PLAN NEUER STADTREGIERUNG 21.10.2015, 12:19 Uhr

Oslo will bis 2019 eine autofreie Innenstadt

Innerhalb von nur vier Jahren soll die norwegische Hauptstadt autofrei werden. Das ist der Plan der neuen Mehrheit im Rathaus in Oslo. Paris hat ähnliche Pläne, auch in München wird nachgedacht – die europäische Metropole ohne Autos im Zentrum scheint zum Trend zu werden.

Oslo bei Nacht: 2019 soll die Innenstadt autofrei sein. Das plant die neue Koalition im Osloer Rathaus.

Oslo bei Nacht: 2019 soll die Innenstadt autofrei sein. Das plant die neue Koalition im Osloer Rathaus.

Foto: Lysberg Stian Stian Solum/dpa

Die neue Koalition im Osloer Rathaus hat sich richtig was vorgenommen. Schon im Jahr 2019 soll kein Auto mehr durch das Zentrum der norwegischen Hauptstadt rollen. Linke und Grüne haben nach ihrem Erfolg bei der Kommunalwahl im September diesen Plan geschmiedet: Der Ausstoß von Treibhausgasen soll halbiert werden – und das gegenüber dem Jahr 1990, das auch Referenzjahr des globalen Kyoto-Abkommens ist. Vor allem aber lagen die Werte damals noch deutlich niedriger als heute.

Das neue Bündnis, das nach 18 Jahren die Konservativen im Rathaus ablöst und auch den Bürgermeister stellen wird, will dafür unter anderem das Radwegenetz in der Stadt massiv ausbauen. Der wichtigste Punkt aber ist die autofreie Innenstadt.

Einige Vorbilder in Europa

Wie der Plan genau umgesetzt wird, ist noch unklar. Die örtliche Wirtschaft aber fürchtet schon jetzt herbe Verluste unter anderem für die elf Einkaufszentren in der City, die dann nicht mehr direkt mit dem Auto erreichbar wären.

Oslo legt vor allem mit dem Zeitplan großen Ehrgeiz an den Tag – Vorbilder aber gibt es durchaus. In Florenz beispielsweise ist die gesamte Innenstadt verkehrsberuhigt, in Mailand soll die weitgehend autofreie Zone noch deutlich ausgeweitet werden. Und Helsinki will bis 2025 so gute Radwege und Nahverkehrsverbindungen haben, dass niemand mehr ein Auto in der City braucht.

Gesundheit der Anwohner im Blick

Die Städte begründen ihre Vorhaben vor allem mit dem Klimaschutz. Hintergrund all dieser Pläne ist aber vor allem die Sorge um die Gesundheit der Bewohner, die durch Feinstaub, Diesel-Rußpartikel und andere Schadstoffe belastet werden. 

Das ist auch das Motiv für die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die Ende vergangenen Jahres ankündigte, bis 2020 alle Diesel-Fahrzeuge aus der Stadt zu verbannen.

Auch in München könnte die Altstadt autofrei werden – zwar gibt es hier noch keine konkreten Pläne, aber die bayerische Landesregierung prüft gerade, welchen Gewinn ein solches Konzept für die Luftqualität bringen würde.

Oslo will bis 2030 Autoverkehr in gesamter Stadt um 30 % reduzieren

Oslo seinerseits will bis 2030 den Autoverkehr in der gesamten Stadt um 30 % reduzieren. Dies ist allerdings ohnehin ein Trend in vielen Großstädten, wo immer mehr Bewohner Car-Sharing betreiben, Bus und Bahn nutzen oder Fahrrad fahren, um dem Stau zu entkommen. In Köln beispielsweise ist der Anteil des „Motorisierten Individualverkehrs“ am gesamten Verkehrsaufkommen, der 1982 noch bei rund 50 % lag, heute schon auf 40 Prozent gesunken – Tendenz weiter fallend. Aber es gibt auch noch genügend Städte mit Nachholbedarf wie die Liste der 17 schmutzigsten Städte in Deutschland zeigt.

Von Werner Grosch

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