Geringe Steuereinnahmen 17.07.2015, 13:42 Uhr

Ramelow: Wir bekommen keine Großunternehmen nach Thüringen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht keine Chancen mehr, große Unternehmen ins Land zu holen. Allenfalls verlängerte Werkbänke wie von Mercedes und Opel ließen sich im Land ansiedeln, bedauert Ramelow im Interview mit den VDI nachrichten. 

Produktion des Opel Adam in Eisenach: Thüringens Regierungschef Ramelow kritisiert zu viele verlängerte Werkbänke im Osten, während die Unternehmenszentralen und Forschungsabteilungen im Westen geblieben sind.

Produktion des Opel Adam in Eisenach: Thüringens Regierungschef Ramelow kritisiert zu viele verlängerte Werkbänke im Osten, während die Unternehmenszentralen und Forschungsabteilungen im Westen geblieben sind.

Foto: Opel

„Wir haben nicht einen Dax-Konzern im Land“, sagt der Ministerpräsident. „Die großen Unternehmen kommen nicht hierher. Das hat schon die CDU 24 Jahre vergeblich versucht. Dazu sind sie dort, wo sie jetzt sitzen, jahrzehntelang zu sehr gepampert worden.“

Fehlende Konzernzentralen schlagen auf Steuereinnahmen durch

Das habe aber auf Dauer Folgen für die Wirtschaftskraft der ostdeutschen Länder. „Wer hier keine Umsatzsteuer zahlt, keine Konzernabrechnung macht, seine Umsatzströme nicht bündelt, sorgt auch nicht dafür, dass wir hier Arbeitsplätze im höheren Einkommensbereich haben.“ Thüringen verfüge über verlängerte Werkbänke und Produktionseinrichtungen. „Mit Forschung und Entwicklung hat das nichts zu tun“, kritisiert Ramelow. „Auch Opel Eisenach ist ein hochleistungsfähiger Endfertigungsstandort, aber ohne jede Forschung und Entwicklung.“

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im Bundesrat: Er hält den Finanzausgleich für weiterhin notwendig, weil immer noch viel zu wenige Großunternehmen ihren Sitz im Osten haben. Das drücke die Steuereinnahmen der neuen Länder.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im Bundesrat: Er hält den Finanzausgleich für weiterhin notwendig, weil immer noch viel zu wenige Großunternehmen ihren Sitz im Osten haben. Das drücke die Steuereinnahmen der neuen Länder.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Aus dem Grund sei der Osten auf einen Ausgleich durch die Westländer weiter angewiesen. „Thüringens Steuerkraft pro Kopf liegt bei 53 % des Bundesdurschnitts, die Wirtschaftskraft bei 74 %. Dies auszugleichen, verlangt schon das Grundgesetz“, unterstreicht der Linken-Politiker. „Die deutsche Einheit ist erst wirklich vollzogen, wenn auch die ostdeutschen Länder ihre Geldeinnahmen aus der eigenen Wirtschaft generieren.“

Das gesamte Interview lesen Sie in der digitalen und der Printausgabe der VDI nachrichten.

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