstrieren europaweit gegen die neuen Taxi-Apps

In vielen europäischen Städten haben Taxifahrer gestern gegen die neue Internetkonkurrenz demonstriert. Über Apps von Unternehmen wie der Firma Uber aus den USA wird nach Ansicht der Taxifahrer versucht, die strenge Regulierung des Taxibetriebs auszuhebeln. Diese Anbieter betreiben nicht etwa eine eigene Fahrzeugflotte, sondern vermitteln zwischen selbstständigen Fahrern und Fahrgästen und kassieren dafür eine Provision.

Taxifahrer protestierten in London gegen die neue Internetkonkurrenz. Auch in anderen europäischen Städten blockierten Taxifahrer mit ihren Wagen die Straßen. Sie wehren sich gegen Apps, die Fahrdienste an Privatleute vermitteln. 

Taxifahrer protestierten in London gegen die neue Internetkonkurrenz. Auch in anderen europäischen Städten blockierten Taxifahrer mit ihren Wagen die Straßen. Sie wehren sich gegen Apps, die Fahrdienste an Privatleute vermitteln. 

Foto: EPA

In ganz Europa von London über Paris, Mailand, Lissabon und Madrid bis Berlin blockierten gestern Zehntausende von Taxifahrern aus Protest gegen Taxi-Apps wie die der kalifornischen Firma Uber die Straßen. In Paris waren die Flughäfen Orly und Charles de Gaulle wegen Tausender streikender Taxis blockiert. Beim größten Streik in London legten 10.000 Black Cabs das gesamte Regierungsviertel rund um den Trafalgar Square lahm. In Berlin protestierten Hunderte von Taxifahrern mit einer Sternfahrt. Sogar in Chicago und São Paulo waren Kundgebungen gegen Uber und Co. geplant.

App-Geschäftsmodelle hebeln Taxi-Monopole aus

Die Taxis fürchten um die Zukunft der gesamten Branche, weil Taxi-Apps auf Smartphones das in den meisten Ländern gut geschützte Monopol der Taxifahrer aushebeln. Der bekannteste Anbieter ist das kalifornische Startup Uber.

Das Unternehmen, das Privatpersonen zu Taxi-Fahrern machen möchte, ist stark umstritten. Sein Geschäftsmodell basiert darauf, dass eine Smartphone-App Menschen, die mit dem Auto unterwegs sind, und solche, die eine Fahrt suchen, zueinander bringt – angeblich eine reine Vermittlungstätigkeit.

Eine Taxi-Sternfahrt endet am 11. Juni 2014 auf dem Olympiaplatz in Berlin. Die Taxifahrer demonstrieren mit dieser Aktion gegen die neue Konkurrenz aus dem Internet. 

Eine Taxi-Sternfahrt endet am 11. Juni 2014 auf dem Olympiaplatz in Berlin. Die Taxifahrer demonstrieren mit dieser Aktion gegen die neue Konkurrenz aus dem Internet. 

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Das soll für den Fahrgast dann etwa 20 bis 40 Prozent günstiger sein als der normale Taxitarif. Bei Uber kommen zum Grundpreis von einem Euro noch 25 Cent pro Minute und ein Euro pro gefahrenem Kilometer dazu. Ein Fünftel des Fahrpreises müssen als Gebühr an Uber abgeführt werden.

Erste Gerichtsurteile verbieten die Dienste

Die Gerichte sehen in diesem Vorgehen eine Verletzung der Gewerbepflicht. Mit einer einstweiligen Verfügung verbot ein Berliner Gericht deshalb das Taxi-App-Geschäft als scheinselbständig. Auch in Hamburg untersagte die Wirtschaftsbehörde die Fahrt-Vermittlung über WunderCar, einem Mitbewerber von Uber. Auch hier lautet die Begründung, es handle sich um ein kommerzielles Angebot, sei aber nicht gewerblich registriert.

WunderCar nennt die Bezahlung des Fahrgasts ein „freiwilliges Trinkgeld“, das allerdings schon vorab von der App  der Firma berechnet wird und von dem das Unternehmen ebenfalls 20 Prozent als Gebühr behält. „Bei uns fahren Köche und Segelmeister, Jurastudenten und Obstbauern“, heißt es seitens des Unternehmens. Es sei deshalb kein kommerzielles Angebot, begründete Geschäftsführer Gunnar gegenüber dem NDR, dass WunderCar die „Community-Fahrten“ weiter anbieten will.

Gefahren für den Fahrgast

Wer Dienste wie Uber oder WunderCar nutzt, setzt sich insbesondere bei Unfällen unkalkulierbaren Risiken aus. Private Fahrer seien mehrheitlich nicht für die Beförderung versichert. Als „Privatleute“ absolvierten sie auch keine regelmäßigen Gesundheitschecks und weder ihre Ausbildung noch der technische Zustand des Autos würden geprüft, kritisierte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP, Michael Müller, das Geschäftsmodell am Aktionstag.

Dieter Schlenker, ehrenamtlicher Vorsitzender der Genossenschaft Taxi Deutschland, geht noch weiter: „Es besteht die reale Gefahr, dass durch Uber und Co. der gut regulierte Taxi-Markt komplett dereguliert wird. Die Folgen wären Dumpinglöhne, Fahrgäste, die nicht versichert sind, unsichere Autos mit Fahrern, die weder ausgebildet noch identifizierbar sind.“

Eine kleine

Eine kleine „Gegen-Demonstration“ der „Students for Liberty“ zur Taxi-Sternfahrt auf dem Olympiaplatz in Berlin.

Foto: dpa/Jörg Carstensen

In Brüssel gibt es schon ein Verbot und in anderen Städten wie Paris wurden Einschränkungen festgelegt.  In Berlin erwirkte ein Taxifahrer zwar schon eine einstweilige Verfügung gegen Uber, wegen des wirtschaftlichen Risikos vollstreckte er sie jedoch nicht.

Investoren sehen Wachstumspotential

Investoren sehen aber offensichtlich trotz der ersten Verfügungen und Urteile gegen das Konzept großes Wachstumspotenzial in dem Geschäft. Uber nahm beispielsweise erst letzte Woche 1,2 Milliarden Dollar von seinen Geldgebern ein. Dabei wurde das Unternehmen aus San Francisco mit insgesamt mit 17 Milliarden Dollar bewertet. 

Unterstützung von EU-Kommissarin Neelie Kroes

Unerwartete Schützenhilfe für die App-Anbieter kommt auch aus Brüssel: EU-Kommissarin Neelie Kroes, die sich schon über das Verbot des alternativen Taxidienstes Uberpop in Brüssel öffentlich aufregte, meldete sich noch einmal zu Wort: „Was wir brauchen, ist ein echter Dialog, bei dem wir über die Umbrüche sprechen können, die durch Technologie entstehen. „Ein Streik hat nach ihrer Auffassung keinen Sinn. „Der bisherige Weg, Verordnungen rund um die Dienstleister zu schaffen, funktioniert nicht mehr.“

Von Klaus Ahrens Tags:

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