38 MILLIARDEN KUBIKMETER GAS 22.05.2014, 11:40 Uhr

Russland schließt 400 Milliarden Dollar teuren Deal mit China

Es ist ein Warnsignal an den Westen: Russland hat mit China einen Deal über die Lieferung von jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas geschlossen. Kostenpunkt: Rund 400 Milliarden Dollar. Man könne das Gasgeschäft zukünftig von Europa abkoppeln, droht Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew.

Die Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping haben den Deal perfekt gemacht: Russland wird zukünftig jedes Jahr 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China exportieren. Doch bevor das erste Gas im Jahr 2018 fließen wird, ist eine 70 Milliarden Dollar teure Investition in Pipelines notwendig. 

Die Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping haben den Deal perfekt gemacht: Russland wird zukünftig jedes Jahr 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China exportieren. Doch bevor das erste Gas im Jahr 2018 fließen wird, ist eine 70 Milliarden Dollar teure Investition in Pipelines notwendig. 

Foto: Alexey Druginyn/dpa

Die EU will unabhängiger von russischem Gas werden. Die Diskussion darum hat nicht erst mit dem Ukraine-Konflikt begonnen, aber sie ist dadurch massiv verschärft worden. Russland seinerseits schickt nun die Botschaft nach Brüssel: Wir brauchen euch weniger als ihr uns. Die Genugtuung darüber ist Präsident Wladimir Putin anzusehen. Rund zehn Jahre hat man mit China verhandelt, zuletzt sind die Russen dem Großkunden beim Preis offenbar deutlich entgegengekommen. Dennoch bringt der Deal mit den Chinesen über die Lieferung von jährlich 38 Milliarden Kubikmetern Erdgas jedes Jahr rund 13 Milliarden Euro.

Frühestens im Jahr 2018 kann Gas nach China fließen

Die Dimension ist allerdings nicht so gigantisch, wie sie zunächst klingt. Das Liefervolumen umfasst nicht einmal ein Viertel dessen, was Russland jedes Jahr in die EU-Staaten und die Türkei pumpt. Die unverhohlene Drohung von Russlands Ministerpräsidenten Medwedew, man könne sich im Gasgeschäft auch ganz von Europa abkoppeln, halten Experten deshalb für bloßes Säbelrasseln – zumal die Infrastruktur für die Gaslieferung nach China noch gar nicht existiert. Zwar hat Gazprom seine Produktionsstätten in Ostsibirien in den vergangenen Jahren ausgebaut, aber in die Pipelines müssen, wie Präsident Putin zugibt, noch rund 70 Milliarden Euro investiert werden. Frühestens im Jahr 2018 wird Gas nach China fließen können.

Wissenschaftler raten der EU und gerade Deutschland dennoch dringend dazu, ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren. In Deutschland sei in den vergangenen Jahren ja sogar das Gegenteil geschehen, erklärte kürzlich Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: Zugunsten der Ostseepipeline habe man auch die seit Jahrzehnten geplante Lagerstätte für Flüssiggas aufgegeben, die zumindest eine zeitweilige Reserve hätte darstellen können.

Kemfert empfiehlt, das Geschäft mit Lieferanten wie Norwegen, Katar oder Algerien auszubauen. Erdgas ist auch deshalb so wichtig, weil es die klimafreundlichste unter den fossilen Energieressourcen ist und auch bei der Energiewende eine bedeutende Rolle spielt, beispielsweise in effizienten Gas-und-Dampf-Kraftwerken.

Europäische Länder wollen Abhängigkeit von Russland reduzieren 

Europa insgesamt ist durchaus aktiv bei dem Versuch, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. In mehreren Ländern laufen Vorbereitungen für Flüssiggasterminals, auch Pipelines über Südosteuropa in den kasachischen Raum seien geplant, erklärt Kemfert. Akut sieht sie die Gasversorgung Deutschlands und der EU nicht in Gefahr – die russischen Drohungen könnten eben erst in einigen Jahren wahr werden.

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