Ukraine-Krise 19.08.2014, 15:24 Uhr

Russland erwägt Einfuhrstopp für westliche Autos

Russland erwägt ein Importverbot für westliche Autos. Das würde auch viele deutsche Hersteller treffen, die vom wachsenden russischen Markt profitieren. Derzeit gilt ein Importstopp für Lebensmittel aus der EU, den USA, Norwegen, Kanada und Australien.

VW-Produktion im russischen Kaluga: Russland droht mit Sanktionen gegen westliche Autohersteller.

VW-Produktion im russischen Kaluga: Russland droht mit Sanktionen gegen westliche Autohersteller.

Foto: dpa

Kremlchef Wladimir Putin plant in der Ukraine-Krise einen vollständigen oder teilweisen Importstopp für Fahrzeuge aus dem Westen. Das berichtet die Moskauer Tageszeitung Wedomosti unter Berufung auf Regierungsvertreter. Ein entsprechender Vorschlag soll bereits an Putin übermittelt worden sein.

Das Importverbot könnte im Falle neuer Sanktionen der EU und USA gegen Russland beschlossen werden – quasi als Antwort Russlands auf die westlichen Sanktionen. Doch bestimmte Fahrzeuge sollen von dem Verbot ausgeschlossen werden. In Russland produzierte Fahrzeuge der Firmen Ford, VW, Renault, Toyota und Hyundai dürften dann weiter verkauft werden. Auch Länder, die sich Russland gegenüber freundlich verhalten, dürfen weiterhin Autos nach Russland exportieren.

Deutsche Autobauer spüren bereits die Krise

Russland gehört mit einem Absatz von fast 600.0000 Fahrzeugen zum Wachstumsmarkt der deutschen Autohersteller. Doch mit dem Beginn der Ukraine-Krise begann der Absatz bereits zurückzugehen und läuft seit einigen Monaten schlecht. Daimler berichtet von rückläufigen Umsatzzahlen. So schrumpfte der Markt bereits um 9,9 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2013.

Im ersten Halbjahr 2014 importierte Russland 27 Prozent der Neuwagen, 43 Prozent der Lkw und 13 Prozent Busse. „Wir behalten die Situation in Russland genau im Auge. Wir sind aber nach wie vor von den Wachstumsaussichten des russischen Marktes überzeugt“, erklärt ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim. VW will trotz der Ukraine-Krise bis Ende 2018 weitere 1,2 Milliarden Euro in Russland investieren.

Russlands Präsident Wladimir Putin vor einem Heldendenkmal in Moskau: Putin will die Sanktionen der EU gegen Russland wegen der Ukraine-Krise mit Sanktionen gegen westliche Firmen kontern.

Russlands Präsident Wladimir Putin vor einem Heldendenkmal in Moskau: Putin will die Sanktionen der EU gegen Russland wegen der Ukraine-Krise mit Sanktionen gegen westliche Firmen kontern.

Foto: dpa

Ein Einfuhrstopp für westliche Autos würde vor allem die Hersteller bevorzugen, die massiv in Russland investiert und dort eine Produktion aufgebaut haben. Dazu gehören die deutschen Hersteller VW, Audi und BMW. Beispielsweise produziert VW in seinem russischen Werk Kaluga bei Moskau mit 5000 Mitarbeitern die Modelle Tiguan und Polo sowie den Kleinwagen Fabia von Skoda. Zudem produziert der russische Autohersteller GAZ im VW-Auftrag in Nischni Nowgorod den Jetta. VW verkaufte in Russland im vergangenen Jahr 287.264 Autos.

Russland prüft auch Überflugrechte nach Asien

Regierungschef Dmitri Medwedew warnte vor weiteren Sanktionen Europas gegen sein Land. Medwedew drohte auch mit einem Überflugverbot nach Asien für europäische und US-amerikanische Fluglinien. Auch ein Importverbot für Industrieerzeugnisse sei denkbar, heißt es in russischen Regierungskreisen. So könnte Russland neue Geschäftspartner in Asien suchen. 

Die EU und die USA hatten erst kürzlich Sanktionen gegen offizielle Vertreter und führende Unternehmen und Banken in Russland ausgesprochen. Damit haben sie keinen Zugang mehr zum europäischen Kapitalmarkt. 

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