Energiepolitik 30.05.2008, 19:35 Uhr

Schottland setzt auf Wind und Wellen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 5. 08, mg – Schottland besitzt ein hohes Potenzial, um Strom aus Wind- sowie Meeres- und Wellenenergie zu erzeugen. Die schottische Regierung verfolgt deshalb ehrgeizige Ziele, um diese regenerativen Energien zu nutzen, wie David Roe, Energie-Experte von Scottish Development International, hier deutlich macht. An der Realisierung der Projekte sind oft auch deutsche Unternehmen beteiligt.

Roe: Sicherlich sind es mindestens zwei Faktoren, die hier zunächst zu nennen sind: Nämlich die Kombination aus unserer vorteilhaften geografischen Lage und den natürlichen Ressourcen plus unsere jahrzehntelange Erfahrung bei der Erdöl- und Gasexploration in der britischen Nordsee.

VDI nachrichten: Ihre Erfahrungen wollen Sie anderweitig nutzen?

Roe: Unsere Expertise und unsere Kompetenz aus dem klassischen Energiegeschäft bringen wir vor dem Hintergrund, dass ca. 25 % des europäischen Windenergiepotenzials sowie 25 % des europäischen Gezeitenpotenzials und 10 % der Wellenkraft Europas in Schottland beheimatet sind, nun auch verstärkt in das Segment der erneuerbaren Energiequellen ein.

VDI nachrichten: Was sind dabei die aktuellen Wachstumstreiber und welche Ziele verfolgt Schottland bei der ökologischen Stromerzeugung?

Roe: Die Europäische Union hat bekanntlich das Ziel ausgegeben, den Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtenergie auf 20 % bis zum Jahr 2020 auszubauen. In Schottland werden bereits heute mehr als 20 % des elektrischen Stroms aus nachhaltigen Quellen gewonnen, nämlich fast 11 % durch Wasserkraft und ca. 10 % durch Windkraft. Und hier verfolgt die schottische Regierung ehrgeizige Ziele: Bis 2011 wollen wir bereits 31 % des Stroms aus Wind-, Meeres- und Biomasseenergie generieren, bis 2020 sollen es gar 50 % sein. Seien Sie versichert: Dies sind keineswegs unrealistische Zahlen.

VDI nachrichten: Können Sie Beispiele von Beteiligungen deutscher Firmen an aktuellen Projekten in Schottland nennen?

Roe: Der Festland-Windpark Whitelee südlich von Glasgow wird nächstes Jahr fertiggestellt. Er ist mit einer voraussichtlichen Leistung von 322 MW der größte Windpark Europas. Siemens lieferte hierfür im vergangenen Jahr 140 Windturbinen mit rund 350 Mio. € Investitionsvolumen. Einer der größten Offshore-Windparks Großbritanniens, Robin Rigg, wird derzeit in schottischen Gewässern gebaut. E.on ist mit dem Bau von 60 Windkraftanlagen daran beteiligt. Diese werden ab Frühjahr 2009 eine Gesamtleistung von circa 180 MW erbringen. Es ist geplant, dass hier jährlich rund 550 Mio. kWh Strom produziert werden – dies deckt den durchschnittlichen Jahresbedarf von rund 150 000 Haushalten. Im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung werden damit jährlich rund 230 000 t CO2 eingespart. Die Gesamtinvestitionen für den Windpark liegen bei rund 500 Mio. €. Übrigens ist auch Repower an einer aktuellen schottisch-deutschen Kollaboration beteiligt und liefert Turbinen für die Windanlagen des Offshore-Windkraftprojekts Beatrice an der schottischen Ostküste.

VDI nachrichten: Können Sie uns noch etwas zu den volkswirtschaftlichen Kennzahlen sagen? Wie ist die Stoßrichtung der schottischen Regionalregierung?

Roe: Wir haben im März 2008 den Titel ¿Europäischer Zukunftsstandort Nummer 1¿ sowie im letzten Jahr die Auszeichnungen ¿Beste Wirtschaftsregion in Großbritannien¿ und ¿Europäische Region mit den besten Arbeitskräften¿ erhalten. Wir verstehen uns als ein kleines, flexibles Land mit einem sehr guten Universitäts-, Bildungs- und F&E-System, das eine erfolgreiche Neuausrichtung vollzogen hat. Sie finden in Schottland eine ausgeprägte Kollaborations- und Innovationskultur in Industrie und Wissenschaft.

Der schottische Energiesektor ist bezogen auf die Gesamtpopulation in Schottland sehr groß und bietet mehr als 110 000 Arbeitsplätze. Der Sektor wird auf ein Volumen von circa 9 Mrd. € (7,4 Mrd. Pfund) im Jahr geschätzt.

VDI nachrichten: Inwiefern unterstützt die Organisation Scottish Development International solche Unternehmen, die sich in Schottland engagieren möchten?

Roe: Wir sind eine regierungseigene Wirtschaftsförderungsagentur. Wir verstehen uns als erste Anlaufstelle für ausländische Investoren und beraten diese kostenfrei bei allen standortrelevanten Fragen. Dies beinhaltet zum Beispiel die Bereitstellung von Markt- und Standortinformationen oder die Beratung zu Fragen des Steuer- und Arbeitsrechts, zu den rechtlichen Rahmenbedingungen, zu Fördermöglichkeiten oder Absatzchancen. Wichtig ist uns, dass wir internationalen Firmen entsprechende Ideen und Kontakte für Kooperationsmöglichkeiten und Joint Ventures mit schottischen Unternehmen geben können. In Deutschland sind wir mit einem Büro in Düsseldorf vertreten. RP

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